Leserbrief

„Die eine und die andere“

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Leserbrief von Ute und Klaus Eigenmann aus Behrendorf zur Schulschließung in Rapstedt und zum Fortbestehen der deutschen Einrichtungen in Lunden.

Nun ist die Empfehlung des BDN-Hauptvorstandes zu den Standorten Lunden und Rapstedt bereits seit einer Weile öffentlich – wir mussten erst einmal verdauen.

Nicht, weil es schwierig ist, eine schwierige und unangenehme Entscheidung anzunehmen, sondern wegen der Begründung und deren Begleiterscheinungen.

Wir möchten vorwegnehmen, dass wir uns freuen, dass der Kindergarten und die Schule in Lunden bestehen bleiben dürfen. Dies ist in allererster Linie gut für die Kinder. Und es ist gut für die Minderheitengemeinschaft auf Nordalsen. Was wir hier über Lunden bzw. das Konzept für den Standort Lunden schreiben, ist in keiner Weise Kritik, weder an der großen Arbeit, die Vorstand und Mitarbeitende in den letzten Wochen geleistet haben, noch am Konzept.

Nur hat die Freude für und mit Lunden einen sehr faden Beigeschmack. 

  • Die Standortschließungen wurden u. a. mit der schlechten Finanzlage des DSSV begründet. Nun darf die Schule, die als teuerste Schule pro SchülerIn im DSSV dargestellt wurde, bestehen bleiben.
  • Im Artikel des Nordschleswigers am 25. November, in dem von der Entscheidung berichtet wird, ist formuliert, dass in Lunden trotz baulicher Herausforderungen stabile Voraussetzungen für einen langfristig tragfähigen Betrieb gegeben sind – aber es waren doch gerade die baulichen Herausforderungen, die das große Problem in Lunden darstellten, sowie die geringe Übergangsquote aus dem Kindergarten (Artikel vom 22. November). Die Sanierungskosten wurden so dargestellt, als läge der Betrag jenseits von Gut und Böse. War der Betrag (doch) falsch oder sind die baulichen Notwendigkeiten doch nicht so groß? Und sind die Übergänge jetzt plötzlich stabil? Hatte da jemand seine Vorarbeit nicht gründlich gemacht?
  • Obwohl es in einem Artikel vom 14. November hieß, dass das Geld aus Berlin, das für den Campus in Apenrade kommen wird, völlig unabhängig von den Standortschließungen gesehen werden muss, es sind „zwei Paar Schuhe“ und es wird nicht die Schließungsempfehlung für Lunden aufheben, hieß es im Leitartikel vom 26. November, dass durch die Campus-Gelder aus Berlin Investitionen in Lunden möglich sind. Welche Aussage ist falsch?
  • Als Grund für die Entscheidung gegen Rapstedt wird formuliert, dass die Umsetzung des Konzeptes nur mit weiteren Zuschüssen realisierbar wäre. Das heißt, für Lunden müssen keine Zuschüsse mehr gezahlt werden? Und was beinhaltet der Begriff „Zuschuss“ eigentlich? Die Antwort auf die Frage, wie viel Geld für einen Schüler/eine Schülerin des DSSV zur Verfügung steht, steht immer noch aus (es geht dabei nicht um einen im Nachhinein berechneten Durchschnittsbetrag, sondern um einen im Voraus errechneten Betrag, mit dem die Schulen wirtschaften können). Auch wird formuliert, dass sich die langfristige personelle und organisatorische Stabilität vor Ort nicht sichern lasse. Welch oberflächliche und nichtssagende Formulierung. Ist dies die Verpackung dafür, dass momentan nur sehr wenige Kinder den Kindergarten besuchen? Oder die Umschreibung der demografischen Veränderung in Rapstedt und Umgebung, die es angeblich unmöglich macht, dass ausreichend neue Kinder im Kindergarten angemeldet werden? Ersteres wäre die Benennung einer Tatsache, die insofern unfair genutzt wird, als dass ein weiteres Mal nicht auf die Ursache dieser Tatsache eingegangen wird. Diese Ursache liegt nun aber mal in der Misere der DKA – und an entsprechenden Personalstellen hat es noch keine Veränderungen gegeben. Der Standort Rapstedt kann da nichts dafür. Er muss jetzt aber ausbaden. Die zweite Möglichkeit wäre eine unnuancierte Darstellung einer Prognose. Frei nach dem Motto „Ich traue nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe.“
  • Wenn wir uns die Beschreibungen der Konzepte für Lunden bzw. Rapstedt anschauen, wird deutlich, dass für Rapstedt in neuen Bahnen gedacht wurde, für Lunden wurde vom Bestehenden ausgegangen und an veränderte finanzielle Bedingungen angepasst. Dies ist ohne Wertung gemeint. Für uns auffällig ist es jedoch, dass (wieder) eine Idee abgelehnt wurde, für die die Bälle hochgeworfen wurden und neu landen durften.
  • Der Schließung des Kindergartens in Rapstedt ist inzwischen zugestimmt. Zum Sommer 2026; glücklicherweise, möchten wir sagen, hat vielleicht doch noch jemand an die Kinder gedacht. Interessant ist allerdings die Aussage, dass sich der DKA-Vorstand erneut treffen wird, wenn es zu frühzeitigen Abmeldungen kommt. Wird sich der Vorstand auch treffen, wenn es zu vermehrten Anmeldungen kommt? Wenn Eltern auf diese Weise zeigen, dass es durchaus eine Zukunft für den Kindergarten Rapstedt gibt? 

Unser Unverständnis schwillt noch weiter an, wenn es heißt, dass der DSSV schnellstmöglich ein finanzielles Zuteilungsmodell mit klaren Richtlinien und Steuerungsmechanismen einführt. Hurra für diese Entscheidung! Aber warum wurde dies nicht zuerst eingeführt, bevor Standortschließungen angekündigt wurden? Weil man Rapstedt und Lunden nicht zugetraut hat, ein tragfähiges Konzept zu erarbeiten, um Institutionen innerhalb des Zuteilungsmodells betreiben zu können? Weil der DSSV durch die Misere in den DKA so sehr in den Miesen steckt, dass es einfach vorne und hinten nicht reicht? Weil es streng notwendig war, an einer bestimmten Stelle zu sparen, weil Verantwortliche nicht zur Verantwortung gezogen werden und andere die Folgen ausbaden müssen?

Dem Ganzen wurde noch eine Krone aufs Werk gesetzt, als wir als Eltern einen Brief vom DSSV bekamen, in dem formuliert ist, dass sich für unsere Schule unmittelbar nichts ändert. Nein? Wann endet „unmittelbar“? Denn für die Kinder aus Rapstedt werden doch Plätze an den umliegenden Schulen zugesichert. Wir können jedoch nicht sehen, wie an unserer Schule Platz sein soll. Dann wird es noch enger in den Unterrichtsräumen. Damit würde sich für unser Kind etwas ändern – und für uns Eltern auch. Oder geht der DSSV davon aus, dass nur eine geringe Anzahl Kinder im DSSV bleibt? Oder wird es eine Zuteilung/Zuweisung geben an die Schule(n), an denen noch Platz ist? (In Klammern sei noch angemerkt, dass uns in dem Brief mitgeteilt wurde, dass die Schule in Rapstedt zum Sommer schließt. Dies ist eine Falschaussage. Denn diese Entscheidung war zu diesem Zeitpunkt – und ist ja auch weiterhin - noch gar nicht gefallen und sie kann nur von den Eltern der Schule getroffen werden.)

Summa summarum sind wir Zeugen eines Prozesses und einer Entscheidung gewesen, bei der mit einer sehr eigenen Logik gearbeitet wurde. Es wird gesagt, dass für eine Zukunftssicherung gesorgt wird. Wir sehen jedoch Flickenarbeit und die nächsten dünnen Stellen im Stoff sind sichtbar. Hier mussten sich Menschen der Minderheitenbasis einer Logik und einer Struktur anpassen, die seit zu langer Zeit von Entscheidungstragenden nicht evaluiert, geschweige denn hinterfragt oder sogar geändert werden. Es war kein Miteinander, es war ein Wir-entscheiden-über-Euch. Und es wird davon ausgegangen, dass die Basis die notwendigen satzungsbedingten und eigentlich als demokratische Mittel gedachten Schritte auf Anweisung ausführt. Eine Herangehensweise, die in unseren Augen weder in eine Gesellschaft im 21. Jahrhundert noch zu einem Leitungsstil anno 2025 passt. 

Es stellt sich für uns die Frage, wie lange der Wille zur Anpassung innerhalb der Basis vorhanden bleibt. Und wie von Seiten der Entscheidungstragenden und Meinungsbildenden mit den Menschen umgegangen wird, die (weiterhin) neu denken wollen und sich für Veränderungen einsetzen. 

Ute & Klaus Eigenmann,
Bjerndrup

 

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