Wort zum Sonntag

„Das Beste aus beiden Kulturen: Nikolaus meets Luzia“

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Das Wort zum 1. Adventssonntag von Dorothea Lindow.

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, das wird heute in den deutschsprachigen Gottesdiensten gesungen. Die Türen gehen auf, die Tore machen wir weit, die Adventszeit beginnt: 1, 2, 3, 4 Sonntage bis zum Heiligen Abend, bis Weihnachten. Aus der früheren Fastenzeit ist längst schon eine Vorweihnachtszeit geworden.

Mittendrin in der Adventszeit liegen zwei besondere Tage: Aus der deutschen Kultur kommt der Nikolaustag, den wir am 6. Dezember feiern. Aus der schwedischen Kultur kommt der Luziatag, den wir am 13. Dezember feiern. In Nordschleswig treffen die beiden aufeinander. Dabei stammen sowohl Nikolaus als auch Luzia eher aus Südeuropa. Beide verband die Überzeugung, dass richtig verstandener Glaube Taten mit sich bringt.

Aber wer waren eigentlich Luzia und Nikolaus?

Nikolaus ist der ältere von beiden. Vermutlich von 270 bis 343 lebte er. Er war Bischof von Myra (heute Provinz Antalya), war aber griechischer Abstammung, aufgewachsen in der Seestadt Patara. Dort soll er erste Wunder vollbracht haben. Von ihm wird erzählt, dass er gern nachts durch seine Stadt ging. Er hatte von einer verarmten Familie erzählt bekommen. Der Vater hatte sein Vermögen verloren, konnte den drei Töchtern keine Mitgift mitgeben. Um seine Not zu lindern, plante er, seine Töchter an ein Bordell zu verkaufen. Das konnte Nikolaus nicht ertragen. So ging er an drei aufeinanderfolgenden Nächten zum Haus des Vaters und warf jeweils einen Sack Geld/ Gold durch das Fenster, sodass die Mitgift der Töchter gesichert war. Nikolaus erwartete keine Gegenleistung. Aus christlicher Überzeugung versuchte er tatkräftig zu helfen. Um unerkannt zu bleiben, handelte er nachts.

Das nächtliche Handeln hat sich in der Tradition um den Nikolaustag erhalten. Heute stellen Kinder ihre (geputzten) Schuhe vor die Tür, damit nachts der Nikolaus seine Geschenke dort hineinlegen kann.

Und die Kinder singen:

„Lasst uns froh und munter sein, und uns recht von Herzen freun.
Lustig, lustig, tralalalala, bald ist Nikolausabend da, bald ist Nikolausabend da.“

Etwa zur gleichen Zeit wie Nikolaus lebte auch die heilige Luzia. Lucia war eine römische (italienische) Heilige, die den Märtyrertod erlitt. Ihr Gedenktag ist der 13. Dezember. Nach dem julianischen Kalender galt der 13. Dezember als Tag der Wintersonnenwende, als dunkelster Tag des Jahres. Da brachte Luzia Licht ins Dunkle. Nu bæres lyset frem. (Text: Alex Garff)

Nu bæres lyset frem
stolt på din krone
rundt om i hus og hjem
sangen skal tone
//:Nu på Lucia-dag
hilser vort vennelag
SantaLucia, Santa Lucia://

Her ved vor ønskefest
sangen skal klinge
gaver til hver en gæst
glad vil du bringe.
//:Skænk os af lykkens væld
lige til livets kvæld
Santa Lucia, Santa Lucia://

Luzia kam vermutlich als Tochter reicher Eltern zur Welt. Ihr Vater verstarb früh. Luzia wurde Christin und versprach, niemals zu heiraten. Denn sie wollte ihre Mitgift armen Menschen schenken. Luzias Mutter sorgte sich jedoch um ihre Tochter und arrangierte eine Ehe, die Luzia ablehnte. Angeblich hat ihr enttäuschter Verlobter sie verraten, sodass sie als christliche Märtyrerin für ihren Glauben starb. Genauso wie Nikolaus war sie überzeugt, dass christlicher Glaube auch christliches Handeln bedeutet. Als Erwachsene gründete sie eine Armen- und Krankenstation. Ihren christlichen Glaubensgenossen brachte sie Lebensmittel, wenn diese sich vor Christenverfolgungen verstecken mussten. Um beide Hände für Lebensmittel freizuhaben, trug sie einen Lichterkranz. So konnte sie auch in der Dunkelheit ihren Weg finden. Während der deutschen Besatzungszeit fand 1943 zum ersten Mal eine Luziaprozession in Dänemark (Silkeborg) statt. Heute tragen manchmal Kinder einen Lichterkranz. Was er oder sie an guten Taten aus christlicher Überzeugung tun möchte, ist jedem selbst überlassen. Aber in unseren Gemeinden sammeln wir Geld, um die Arbeit von „Brot für die Welt“ zu unterstützen.

Euch allen eine gesegnete Adventszeit

Dorothea Lindow