Das Wort zum Sonntag

„Andere Wege gehen“

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Pastorin Bettina Sender, Hadersleben, beschäftigt sich in ihrem Wort zum Sonntag mit den Weisen aus dem Morgenland und deren neuem Weg, den sie auf ihrem Rückweg einschlugen.

Das Weihnachtsfest ist vorbei, und auch die Weisen aus dem Morgenland haben inzwischen Bethlehem wieder verlassen, dem neugeborenen König an diesem seltsam „un-herrschaftlichen“ Ort gehuldigt. Wegen eines Traumes hören wir als Letztes von diesen Weisen: „Deshalb kehrten sie auf einem anderen Weg zurück.“ (Mt 2,12 Basisbibel)

Sie gehen einen anderen Weg, könnte man auch sagen. Einen neuen Weg. Denn: Wenn man diesem Kinde, Gottes Sohn, dem Christus, begegnet ist, kann man nicht auf den ausgetretenen Pfaden der Vergangenheit gehen. Sie werden aufmerksam auf die Gefahr, sich einem machtbesessenen Herrscher anzuvertrauen – in diesem Fall Herodes, der als Zeichen seiner Machtgier ja dann auch im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen geht, um seinen Herrschaftsanspruch zu behaupten und die mögliche Konkurrenz eines „neuen“ Königs aus dem Weg zu räumen.

Heute heißen die Machtbesessenen anders – das System ist geblieben. Aber zurück zu den Weisen. Sie sind einem Zeichen gefolgt – einem Stern, den man wahrscheinlich nur in der Abgeschiedenheit der Nacht sehen kann, wenn man zur Ruhe kommt und die vielen Ablenkungen des Tages ausgeblendet sind.

Der Stern bringt sie zu den alten Verheißungen, den Schriftgelehrten in Jerusalem. Wohin sie der Stern führen will, hören sie aus den alten Schriften. Eine Gruppe von Menschen schart sich um diese, und gemeinsam kommen sie zu der Erkenntnis: Gott schickt den Retter aus Bethlehem in diese Welt.

Und da stehen die Weisen dann und staunen und erliegen dem bescheidenen und doch überwältigenden Zauber dieses Kindes, wie es nach ihnen noch viele tun werden, als er ein Erwachsener ist und es vermag, die Menschen an Leib und Seele zu berühren. Sie gehen einen neuen Weg.

Später werden es die Jünger sein, und viele, viele werden folgen. Wie sieht es mit uns aus? Wie brechen wir von der Krippe auf in das neue Jahr? Auf ausgetretenen Pfaden? Oder träumen wir nicht auch davon, neue Wege zu wagen? Etwas, was uns nicht den Mächten des Konsums, der Unachtsamkeit und Lieblosigkeit aussetzt. Kein Zurück zu „Herodes“ – kein Sich-Einlassen auf „Machtspielchen“. Den Zauber der Weihnacht mitnehmen, zulassen, dass Gottes Macht, die Macht der Liebe und Demut, der Dankbarkeit und der Friedfertigkeit mich einen guten Weg leitet und mich, wie die Weisen, nach Hause führt (in der dänischen Übersetzung steht „Hjem“ – nach Hause!).