Gastkommentar

„Dänischer Sommer - Erwartungen und Realität“

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„Du danske sommer, jeg elsker dig, skønt du så ofte har sveget mig (O dänischer Sommer, ich lieb dich sehr, obgleich du so oft treulos bist)”, schrieb Thøger Larsen 1923 im Text für das bekannte Lied über die Jahreszeit. Büchereidirektorin Claudia Knauer singt in ihrem Kommentar ein ähnliches Lied.

Spätestens wenn sich der April dem Ende zuneigt, beginnt man vom Sommer zu träumen. Vor dem inneren Auge leuchtet die warme Sonne an einem blauen Himmel, der getupft ist mit zarten Schäfchenwolken. Das Gras lädt mit einem tiefen Grün zu einem Nickerchen inmitten der Halme ein. Das Wasser der Ost- respektive Nordsee ist glasklar, das Seegras wiegt sich sanft im Wind, die Temperaturen sind angenehm und weder Quallen noch Fische wagen sich in Ufernähe.

Die Kinder schlecken friedlich ihr Eis, erfrischen sich im Planschbecken und spielen danach Fangen im Garten. Die Eltern ziehen sich zur erwachsenen Zweisamkeit in die Dünen zurück oder besuchen ein Konzert im Freien.

Dazwischen werden Bücher gelesen, die erheitern und den Blick weiten oder einfach froh machen.

Und dann die Realität eines dänischen Sommers: Es regnet, es stürmt, es gibt einen wirklich heißen Tag, nur damit man bald danach wieder in graue Wolken blickt. Wenn es gut läuft, liegen die Temperaturen wenigstens über 20 Grad.

Der Rasen ist von Giersch durchsetzt, der sich hartnäckig weigert zu weichen. Ansonsten krabbeln Ameisen und zwischendurch findet sich die Hinterlassenschaft des Nachbarhundes.

In der Ostsee schwimmen Feuerquallen und die Nordsee ist gar nicht da, wenn man kommt.

Die Kinder essen ihr Eis so intensiv, dass sie über und über klebrig sind, streiten sich endlos und im Planschbecken erfreuen sich die Algen eines intensiven Wachstums. Sand und Zweisamkeit passen so gut zusammen wie Sand und Bücher. Nämlich gar nicht.

Und die Freiluftkonzerte werden entweder schon vorher abgesagt oder man muss sie, wie beim Grøn Koncert in Esbjerg oder vergangenes Jahr beim Tønder Festival, fluchtartig verlassen, weil Sturm, Regen und Hagel Bleiben unmöglich machen - danke Mensch für diesen Klimawandel.

Die Erwartungen sind auf die Realität getroffen.

Aber es gibt sie doch - die erträumten Momente oder die ganz unverhofften:

Eine laue Nacht, in der man um Mitternacht noch spazieren geht, weil die Luft so speziell ist und der Himmel irgendwo noch ein wenig leuchtet.

Den Feldrand, der in roten Klatschmohn und blaue Kornblumen getaucht ist und der plötzlich bei der Radtour auftaucht.

Das glückselige Lächeln des Kindes, das es zum ersten Mal geschafft hat zu tauchen.

Das Schwimmen in einem verwunschenen See ohne Quallengefahr.

Die spontane Umarmung in einem Flecken Sonnenschein.

Das Buch, das die Bibliothekarin empfohlen, man selbst aber nie ausgesucht hätte und das zum Lachen oder zum Weinen bringt.

Viele kleine Glücksmomente.

Und dann die Hoffnung auf einen kommenden Sommer - das kann keiner nehmen. Er könnte ja warm und sonnig und friedlich werden.

Die in diesem Gastkommentar vorgebrachten Inhalte sind nicht von der Redaktion auf ihre Richtigkeit überprüft. Sie spiegeln die Meinung der Autorin oder des Autors wider und repräsentieren nicht die Haltung des „Nordschleswigers“.