Leitartikel

„Die Zukunft der dänischen Landwirtschaft: Verantwortlich handeln“

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Jeppe Bruus
Minister Jeppe Bruus (Soz.) bei der Präsentation von „Den Grønne Trepart“ am Montag, 18. November 2024.

Landwirtschaft und Natur gehen zeitgleich in die Knie. Die neue „grüne Absprache“ soll beiden wieder aufhelfen. Trotz aller Kritik: Cornelius von Tiedemann sieht in den Zielen des Papiers große Chancen für das ganze Land. Auch und gerade im Hinblick auf die Kommunalwahlen.

Die „Aftale om et Grønt Danmark" hat erneut die Debatte über die Rolle der Landwirtschaft im Ringen um Nachhaltigkeit entfacht. Während Naturschutzexpertinnen und -experten die Vereinbarung als unzureichend kritisieren, sehen sich Landwirtinnen und Landwirte bereits überfordert. Die Kluft zwischen den Positionen bleibt bestehen, trotz weitreichender Maßnahmen wie neuen Naturnationalparks, CO₂-Steuer für die Landwirtschaft und Stickstoffreduzierung.

Diese großen Pläne müssen jetzt in lokalen Gesprächen umgesetzt werden. Dass die Kommunen sich intensiv daran beteiligen sollen, macht Arbeit – bietet aber auch demokratische Möglichkeiten.

Die Schuldfrage

Die Landwirtschaft steckt in der Klemme. Der Druck, die Produktion zu steigern und gleichzeitig Umweltauflagen zu erfüllen, ist immens. Die Kritik an der Trepartsaftale, dass sie die wirtschaftliche Extrawurst der Landwirtschaft aufrechterhält und das Prinzip „der Verschmutzer zahlt“ nicht durchsetzt, ist dennoch berechtigt.

Aber statt Landwirtinnen und Landwirte als alleinige Schuldige darzustellen, sollte der Fokus auf der politischen Verantwortung liegen. Politikerinnen und Politiker haben zu lange gebraucht, notwendige Reformen zu erkennen und umzusetzen. Sie haben es versäumt, diese Reformen ihren Wählerinnen und Wählern auf dem Lande verständlich zu machen und EU-Direktiven effektiv in dänisches Recht umzuwandeln.

Umweltauswirkungen und Folgen für die Landwirtschaft

Pestizide
Wenn die Winter milder werden, kann das dazu führen, dass auf den Feldern mehr gespritzt werden muss (Symbolfoto).

Die Folgen sind dramatisch. Die andauernde intensive Landwirtschaft und der Klimawandel hinterlassen im Zusammenspiel mit anderen Faktoren spürbare Folgen: Der Meeresboden vor den dänischen Küsten ist praktisch tot, und mildere Winter führen zu neuen Herausforderungen wie erhöhtem Pestizideinsatz. Ein Teufelskreis.

Demokratische Chancen

Nach Jahren des Versagens hat die Politik, gemeinsam mit den beteiligten Partnern in der Absprache, nun einen Weg aus dem Schlamassel aufgezeigt. Dass die Kommunen sich intensiv daran beteiligen sollen, die Maßnahmen auszugestalten und umzusetzen, bietet auch demokratische Möglichkeiten.

In den Kommunalparlamenten sitzen, anders als heute im Folketing, noch viele Menschen, die in der Praxis tätig sind – auch in der Landwirtschaft. Die Kommunalverwaltungen wissen im wahrsten Sinne, wie und wo bei ihnen der Hase läuft.

Es ist also eine riesige Chance: Das örtliche Know-how wird angezapft und zugleich müssen sich alle auf gemeinsame Ziele einigen.

Ein fantastisches demokratisches Projekt also, zu dem etliche Menschen im ganzen Lande ihren Beitrag leisten werden.

Der Wahlkampf könnte grün werden

Wenn dem Ganzen nicht ein anderes demokratisches Projekt in die Quere kommt: Die Kommunalwahl steht vor der Tür. Die Kalender der Lokalpolitikerinnen und -politiker sind also jetzt schon blockiert.

Doch die Synergie, das sagt sinngemäß auch der zuständige Minister Jeppe Bruus, wäre doch bei allem Aufwand ein Gewinn für alle: Kommunalwahlen, bei denen es aus gegebenem Anlass ganz zentral darum geht, wie wir die Land- und Wasserflächen in unserer Heimatumgebung nutzen, schützen oder wieder verwildern lassen. Ja, auch: Wie wir aus dem aufgetragenen grünen Umschwung bei uns Profit schlagen können.

Optimismus, Gestaltungswillen und Zusammenarbeit sind angesagt

Gemeinsam für eine nachhaltige Zukunft

Fazit: Die Transformation der dänischen Landwirtschaft zu einem nachhaltigen Modell – auch für die Landwirtinnen und Landwirte selbst – ist unsere gemeinsame Verantwortung.

Statt irgendwen an den Pranger zu stellen, können jetzt alle zusammenarbeiten, für ökologisch und ökonomisch tragfähige Lösungen. Wir können ethisch verantwortlich handeln, langfristige Nachhaltigkeit ins Zentrum stellen und gleichzeitig eine Landwirtschaft sichern, die sich auch rentiert. Und das alles in einem lokal verankerten, demokratischen Prozess.

Hier in Nordschleswig und in Dänemark insgesamt haben wir das Know-how dazu – und wenn nicht, können wir es entwickeln.

Die „grüne“ Absprache ist nicht perfekt, aber sie hat Potenzial. Und sie ruft gemeinsame Ziele aus. Jetzt heißt es von allen Seiten, aus den rhetorischen Schützengräben zu kriechen und gemeinsam anzupacken.

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