Leserinnenbrief

„Auch Symbole sind wichtig“

Veröffentlicht Geändert

In ihrem Leserbrief fordert Claudia Knauer, Büchereidirektorin und Kandidatin für den Hauptvorsitz des BDN, eine starke Haltung der EU gegenüber den jüngsten US-Drohungen. Auch symbolische Gesten seien wichtig, um Grönland zu unterstützen.

Am Samstag, wenige Tage nach dem Treffen des dänischen Außenministers und seiner grönländischen Kollegin mit dem US-Außenminister und -Vize, sind in Nuuk, Kopenhagen und anderen Orten bewundernswert viele Menschen auf die Straße gegangen, um mit der Flagge Grönlands zu bekräftigen: Grönland ist ein Teil der Reichsgemeinschaft, Grönland ist ein Teil Dänemarks und Grönland gehört den Grönländern und Grönländerinnen. Natürlich eine Selbstverständlichkeit. Eigentlich. Gäbe es da nicht die Männer und Frauen im Weißen Haus der USA, die sich um Völkerrecht und die nationale Souveränität anderer Staaten nicht scheren, sondern sich nehmen wollen, was ihnen gefällt oder was sie zu brauchen meinen. Was eine derartige hybride Kriegsführung – denn darum handelt es sich bereits – mit den Menschen in Grönland macht, die nun seit vielen Monaten unter ständiger Bedrohung leben, die davon traumatisiert oder auch retraumatisiert werden können, wie Walter Turnowsky es uns eindringlich berichtet, spielt für diese amerikanische Regierung ganz offensichtlich überhaupt keine Rolle.

Dieser bis vor Kurzem kaum für möglich gehaltene Rückfall in Imperialismus und Kolonialismus macht all diejenigen von uns, für die Völkerrecht, Rechtsstaat und Demokratie wichtige Werte sind, fassungslos. Wir als deutsche Minderheit stehen für diese Werte ein.

Auch wenn wir nicht selbst zur Verteidigung Grönlands aufbrechen können, wie es erfreulicherweise wichtige EU-Staaten, darunter Deutschland, gerade tun, können wir als deutsche Minderheit doch unsere Solidarität ausdrücken. Mit einem Statement. Mit einer Flagge. Mit einem Post. Das ist nicht viel, und in den USA wird es weder gehört noch gelesen werden, noch wird es irgendwen dort interessieren. Aber dennoch: Es bedeutet etwas, denn in der Summe machen viele symbolische Handlungen doch einen Unterschied. In jedem Fall für die Grönländerinnen und Grönländer.

Es bleibt zu hoffen, dass die EU, die bei der Minderheit zur DNA gehört, stark bleibt gegenüber den jüngsten Zolldrohungen. Eine Beschwichtigungspolitik hilft nicht, wie die Geschichte zeigt.

 

Claudia Knauer, Jørgensgaard 28, 6200 Aabenraa, Kandidatin für den Hauptvorsitz des Bundes Deutscher Nordschleswiger

Die in diesem Leserinnenbeitrag vorgebrachten Inhalte wurden nicht von der Redaktion auf ihre Richtigkeit überprüft. Sie spiegeln die Meinung der Autorin wider und repräsentieren nicht die Haltung des „Nordschleswigers“.