Wort zum Sonntag

„Christus ist geboren! “

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Bischöfin Marianne Christiansen, Hadersleben, erinnert an ein Weihnachtslied, das geschrieben in Zeiten des Krieges voller Hoffnung und Zuversicht ist.

(Evangelisches Gesangbuch, Lied 36)

Fröhlich soll mein Herze springen /

dieser Zeit, / 

da vor Freud / 

alle Engel singen. / 

Hört, hört, wie mit vollen Chören / 

alle Luft / 

laute ruft: / 

Christus ist geboren! 

So schrieb Paul Gerhardt zu einer Zeit, die von Kriegsangst und Zukunftsängsten geprägt war. Er schrieb an Menschen, die noch immer von den Schrecken und dem Leid des Dreißigjährigen Krieges geprägt waren. Und Johann Crüger fügte eine Melodie hinzu, die ständig zwischen schweren und leichten Tönen wechselt. Eine Melodie, die einen großen Bogen, vom tiefen Grundton zum hohen Grundton und wieder zurück beschreibt, als würde man sich danach sehnen, zum Himmel aufzusteigen, um dort oben den Grundton zu finden, der sich im tiefen Grundton dann auf der Erde widerspiegelt. 

Ich habe gehört, dass die besten Melodien so geschrieben sind, dass sie zum Text der letzten Strophe passen. Das, so meine ich, ist eine schöne Idee. Denn wenn man singt, erschließt sich am Schluss der Sinn des Ganzen. 

Dieses Lied, das Paul Gerhardt und Johann Crüger uns geschenkt haben, singen wir auch auf Dänisch (DDS114). Bei uns hat das Herz „Flügel der Freude” (”glædes vinger”) bekommen. Auf Deutsch „springt“ das Herz, weil die Engel vor Freude singen. Und beides macht das Herz lebendig, wie bei einem Kinde, wenn es etwas Freudiges hört und es dann anfängt zu hüpfen und die Arme auszubreiten. 

Im letzten Vers des deutschen Textes fällt die höchste Grundnote der Melodie genau auf das Wort „Freud”: 

„mit dir will ich endlich schweben
voller Freud ohne Zeit
dort im andern Leben.“ 

Die Hoffnung auf das ewige Leben ist die Hoffnung auf ewige Freude. Dass die Freude das Letzte sein wird. Nicht Trauer und Elend.

Mit dem Lied öffnen sich die Ohren für den Engelsgesang der Weihnachtsbotschaft:

”Hört, hört, wie mit vollen Chören, / alle Luft/ laute ruft: / Christus ist geboren.” 

Der Kern des Weihnachtsfestes ist der Ruf, der die Freude hervorruft: Und das nicht nur in fernen Himmeln, jenseits der Horizonte unserer Existenz. Nicht nur dort, sondern hier „alle Luft laute ruft“ (Vers 1). Der Luft, die wir atmen und von der wir leben. Sie ist erfüllt von der Freudenbotschaft: Jesus ist in die Welt gekommen. Und mit ihm ist die ewige Liebe Gottes sichtbar geworden und der Sinn des Daseins ist in unsere ganz normale Welt gekommen, unserer Welt in all ihren Ängsten und Sorgen.

Schon wenn wir mit dem tiefen Grundton beginnen, sind wir auf dem Weg zum hohen Grundton. Auch wenn wir die Freude nicht spüren können und manchmal loshumpeln müssen, auch wenn wir uns um dies und das sorgen. Der hohe Ton führt uns zum Sinn des Ganzen, in die ewige Freude. Und von dort aus breitet sich die Freude über die ganze Erde aus, in unser Leben hinein, so dass das Herz schon jetzt zu springen wagt und sich mit „Flügeln der Freude“ erhebt.

Glædelig jul og hjertelige hilsner

Bischöfin Marianne Christiansen, Hadersleben