Leserbrief

„Verzwickt, unoffen und unbeliebt“

Veröffentlicht Geändert

Leserbrief von Ute und Klaus Eigenmann aus Behrendof zu den im Raum stehenden Schließungen der deutschen Einrichtungen in Lunden und Rapstedt.

Am 17. November war der Abgabetermin für die Konzepte zur Erhaltung der deutschen Kindergärten und Schulen in Lunden bzw. Rapstedt. Nun liegt die Entscheidung über das Fortbestehen der Einrichtungen durch den Hauptvorstand des DSSV und des BDN an.

Dürfen der Hauptvorstand des DSSV bzw. des BDN die Einrichtungen schließen? Für die Schulen ist die ganz klare Antwort: nein. Dies können laut Satzungen nur die örtlichen Schulvereine. Für die Kindergärten ist für uns die Lage unmittelbar nicht deutlich. Auf den Homepages der Kindergärten bzw. der DKA, der DKS und des DSSV haben wir lediglich eine Satzung für die DKA und den DSSV gefunden – und dort ist nicht formuliert, wie eine Schließung einzelner Einrichtungen vor sich zu gehen hat.

Hat der DSSV die Haushaltshoheit für die Schulen und Kindergärten? Ja. Mit der Verpflichtung auf Überblick und Weitblick. Nicht erst seit 2 Monaten.

Diese Konstellation sollte generell eine Zusammenarbeit zum Betrieb der Institutionen zwischen den Einrichtungen und dem DSSV beinhalten.

Wie eine Zusammenarbeit funktioniert, kann auf verschiedene Weise dargestellt werden. Wir haben eine Darstellung in Bezug auf das Verhältnis der Beteiligten zueinander gewählt (und chat.lex.dk um Formulierungshilfe gebeten):

Die antiautoritäre Zusammenarbeit: hat Fokus auf Teilnahme und gemeinsame/kollektive Verantwortung. Dies soll sichern, dass alle Beteiligten sich aktiv engagieren und Einfluss auf die Arbeit und Beschlüsse haben.

Dem gegenüber steht die autoritäre Zusammenarbeit: gekennzeichnet durch zentralisierte Macht und Entscheidungskompetenz, hierarchische Strukturen mit klarer Leitungsstruktur, Einordnung und erwartetem Gehorsam unter den Beteiligten.

Zwischen diesen Gegensätzen liegt die demokratische Zusammenarbeit: baut auf eine flache, die Beteiligten einbeziehende Struktur, die beinhaltet, dass die Macht nicht nur auf eine einzelne Person oder eine kleine Personengruppe konzentriert ist. Die Zusammenarbeit soll sichern, dass alle Stimmen gehört und respektiert werden.

Schauen wir auf die letzten Wochen, macht sich das Bild einer autoritären Zusammenarbeit breit. Die Entscheidung zur Schließung der Kindergärten und Schulen wurde mitgeteilt. Es gibt einen Streif von demokratischer Zusammenarbeit, denn den Institutionen wird erlaubt, ein Konzept für das weitere Fortbestehen einzureichen. Über dessen Tragfähigkeit wird dann entschieden. Ein gemeinsamer Spendenlauf bzw. Unterstützungsbekundungen anderer Schulen wurden untersagt – ob es überhaupt eine Befugnis für diese Entscheidung gab, ist unseres Erachtens nach äußerst fragwürdig.

Wie wäre es, die Institutionsschließungen in Lunden und Rapstedt zurückzuziehen und den Prozess zur Sanierung des DSSV-Haushaltes neu zu starten? Bis zum Sommer 2026 kann immer noch viel erreicht werden. Unter Einbeziehung aller Institutionen, mit klarer Darstellung der Einnahmen und Ausgaben (was nützt es z. B., zu wissen, wie viel ein Schüler/eine Schülerin im Durchschnitt kostet, wenn man nicht weiß, wie viel er/sie kosten darf?), mit Erörterungen über Möglichkeiten und Notwendigkeiten, mit Offenheit und Mut, Neues zu wagen, mit der Einsicht, dass man nicht alles allein bewältigen kann. Die Wahrscheinlichkeit, auf diese Weise wesentlich mehr Einsparungen realisieren zu können, ist groß. Egal, ob es zu einer Schließung der vier Institutionen kommt oder die Institutionen weiterhin bestehen dürfen. Ein erwiesener und nicht zu unterschätzender weiterer Effekt dieser Herangehensweise wäre, dass Leitungen und Mitarbeitende zu Beteiligten im Prozess werden, was Loyalität und Arbeitsklima positiv beeinflusst.

Klaus und Ute Eigenmann,
Bjerndrup

 

Die in diesem unaufgefordert eingesandten Beitrag vorgebrachten Inhalte wurden nicht von der Redaktion auf ihre Richtigkeit überprüft. Sie spiegeln die Meinung der Autorin oder des Autors wider und repräsentieren nicht die Haltung des „Nordschleswigers“.