Wort zum Sonntag

„Advent zwischen Erinnerung und Alltag“

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Pastorin Anke Krauskopf erinnert daran, wie sich Advent früher angefühlt hat – und was davon heute noch trägt. Zwischen Routinen, Stress und stillen Momenten bleibt die einfache Botschaft: Weihnachten kommt. Und vielleicht berührt uns das gerade dann.

Die Adventszeit ist gekommen. Weihnachten ist nahe. Als Kind habe ich die Augen aufgemacht und wusste gleich, warum ich mich so freue: Das erste Türchen am Adventskalender darf ich heute aufmachen. Dabei war es gar nicht das kleine Geschenk, das mich im Adventskalender erwartet hat. Ich habe mich noch mehr auf das Gefühl gefreut, das die Adventszeit mit sich brachte. Jeder Tag in der Schule begann in dieser Zeit damit, dass man auf seinem Tisch eine echte (!) Kerze angezündete. Es wurden Weihnachtslieder gesungen und unsere Lehrerin las eine Geschichte vor. Man besuchte in Lübeck den Märchenwald an der Marienkirche, machte natürlich beim Krippenspiel mit. An den Nachmittagen wurde gebastelt. Wunderbar war das. Die Weihnachtsgeschichte als Fensterbilder habe ich immer noch aus jener Zeit. Als Kind habe ich die Adventszeit mit dem ganzen Körper gespürt. Die Zeit, die jetzt da war, und die Zeit, die noch kommen würde. Und in meiner Erinnerung habe ich mich inmitten meiner Jetzt-Freude und Vor-Freude sehr wohlgefühlt.

Liebgewonnene Traditionen habe ich in mein Erwachsenenleben hineinzuretten versucht, wie z. B. morgens in die geheizte Küche zu kommen und nur das Kalenderlicht brennt auf der Fensterbank. Kurze Momente dieses nostalgischen Adventsgefühls genießen: Wir sind dem Geheimnis der Menschwerdung Gottes auf der Spur – bevor das Tagesgeschäft meine Aufmerksamkeit wieder einfordert.  

Inzwischen können wir schon die dritte Kerze am Adventskranz anzünden. Wahrscheinlich wird auch heute in manchen Häusern ganz unadventlich gestritten. Oder die Kerzen bleiben aus, weil jemand einsam ist oder traurig. Ja, mag sein. Und ich bin sicher, bei jedem von uns gibt es Jahre, in denen einem eigentlich nicht nach Lichterglanz und Tannengrün zumute ist. Und doch habe ich mich noch jedes Mal innerlich wieder anrühren lassen. Trotz allem, was in meinem Leben und in der Welt im Argen liegt.

Die Zeit ist erfüllt und bringt uns Gott immer näher. „Bereitet dem Herrn den Weg; denn siehe, der Herr kommt gewaltig.“ (Jes. 40,3.10)

Weihnachten wird geschehen, auch ohne unser Zutun. Ich freue mich darauf.

Einen gesegneten 3. Advent.