Natur und Umwelt

PFAS-Alarm: Nordschleswig dreimal in Dänemarks Negativliste

Veröffentlicht Geändert
Auf den nordschleswigschen Feldern werden laut Naturschutzbund zu viele PFAS-haltige Pestizide eingesetzt.

Die Kommune Tondern schneidet in Nordschleswig am schlechtesten ab. Der dänische Naturschutzbund warnt vor wachsender Gefahr für das Grundwasser. Die unsichtbaren Chemikalien im Boden werfen Fragen nach Umweltfolgen und politischem Handlungsbedarf auf.

Der Einsatz von PFAS-haltigen Pestiziden in der dänischen Landwirtschaft hat im vergangenen Jahr einen neuen Rekordwert erreicht – trotz wachsender Warnungen von Wissenschaft und Umweltorganisationen. Das geht aus einer aktuellen Auswertung des dänischen Naturschutzbundes, Danmarks Naturfredningsforening (DN), hervor, die auf Grundlage offizieller Spritzjournal-Daten erstellt wurde. In der Erfassungsperiode vom 1. August 2023 bis zum 31. Juli 2024 wurden insgesamt 212.789 Kilogramm PFAS-haltiger Wirkstoffe ausgebracht – deutlich mehr als im Vorjahr.

Auch Nordschleswig ist stark betroffen: Die Kommunen Tondern (Tønder), Hadersleben (Haderslev), Apenrade (Aabenraa) und Sonderburg (Sønderborg) gehören zu den Regionen mit besonders hohem Einsatz.

Nordschleswig: Vier Kommunen stark belastet

Laut der DN-Analyse ergibt sich folgendes Bild für die Region:

Besonders Hadersleben sticht mit einem überdurchschnittlich hohen Flächenverbrauch hervor: Pro Hektar wurden hier durchschnittlich 69 Gramm PFAS ausgebracht – deutlich über dem Landesdurchschnitt von 49,5 g/ha.

Hauptverantwortliche Wirkstoffe: Fluazinam und Fluopyram

In ganz Dänemark stammen die höchsten Belastungen aus folgenden Wirkstoffen:

Besonders Fluazinam – in Produkten wie Shirlan Ultra oder Banjo 500 SC – wird häufig im Kartoffelanbau verwendet. Auch Fluopyram, z.B. im Präparat Propulse SE, wird insbesondere bei Getreide und Kartoffeln eingesetzt.

Stärkekartoffeln: Spitzenreiter beim PFAS-Einsatz

Die mit Abstand höchsten PFAS-Mengen entfallen auf den Anbau von Stärkekartoffeln:

PFAS – ein wachsendes Umweltproblem

PFAS („per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen“) sind chemisch extrem stabil und bauen sich in der Umwelt praktisch nicht ab. Beim Zerfall in den Böden entsteht unter anderem Trifluoressigsäure (TFA) – ein Abbauprodukt, das laut Forschungsstelle GEUS (Abk.: De Nationale Geologiske Undersøgelser for Danmark og Grønland) und der dänischen Umweltbehörde das Grundwasser zunehmend gefährdet. Bereits 2020 wurde TFA in 89 Prozent der getesteten Grundwasserproben nachgewiesen – oft über dem Grenzwert.

Umweltschutzverband fordert Verbot

Maria Reumert Gjerding, Präsidentin des dänischen Naturschutzbundes, schlägt Alarm: „Es ist sehr besorgniserregend, dass der Einsatz von PFAS-Pestiziden weiter steigt, obwohl Forschende seit Jahren vor deren Folgen warnen. Diese Stoffe sind so konzipiert, dass sie extrem schwer abbaubar sind – und landen letztlich als Ewigkeitschemikalien in unserer Umwelt. Das können wir uns als Gesellschaft nicht leisten. Ein sofortiges Verbot ist notwendig – alles andere ist fahrlässig gegenüber künftigen Generationen.“

Zwar prüft die Umweltbehörde derzeit regulatorische Schritte und hat im April 2025 erste Anhörungen eingeleitet – doch ein Verbot liegt bislang nicht vor.

Hintergrund: So wurde erhoben

Die Daten stammen aus über 91.000 Spritzjournal-Einträgen, die landwirtschaftliche Betriebe in Dänemark verpflichtend bei der Umweltbehörde einreichen müssen. Die PFAS-Wirkstoffe wurden anhand offizieller Wirkstofflisten identifiziert. Die Berechnungen beziehen sich auf die Unternehmen am Firmensitz – nicht zwingend auf den tatsächlichen Einsatzort der Pestizide.