Natur

Seltene Gäste: Zwei Delfine zeigen sich in der Apenrader Förde

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Eine Seglerin und ihre Familie haben auf der Apenrader Förde Delfine gesichtet (Symbolbild).

Naturphänomen: Delfine in der westlichen Ostsee sind bislang eine Seltenheit. Am Pfingstwochenende tauchten zwei Tiere in der Apenrader Förde auf und begleiteten ein Segelboot. Fachleute sehen darin mehr als nur ein schönes Schauspiel – der Lebensraum der Tiere verändert sich.

Toller Abschluss für einen Pfingstausflug mit dem Segelboot: Gemeinsam mit ihrer Familie verbrachte Nadine Ehrenbrusthoff vom Deutschen Schul- und Sprachverein (DSSV) die freien Tage auf dem Wasser. Am Sonntagabend, auf der Rückfahrt von Düwig (Dyvig) nach Apenrade (Aabenraa), kam es dann zu einem besonderen Moment, als mindestens zwei Delfine das Boot der Familie begleiteten.

„Wir waren gerade auf Höhe von Warnitz und Scherriff am Eingang der Apenrader Förde, als die Tiere gegen 19 Uhr auftauchten.“

Delfine begleiten das Boot eine halbe Stunde lang

„Die Delfine schwammen etwa eine halbe Stunde lang vor und neben dem Boot und tauchten darunter hinweg“, erzählt Nadine, die in der Geschäftsstelle des DSSV arbeitet, dem „Nordschleswiger“. Ob es sich um zwei oder sogar drei Tiere gehandelt hat, kann sie im Nachhinein nicht mehr genau sagen.

Mit dem Smartphone hielten sie das Naturschauspiel fest:

Zunächst dachten Nadine und ihr Partner Jacob, es handele sich um gewöhnliche Schweinswale. Doch schnell waren sie sich einig, dass es doch Delfine sein müssen.

Die Videos hat Walforscher Carl Kinze gesichtet. Der gebürtige Nordschleswiger bestätigt unserer Redaktion: „Es handelt sich bei den Tieren auf jeden Fall um gewöhnliche Delfine, lateinisch Delphinus delphis.“ Es sei eine interessante Sichtung.

Markante Unterschiede zum Schweinswal

Wer Tiere in den Gewässern der Region beobachtet, der sollte auch wissen, wie man sie auseinanderhält, sagt Kinze, der sich seit Jahrzehnten mit Walen beschäftigt.

Delfine unterscheiden sich von Schweinswalen durch die sichelförmige Rückenfinne und den Schnabel. Beim Schweinswal ist die Finne eher dreieckig und die Kopfform runder. Diese ist beim Delfin markanter. Außerdem hat der gewöhnliche Delfin vier verschiedene Farbgebungen. „Er hat einen schwarzen Rücken, gelbe Flecken an den Seiten und einen hellen Bauch. Hinzu kommt die graue Schwanzflosse“, sagt Kinze.

Der Schweinswal hingegen sei oben schwarz und unten weiß und sei „wie mit einem Schwamm mit dunkler Farbe übergebürstet“.

Interessierte finden auf seiner Webseite hvaler.dk entsprechende Abbildungen.

Delfine sind in der Ostsee noch eher selten anzutreffen. „Ich würde schon sagen, dass wir regelmäßig auf dem Wasser sind und segeln, aber Delfine haben wir bisher nicht gesehen“, sagt Nadine Ehrenbrusthoff. „Das war echt toll.“ Auch die beiden Kinder, die mit an Bord waren, hätten das Schauspiel sehr interessiert verfolgt.

Delfine entdecken die Ostsee

Laut Forscher Kinze dürften Delfine in Zukunft häufiger zu beobachten sein – wegen des Klimawandels. „Sie sind bereits gewöhnlicher geworden, auch in dänischen Gewässern, aber auch bis nach Finnland. Sie werden ihrem Namen also langsam gerecht.“

In der Vergangenheit sorgten immer wieder Delfine für Aufsehen entlang der Ostseeküste. Bekannt wurden etwa die Delfine „Delle“ und „Skywalker“, die in den vergangenen Jahren immer wieder an verschiedenen Orten in der Ostsee von Gedser über Kiel bis Travemünde aufgetaucht sind. Sie sind laut der Organisation Deutsche Stiftung Meeresschutz Einzelgänger.

2016 sorgten die Delfine „Selfie“ und „Delfie“ für spektakuläre Bilder – unter anderem in der Flensburger Förde. 2021 sorgte der Tod von Delfin „Sandy“ in der Eckernförder Bucht für mediale Aufmerksamkeit. Das Tier war erstmals im Februar 2020 dort aufgetaucht.

Schweinswale werden seltener

Während Delfine also die Ostsee für sich entdecken und der Bestand laut der internationalen Naturschutzorganisation IUCN ungefährdet ist, geht die Population der heimischen Schweinswale (Phocoena phocoena) seit Jahren kontinuierlich zurück.

Nach Informationen der Landesstelle Ostseeschutz des Naturschutzbundes (Nabu) ist sie allein zwischen 2016 und 2022 in der westlichen Ostsee von rund 42.000 auf 14.000 Exemplare geschrumpft.

Noch stärker ist der Rückgang in der inneren Ostsee zwischen Kattegat und Bornholmer Becken. Der dortige Bestand liegt laut Schätzungen des Deutschen Meeresmuseums Stralsund bei nur noch 100 bis 1.000 Tieren.

Die Gründe für den Rückgang sind menschengemacht, allen voran sorgen Stellnetze für zahlreiche Tode. Hinzu kommen Unterwasserlärm und der Rückgang der Fischbestände durch den Klimawandel.

Der gewöhnliche Delfin ist jedoch keine Gefahr für den Schweinswal, da er laut Kinze kaum größer ist. Eine größere Gefahr für den Schweinswal seien hingegen Große Tümmler, die die Tiere mitunter auch jagen und töten. Beide Arten kommen in der Ostsee vor.

Ob die beiden Delfine, die Nadine Ehrenbrusthoff und ihre Familie von ihrem Segelboot aus beobachten konnten, für längere Zeit in der Gegend um die Apenrader Förde bleiben, ist ungewiss. In Freiheit schwimmen Delfine schon mal bis zu 100 Kilometer am Tag. So schnell sie gekommen sind, so schnell könnten sie also wieder weg sein.