Kultur

Englisch wird immer häufiger gebraucht – Dänisch auf dem Rückzug?

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Danglish
Der Begriff „Danglish“ steht schon lange im Wörterbuch. Dabei handelt es sich um eine Form des Dänischen, in der der Sprechende oder die Sprechende viele englische Wörter nutzt.

Besonders junge Menschen nutzen im Alltag immer häufiger englische Wörter. Wenn durch das „Danglish“ dänische Wörter verloren gehen, ist das kein Problem, sagen Sprachforschende.

Englisch hat die dänische Sprache infiziert. Heute wird mehr Englisch gesprochen als je zuvor, schreibt „Videnskab.dk“ und beruft sich auf eine repräsentative Untersuchung aus dem Jahr 2024, in der 850 Bürgerinnen und Bürger befragt wurden.

97 Prozent der Menschen in Dänemark können Englisch auf verschiedenen Niveaus sprechen, so eines der Ergebnisse. Im Vergleich zum Jahr 1995 sei das ein markanter Anstieg, denn damals konnten „40 Prozent der Däninnen und Dänen über 65 Jahre eigenen Angaben zufolge kein Englisch sprechen“, sagt Dorte Lønsmann, die am Institut für Englisch, Deutsch und romanische Sprachen an der Universität Kopenhagen ist, zu „videnskab.dk“.

„Heute sagen nur 3 Prozent der Däninnen und Dänen aus, sie könnten sich auf Englisch nicht unterhalten“, so Lønsmann. Unter den über 65-Jährigen seien es 6 Prozent. „Also sprechen heute auch die älteren Bürgerinnen und Bürger Englisch.“

Die Jungen gewinnen den Hauptpreis im Danglish

Die britische und amerikanische Populärkultur sind eine Ursache dafür, dass die Menschen in Dänemark die englische Sprache adaptieren.

„Besonders die jungen Leute schauen richtig viele Serien und Filme auf Englisch. Und sie spielen Computer und sind in sozialen Medien unterwegs und hören dadurch richtig viele Wörter“, sagt Lønsmann, die an der Umfrage mitgewirkt hat.

Doch selbst wenn ältere Menschen heute mehr Englisch sprechen, lesen oder schreiben, sind es die Jungen, die das Feld anführen, wenn es um die Disziplin „Danglish“ geht.

34 Prozent der 16- bis 25-Jährigen beschreiben laut der Umfrage, dass sie jeden Tag Englisch sprechen. 90 Prozent derselben Altersgruppe hören mindestens einmal pro Woche Englisch. Bei den über 25-Jährigen sind es 83 Prozent.

What to do?

Glaubt man Michael Ejstrup, selbstständiger Sprachforscher, kann es gut sein, dass ein reales Risiko besteht, dass manche dänische Wörter verloren gehen und durch englische Ausdrücke ersetzt werden. Aber das ist faktisch in Ordnung, sagt er.

„Sprache ist lebendig. Die Alternative zur Veränderung ist, dass Sprache stirbt“, so Ejstrup gegenüber dem Wissenschaftsmagazin. Ähnlich beschreibt es Laila Kjærbæk, die am Institut für Kultur- und Sprachwissenschaften an der Süddänischen Universität lehrt. „Die Wahrheit ist, dass wir Englisch brauchen. Um ausländische Fachkräfte nach Dänemark zu ziehen und um die besten TV-Serien, Filme und Computerspiele zu verstehen.“

Wenn sich das ändern soll, dann brauche es ein qualitatives Angebot in Form von beispielsweise TV-Serien und Computerspielen auf Dänisch. „Oder wir haben keinen Bedarf mehr für einen globalen Arbeitsmarkt“, sagt sie.

Dänisch will survive

Dorte Lønsmann kann gut nachvollziehen, dass sich einige Menschen mit der Entwicklung unwohl fühlen. „Meine Sorge ist, dass sich einige aus Gesprächen ausgeschlossen fühlen. Außerdem könnte ein Verständnis an manchen Arbeitsplätzen dafür fehlen, dass, selbst wenn viele Englisch können, es immer noch große Unterschiede geben kann, wie hoch das Sprachniveau ist, das man hat.“

Aber die Sprachwissenschaftlerin glaubt nicht daran, dass die dänische Sprache aufgrund vieler englischer Wörter in Gefahr ist: „Der dänischen Sprache geht es gut. Sie verschwindet nicht, selbst wenn wir englische Wörter integrieren.“