Leserbrief

„Das Beste aus zwei Kulturen?“

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Ute und Klaus Eigenmann aus Behrendorf haben folgenden Leserbrief zu den im Raum stehenden Schul- und Kindergartenschließungen in Rapstedt (Ravsted) und Lunden verfasst.

Am 30. September wurden in Deutschland die Preisträger des Deutschen Schulpreises 2025 bekannt gegeben. Was diese Schulen leisten, kann wohl mit Recht als das Beste deutscher Schulkultur bezeichnet werden.

Das dänische Schulsystem wird insgesamt, aber auch die folkeskoler für sich und besonders die Möglichkeiten der freien Grundschulen, aus internationaler Sicht für ihre dezentrale Organisation und die daraus resultierenden lokalen Anpassungs- und Entwicklungsmöglichkeiten gelobt. Und jedes Jahr wird durch Rankings und Preise ganz unterschiedlicher Art der eine oder andere Aspekt von Schulwirksamkeit ausgezeichnet. (Wobei wir hier nicht Stellung zur Aussagekraft beziehen möchten.)

Wo kann Inspiration aus diesen Bestenkreisen der beiden Kulturen im DSSV wiedergefunden werden? Ja, die Frage ist rhetorisch. Im Umgang mit der finanziellen Situation des DSSV jedenfalls nicht.

Dabei sagt man doch, dass Not erfinderisch macht. Stattdessen wird weiterhin an konservativen, kurzsichtigen und rein finanziell geprägten Denkweisen festgehalten. Weil man nicht erfinderisch sein möchte?

Mindestens ein Schulentwicklungsprojekt (mit Finanzierungsaufstellung), mit dem ein neuer Weg eingeschlagen werden wollte, wurde vor nicht allzu langer Zeit nach einer, nennen wir sie mal interessanten Erörterung, abgelehnt. Aufgrund der finanziellen Lage des DSSV war die Begründung. Und nun sollen die Kindergärten und Schulen in Rapstedt bzw. Lunden bis 17. November ein Konzept einreichen, das zuerst den DSSV und dann den BDN überzeugen soll, die Einrichtungen doch weiterzuführen?

Die gesetzesmäßige Zugehörigkeit der Schulen des DSSV zum dänischen Freischulgesetz geben jede Menge Möglichkeiten, auch für die Kindergärten. Die gepriesene Gleichstellung der Schulen mit den folkeskoler könnte weitere Möglichkeiten bieten. Die Gesetzgebung für Kindergärten gibt ebenfalls ausreichend Möglichkeiten. Not könnte also erfinderisch machen.

Bei den Kindergärten sei anzumerken, dass sie ja die Grundlage für die Schulen sind. Dies ist momentan leider auch spürbar. Die Misere bei Teilen der Kindergärten schlägt direkt auf die Schulen durch. Außerdem gilt es, die Kindergartenentwicklung in der Mehrheit zu beachten. Man darf auch da den Anschluss nicht verlieren.

Aber: Haben DSSV und BDN den Mut, äußerst gefestigte Denkweisen aufzubrechen? Lassen die Verbandskultur und die Minderheitenkultur es zu, dass Institutionen einen gesonderten, institutionsspezifischen Weg gehen können? Die Aussage, dass Rapstedt und Lunden Organspender sind, lässt daran zweifeln. Nebenbei bemerkt: Organspender müssen hirntot sein; das glauben wir weder bei Lunden noch bei Rapstedt.

Es ist im Moment ganz bestimmt nicht einfach, Entscheidungsträger im DSSV zu sein. Insbesondere nicht, wenn das Anstellungs- oder Wahldatum noch nicht lange her ist. Man sitzt nicht nur mit einer Suppe, sondern mit einem 4-Gänge-Menü, das bewältigt werden muss. Aber gerade deshalb wäre innovatives, ganzheitliches Denken wünschenswert. Im Moment taucht bei uns eher das Bild der warm-nassen Hosen, wenn es kalt ist, auf.

Es gibt zwei Kulturen, aus denen das Beste ausgewählt werden kann. Mit Weltoffenheit können Ideen für regionale Lösungsansätze gefunden werden. Bitte nutzt die Chance! Es ist allerhöchste Zeit, aus Slogans Handlungen wachsen zu lassen; die Gesellschaft hat sich weiterentwickelt – und ist dem DSSV und auch dem BDN voraus.

Jede Krise kann der Anfang für etwas Neues sein. Intet er så skidt, at det ikke er godt for noget. Es geht hier konkret um Kinder und Eltern, um Mitarbeiter, um Minderheit außerhalb der Städte. Aber es geht auch darum, ob der DSSV im Besonderen und die Minderheit im Allgemeinen willig sind, sich ganzheitlich nachhaltig zu entwickeln. Einfach weitermachen ist keine Option. Einfach schließen sicher nicht die einzige Alternative.

Klaus und Ute Eigenmann,
Bjerndrup

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