Wort zum Sonntag

„Die Erde geht auf“

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„Earthrise“ – die Erde über dem Mond: Ein Bild, das Astronaut James Lovell 1968 prägte und das bis heute für die Verletzlichkeit unseres Planeten steht. Was wir aus dieser Perspektive über Schöpfung, Mensch und Glauben lernen können, schreibt Axel Bargheer, Pastor der Deutsch Reformierten Kirche in Kopenhagen, in seinem „Wort zum Sonntag“.

Vor Kurzem starb James Lowell im Alter von 97 Jahren. Nur wenige werden sich an seinen Namen erinnern, aber in den sechziger Jahren war er einer der erfahrensten Astronauten. Unter anderem war er 1970 Kommandant der Apollo-13-Mission und sollte eigentlich der fünfte Mann auf dem Mond werden. Aber bevor das Raumschiff den Mond erreichte, explodierte einer der Sauerstofftanks. („Houston, wir haben ein Problem.“) Die Landung auf dem Mond war nicht mehr möglich, und die Mannschaft kehrte unter weltweiter Beachtung zur Erde zurück. Dabei musste viel improvisiert werden, nicht notwendige Technik wurde ausgeschaltet und die Temperatur im Raumschiff sank bis fast null Grad. Dreieinhalb Tage später konnten Lowell und seine Mannschaft unbeschadet im Südpazifik landen.

Anderthalb Jahre früher war Jim Lowell schon Teil der Besatzung der Apollo-8-Mission gewesen, dem ersten bemannten Flug zum Mond. Sie umkreisten den Erdtrabanten zehnmal und flogen zurück zur Erde. Bei der vierten Umkreisung fotografierten sie dann, wie die Erde über dem Mond aufging. Das ikonische Earthrise-Foto ging hinaus in alle Welt. Dieses außergewöhnliche Bild unseres Planeten ist bis heute ein Symbol für die Verletzlichkeit und die Schönheit der Erde.

Berühmt wurde dieser Apollo-8-Flug auch durch die Fernsehübertragung aus der Mondumlaufbahn, bei der die drei Astronauten am Heiligabend 1968 den Anfang der Schöpfungsgeschichte lasen. Jim Lowell las damals die Worte: „Und Gott nannte das Licht Tag, und die Finsternis nannte er Nacht.“

Auch wenn heute jeder Kleinwagen mehr Hightech als die Mondlandefähren an Bord hat, damals waren die Mondmissionen wissenschaftliche und technische Meisterleistungen. Und offenbar sahen die Astronauten darin keinen Widerspruch zu der Erkenntnis, dass wir den Sinn des Lebens nicht in chemischen Formeln beschreiben und das, was diese Welt im Innersten zusammenhält, nur zum Teil mit den Gesetzen der Physik ausdrücken können.

Weil sie wissen, dass unser Verstand begrenzt ist und wir die Welt nur zu einem Teil naturwissenschaftlich beschreiben können, lesen die Astronauten der Welt vom All aus die biblische Schöpfungsgeschichte vor. Diese erzählt nichts über Geologie, Astronomie oder Physik, aber viel über die Schönheit der Erde und ihren Zusammenhalt. In poetischer Sprache erzählt die alte Geschichte über die tiefste Ursache der Welt; ihre Weisheit wird von naturwissenschaftlicher Erkenntnis nicht beschädigt, sondern höchstens bekräftigt.

Keine künstliche Intelligenz wird jemals aufrichtig Sätze schreiben, die in dieser Welt den Geist Gottes erkennen, und dafür danken, ein Teil dieser Schöpfung zu sein.