Diese Woche in Kopenhagen

„Die verwunderliche Faszination des Autoritären“

Veröffentlicht Geändert

Walter Turnowsky wundert sich darüber, warum so viele Menschen Trump, Orbán und Weidel so gern haben. Doch vielleicht hängt das damit zusammen, dass er nicht ganz logisch denkt.

Ich habe eine etwas eigenartige Eigenschaft, die nicht unbedingt besonders logisch ist. Wenn mich jemand allzu eifrig von etwas überzeugen möchte, dann schalte ich auf stur und taub. Die Argumente höre ich schon gar nicht mehr.

So hat es Jahre gedauert, bevor ich den Film „Blade Runner“ gesehen habe. Der Grund war, dass ein Mitbewohner im Studentenwohnheim auf mich einredete, dass man diesen Film unbedingt gesehen haben MUSS. Zumindest, wenn man als halbwegs gebildeter Mensch gelten wollte.

Doch so etwas soll man mir lieber nicht sagen. Allerdings muss ich gestehen, dass mir der Film sehr gut gefallen hat, als ich ihn dann endlich gesehen habe.

Wie gesagt, so richtig logisch ist dieses Reaktionsmuster nicht. Was nichts daran ändert, dass ich es bis in meine Kindheit zurückverfolgen kann. Muss also irgendeine Verbindung in meinem Gehirn etwas anders gelötet worden sein.

Die Erfahrungen mit den Diktatoren

Vielleicht ist es auch diese Eigenart, die bedeutet, dass ich nicht verstehe, warum sich die Sehnsucht nach dem Autoritären in diesen Jahren erneut so ausbreitet. Ich dachte eigentlich bis vor wenigen Jahren, dass wir das Kapitel auf unseren Breitengraden abgehakt haben.

Es ist ja nicht so, dass die Erfahrungen mit Franco, Mussolini und Co. so sonderlich positiv waren, um gar nicht erst vom Dritten Reich zu sprechen. Die andere Variante mit Stalin, Mao und Ulbricht war auch nicht unbedingt ein Erfolgsmodell. Mugabe, Amin sowie die Militärdiktaturen in Griechenland, Chile und Argentinien hatten auch eher die Unterdrückung als das Wohl des Volkes im Blick.

Der Abbau der Demokratie

Und trotzdem möchten immer mehr Menschen einen starken Mann (mittlerweile auch eine starke Frau) an der Spitze ihres Staates sehen. Putin ist es längst gelungen, die (bereits zuvor mangelhafte) Demokratie in Russland außer Kraft zu setzen. Orbán ist in Ungarn mit einem entsprechenden Projekt auch schon recht weit gekommen. Und Trump hat in den USA in seinen ersten 100 Tagen auch schon so einiges in dieser Beziehung geschafft.

In Österreich ist die FPÖ stärkste Kraft geworden, nachdem Herbert Kickl scharf nach rechts abgebogen ist. In Frankreich hat Marine Le Pen die Präsidentschaft nur relativ knapp verfehlt. Und in Deutschland liegt die AfD in den Umfragen gleichauf mit der Union. Also jene AfD, die der Verfassungsschutz am Freitag als „gesichert rechtsextrem“ eingestuft hat.

Das Gehirn gleich mit abgegeben

Ich kann ja irgendwie nachvollziehen, dass Menschen aufgrund von Migration und unbewältigten Integrationsproblemen zu Ausländerfeindlichkeit und Rassismus neigen können. Ich verstehe auch, dass Menschen, die schlechte Erfahrungen mit Autoritäten gemacht haben, skeptisch bis feindlich gegenüber dem „System“ und dem Staat werden können.

Was ich absolut nicht verstehe, ist, wie man sich einreden kann, dass alles besser wird, wenn man diese Autoritäten durch autoritäre Autoritäten ersetzt. Woher kommt der Glaube, dass diese Typen einem Gutes tun wollen, wenn doch deutlich ist, dass sie nur das eigene Wohl und das ihrer Komplizinnen und Komplizen im Blick haben?

Aber wie gesagt: Vielleicht denke ich hier einfach nicht ganz logisch.