Leserbrief

„Mobilität ist Wohlfahrt – nicht nur ein Geschäftsziel“

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Peter Asmussen
Peter Asmussen

Leserbief von Peter Asmussen, Kandidat der Schleswigschen Partei zur Kommunalwahl 2025, zum Thema öffentlicher Nahverkehr.

In der Diskussion über den öffentlichen Nahverkehr wird allzu oft die grundsätzliche Frage übersehen: Ist öffentliche Mobilität ein Wohlfahrtsgut – oder ein Geschäftsmodell? 

Ich stimme den Forschern Egon Noe vom Center for Landdistriktsforskning der Syddansk Universitet und Harry Lahrmann, Verkehrsforscher, zu. Beide weisen darauf hin, dass wir beim Thema öffentlichen Verkehr an der falschen Stelle anfangen, wenn wir Erfolg nur an der Zahl der Fahrgäste messen – statt an dem gesellschaftlichen Nutzen, den Mobilität tatsächlich schafft.

Wie Pflege, Schule oder Gesundheitsversorgung ist auch der öffentliche Verkehr kritische Infrastruktur. Niemand würde Wasserleitungen nur dort verlegen, wo es sich wirtschaftlich am meisten lohnt. 
Verkehr ist eine Verbindung zwischen Menschen und Orten – er hält die Gesellschaft zusammen.  Gerade in der Kommune Aabenraa und in Nordschleswig spüren wir deutlich, welche Folgen es hat, wenn der öffentliche Nahverkehr in den ländlichen Gebieten wie ein Markt betrieben wird. Viele Dörfer verlieren ihre Busverbindungen, während in den Städten das Angebot ausgebaut wird. Das schafft Ungleichheit und erschwert es jungen Menschen, Familien und Älteren, ohne eigenes Auto gut zu leben.

Wie Dansk Industri sowie die Berater von COWI und Urban Creators in einer landesweiten Analyse nachgewiesen haben, hat Verkehrsmangel erhebliche gesellschaftliche Kosten. Wenn nur 210 junge Menschen auf dem Land aufgrund mangelnder Transportmöglichkeiten keine Ausbildung beginnen können, verliert die Gesellschaft bis zu 775 Millionen Kronen an Produktivität. Und bei älteren Menschen kann ein besseres ÖPNV-Angebot Einsamkeit verringern und das Gesundheitswesen jährlich um bis zu 430 Millionen Kronen entlasten. Die Zahlen stammen aus einer landesweiten Analyse, die 2023 im Auftrag von Dansk Industri von COWI und Urban Creators erstellt wurde. Deshalb sollten wir Mobilität als Investition in Menschen begreifen – nicht als Kostenfaktor. Wenn wir allen Zugang zu Schule, Arbeit, Kultur und Gemeinschaft ermöglichen, stärken wir Wohnstandort, Lebensqualität und gesellschaftlichen Zusammenhalt. 

Für die Kommune Apenrade heißt das: Bei Ausschreibungen und Planung des öffentlichen Verkehrs in ländlichen Gebieten muss das Wohlfahrts- und Mobilitätsperspektiv im Vordergrund stehen. Erfolg sollte nicht daran gemessen werden, wie viele im Bus sitzen – sondern wie viele die Möglichkeit haben, mitzufahren. 

Mobilität ist kein Luxus. 
Mobilität ist Wohlfahrt. 

Peter Asmussen  
Kandidat zur Kommunalwahl 2025 für die Schleswigsche Partei (SP)  
Apenrade