Wort zum Sonntag

„Frohe Pfingsten!“

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Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes – der Geist, der Frieden bringt wie eine Taube. Bischof Elof Westergaard verbindet in seinem Pfingstwort diese Hoffnung mit dem 1700-jährigen Jubiläum des Glaubensbekenntnisses von Nicäa.

Heute feiern wir das Kommen des Heiligen Geistes auf die Erde: Gottes Gegenwart unter uns – der Geist des Friedens, der Hoffnung und des Trostes, seine Gegenwart, sein Wehen, sein Feuer und seine Flamme. Wir feiern Pfingsten.

Und in diesem Jahr begehen wir an diesem Pfingsttag zugleich das 1700-jährige Jubiläum eines der beiden Glaubensbekenntnisse, die sich hinten in unserem Gesangbuch finden. Es ist jenes mit dem langen Namen: das nizänisch-konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis.

Im vergangenen Monat konnte ich ein Taubenpaar beobachten, das draußen auf dem französischen Balkon des Bischofsbüros ein Nest baute und Eier legte. Das Fenster war mit Papier verhängt, damit sie in Ruhe gelassen wurden. Eine Taube legt in der Regel ein bis drei Eier, und in diesem Nest lagen zwei. Es war schön, die Tauben mit ihren sanften, graublauen Farbtönen und ihrem leisen Gurren zu beobachten.
Warum erwähne ich die Taube gerade heute, am Pfingsttag? Nun, weil die Taube in der Geschichte weit mehr war als nur ein Stadtvogel. Sie ist ein Symbol für Frieden und Hoffnung – man denke nur an die Geschichte der Arche Noah, wo eine Taube mit einem Zweig zurückkehrt als Zeichen dafür, dass das Wasser sinkt und neues Leben entstehen kann.

In der christlichen Tradition ist die Taube darüber hinaus zum zentralen Symbol des Heiligen Geistes geworden, dessen Kommen wir heute zu Pfingsten feiern.

Die Taube ist ein Symbol für Gott, den Heiligen Geist, und ein Symbol für Gottes Willen, weiterhin zu uns zu sprechen.

In diesem Zusammenhang kann man sagen, dass die Taube ein natürliches Symbol für den Heiligen Geist ist – denn die Taube hat seit jeher Botschaften zu den Menschen gebracht, in Zeiten des Friedens wie des Krieges – im alten Ägypten, in Griechenland und später als Brieftaube.


Wie bereits erwähnt, begehen wir in diesem Jahr auch das 1700-jährige Jubiläum des Konzils von Nicäa im Jahr 325, bei dem die frühe Kirche das Glaubensbekenntnis formulierte.

Es war eine Zeit, in der sich die Kirche mit dem Römischen Reich verband und den Kern des Christentums formte.

Und man stelle sich vor: Das geschah nicht in Paragraphen, sondern in einem Bekenntnis von hoher poetischer Kraft – einem Bekenntnis, das gesungen und gemeinsam gesprochen werden kann. Das Glaubensbekenntnis ist nicht trockene Theologie – es ist ein Lobgesang, der im gemeinsamen Leben erklingt.

Die heutige Feier des nizänisch-konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnisses ist daher nicht nur eine historische Erinnerung an dieses Bekenntnis, sondern ein Fest dessen, was Pfingsten schafft – nämlich Gemeinschaft durch und Leben aus Gottes Wort.

Heute, am Pfingsttag, feiern wir also nicht nur ein historisches Ereignis. Wir feiern den Heiligen Geist, der – wie die Taube – kommt und unserem Miteinander Frieden, Hoffnung und Leben schenkt.
Diesen Geist, der uns – trotz aller Unterschiede – zu einem Leib macht.

Gott, Heiliger Geist, schaffe Leben und Trost in deiner Kirche und erfülle uns mit deinem Frieden und deinem Mut, aus deiner Liebe zu leben.

Elof Westergaard

Bischof Ribe