Leserbrief

„Identität im Wandel – keine Krise, sondern Chance“

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Hinrich Jürgensen (Archivbild)

Der Hauptvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger, Hinrich Jürgensen, reagiert auf einen Leserbrief von Andreas Geuss und betont: Wandel ist normal – die Minderheit bleibt lebendig, integriert und offen für Zugezogene.

Lieber Andreas,

danke für deine Gedanken zum Thema Minderheit (Leserbrief von Andreas Geuss vom 25. Januar 2026).

Es ist immer wichtig und richtig, über die Rolle und Identität der Minderheit zu sprechen. Gerade das Thema Identität ist von entscheidender Bedeutung, und deshalb beschäftigen wir uns damit auch sehr eingehend. Zum Beispiel in den Identitätsgesprächen, die in den Jahren 2024/25 von vielen durchgeführt wurden oder auch als Projekt in den Schulen.

Identität ist immer auch im Wandel und somit verändert die Minderheit sich ebenfalls. Dass kann gar nicht anders sein. Die Minderheit ist heute eine andere als noch vor 10, 20 oder 40 Jahren. Wer wir im Kern sind, darf und muss debattiert werden. Auf die Frage gibt es unterschiedliche Antworten. Das ist gut so. Aber eine Identitätskrise ist das nicht.

Was die Anzahl der Mitglieder betrifft, ist es richtig, dass wir uns mehr wünschen und hier auch einen größeren Einsatz leisten müssen. Aber auch hier gibt es einen Wandel, der nicht nur uns, sondern die ganze Gesellschaft betrifft: Parteien, Organisationen, Vereine. Früher war es selbstverständlich, dass man Mitglied war, das ist heute – leider – anders.

Du schreibst: „Gleichzeitig sind Überalterung und Nachwuchsprobleme unübersehbar.“ Was ich vor Kurzem gesehen habe, ist ein sehr engagierter und wichtiger Wahlkampfeinsatz unserer jungen SPitzen. Sie haben der Schleswigschen Partei und der Minderheit ein frisches Profil gegeben – welche andere dänische Partei kann das von sich behaupten?

Dass wir uns gegenüber der dänischen Gesellschaft abgrenzen, ist schlicht falsch. Wir sind einzeln und als Gemeinschaft sehr gut in die dänische Gesellschaft integriert und wollen das auch sein.

Was die Zugezogenen betrifft: Es hat in der Minderheit immer Platz gegeben für Zugezogene. Viele der Zugezogenen sind ehrenamtlich engagiert und leisten einen großen Beitrag für die Minderheit. Das gilt zum Beispiel auch für deinen Einsatz, Andreas. Und vielen Dank dafür.

Wir müssen aber auch deutlich sagen: Die Integration von Tausenden von Neubürgern ist nicht die Kernaufgabe der deutschen Minderheit. Die Zugezogenen sind herzlich willkommen in der Minderheit. Und es ist sicher richtig, dass wir noch mehr auf die zugehen könnten, die unsere Angebote in Schulen, Kindergärten und Vereinen nutzen. Ich hoffe, dass du uns dort auch weiterhin unterstützt.

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