Gastkommentar

„Es fehlen uns die Lagerfeuer“

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Claudia Knauer ist die Direktorin der Deutschen Zentralbücherei Apenrade.

Ob Serien oder der Plausch nach dem Kirchgang – früher gab es Orte, an denen man sich ganz selbstverständlich traf. Heute fehlt das oft. Claudia Knauer macht sich Gedanken, wie wir diese Treffpunkte zurückgewinnen können.

Wenn ich hier von Lagerfeuern spreche, meine ich eher nicht die aus Holz, mit viel Rauch und angebrannten Würstchen, sondern die Idee, dass man sich versammelt, miteinander spricht, ein Erlebnis teilt.

Früher – ja, die „Alten“ unter uns kennen das noch – gab es die sogenannten „Straßenfeger“ – wie das „Stahlnetz“ oder „Das Halstuch“. Im dänischen Fernsehen war „Matador“ ein ähnlicher Erfolg beschieden. Später kamen dann „Dallas“ hinzu oder „Der Denver-Clan“.

Da war die ganze Familie vor dem Fernseher vereint, am nächsten Morgen wurde im Büro, der Kantine oder dem Schulhof darüber gesprochen und alle wussten, worum es ging.

Und nicht nur der Fernseher versammelte die Nation. Man traf sich in der Kirche oder – sorry liebe Pastoren und Pastorinnen – in der Kneipe im Dorf, beim Kaufmann und beim Schlachter. Die Kinder spielten ohne große Absprache mit anderen Kindern auf dem Spielplatz oder dem Sportplatz. Es gab natürliche Sammlungspunkte. Große Verabredungen waren nicht notwendig.

Heute streamt man und muss aufpassen, dass man nicht den Plot spoilert, weil die andere den Film noch nicht zu Ende gesehen hat.

Man geht ins Fitnesscenter und trainiert für sich alleine. Und für Kinder werden aufwändige Spielvereinbarungen getroffen.

Es gibt noch ein paar Lichtpunkte: Das Knivsbergfest, das neben dem Sportlichen vor allem den Vorteil hat, dass man alle anderen trifft.

Es gibt die Büchereien, in denen sich Gleichgesinnte finden – etwa beim Spielenachmittag oder beim Stricken. Es gibt den Bücherbus, der in einer Straße hält und an dem nach und nach alle aus der Nachbarschaft zusammenkommen.

Aber es könnte noch mehr geben. Wir haben den dringenden Bedarf, ohne langwierige Terminfindung aufeinanderzutreffen. Einfach so.

„My home is my castle“ ist zuzeiten ja auch schön und gut, aber ein Schnack nach dem Kirchgang, ein gemeinsames, gerne auch alkoholfreies, Bier in der ganz normalen Kneipe oder ein spontanes Fußballspiel auf dem Platz auch. Das fehlt uns.