Diebstahl

Weg sind sie wieder: Ortsschilder von „Sæd“ gestohlen

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Zu den fünf gestohlenen Schildern gehört auch das Hinweisschild an der Landstraße 11, die zur Grenze und nach Süderlügum führt.

In der Kommune Tondern sind erneut mehrere Ortsschilder des Dorfes Seth verschwunden. Der Ortsname sorgt seit Generationen für Schmunzeln – und ist offenbar auch bei Souvenirjägern begehrt. Fünf Schilder wurden kürzlich in einer Nacht entwendet.

Seth, der kleine Ort vor den Toren Tonderns sorgt mal wieder für Gesprächsstoff. In der Nacht zum 23. Oktober sind gleich fünf Ortsschilder mit dem Namen „Sæd“ verschwunden. Im Deutschen trägt der Ort den Namen Seth, doch der dänische – doppeldeutige – Name sorgt immer wieder für Lacher, denn übersetzt bedeutet der dänische Ortsname „Samen“ – und amüsiert somit seit Jahrzehnten nicht nur Durchreisende. Es sind begehrte Erinnerungsstücke. Immer mal wieder werden die Ortsschilder gestohlen. In der Regel aber nur ein einziges und nicht fünf auf einen Streich.

„Als ich in der Nacht von der Arbeit kam, sah ich im Scheinwerferlicht, dass die Pfosten der Ortsschilder unmittelbar bei unserer Hofeinfahrt im Gras lagen. Ich schaute genauer nach und entdeckte, dass zudem beide Ortsschilder fehlten“, erzählt Jacob Delf Lorenzen, der mit seiner Familie direkt am südöstlichen Ortseingang am Sønderbækvej wohnt.

Anja Lorenzen vom Sether Lokalrat hat den Vorfall der Kommune gemeldet, nachdem ihr Mann und sie festgestellt hatten, dass insgesamt fünf Schilder gestohlen worden waren.

Am nächsten Tag radelten er und seine Frau Anja Lorenzen durchs ganze Dorf – und stellten fest, dass insgesamt vier Ortsschilder fehlten und sechs Pfosten herausgezogen worden waren. Zwei der Schilder steckten noch in den Pfosten, sie müssen daher lediglich wieder aufgestellt werden.

Der hüfthohe Schildträger an der Landstraße 11 mit dem Hinweis „Sæd“ steht zwar noch – aber das Schild selbst ist verschwunden.

Anja Lorenzen ist Mitglied des Lokalrates des Ortes und meldete den Vorfall sofort der Kommune Tondern (Tønder).

Fehlende Ortsschilder sind kein Spaß

Weil die Ortsschilder nicht zum ersten Mal gestohlen worden sind, hat die Kommune die Schilder auf hohe Pfosten montiert. Allerdings reißen die „Souvenirjäger“ nun den gesamten Pfosten aus dem Erdreich, um die Schilder abschrauben zu können.

Dass das Hinweisschild am Sønderløgumlandevej einige Tage oder Wochen fehlen wird, können die Sether sicherlich verschmerzen. Schlimmer sind jedoch die fehlenden Ortseingangsschilder. Ab dort gilt eigentlich Tempo 50 – und ohne das Schild fehlt die rechtliche Grundlage. Die Anwohnenden sind daher zu Recht besorgt um ihre Sicherheit.

„Allerdings hat uns die freundliche Sachbearbeiterin im Rathaus versprochen, dass schnellstmöglich neutrale Ortsschilder montiert werden – ohne Ortsnamen, aber mit der schwarzen Häusersilhouette auf weißem Grund, die anzeigt, dass man eine geschlossene Ortschaft betritt“, sagt Anja Lorenzen.

Die besagte Mitarbeiterin ist Yrsa Schmidt aus der Abteilung für Wege und Parks im Rathaus. Sie erklärt auf Anfrage des „Nordschleswigers“, dass ein solches Ortsschild rund 1.400 Kronen kostet – inklusive Mehrwertsteuer und Arbeitslohn. Die Montage übernimmt im Auftrag der Kommune das Unternehmen Arkil.

Ein alter „Spaß“ mit langer Tradition

An der südwestlichen Ortseinfahrt am Grænsevej fehlt nur das eine der beiden Schilder. Der leere Pfosten auf der rechten Straßenseite liegt am Laternenmast im Gras.

Die zweideutige Bedeutung des Ortsnamens „Sæd“ sorgt in Dänemark seit Generationen für Witze. Auch in anderen Gemeinden mit „interessanten“ Ortsnamen – etwa Lem, Tarm oder Klitmøller – werden Schilder regelmäßig gestohlen.

In Tondern nimmt man das mit nordischer Gelassenheit: Wenn ein Schild verschwindet, wird es einfach ersetzt.

„Seit 2023 mussten vier Schilder mit dem Namen ‚Sæd‘ ersetzt werden, weil sie spurlos verschwunden waren“, sagt Yrsa Schmidt. „Jetzt sind es gleich fünf auf einmal.“

Gefängnisstrafen für jugendliche Schilderdiebe

Wer dahintersteckt, darüber kann nur gerätselt werden. Es ist aber beileibe kein Spaß oder Kavaliersdelikt. Es ist Diebstahl und ein gefährlicher noch dazu. Im vergangenen Jahr wurden zehn Jugendliche zu jeweils sieben bis zehn Tagen Gefängnis verurteilt, weil sie in der Kommune Thisted gemeinschaftlich 31 Schilder gestohlen hatten. Es waren allerdings nicht „nur“ Ortsschilder, sondern auch Vorschriftszeichen (u. a.  Stopp, Einfahrt verboten und Vorfahrt gewähren).

Jacob Delf Lorenzen ist aber der Meinung, dass es nicht unbedingt die Tat von Jugendlichen gewesen sein muss. „Wenige Tage vor dem Schilderdiebstahl habe ich beobachtet, dass ein Auto an der Hauptstraße anhielt. Die Insassen – Jugendliche sowie Erwachsene – stiegen aus, um Fotos an dem Ortsschild zu machen.“ Die Doppeldeutigkeit amüsiert Jung wie Alt. 

Entweder wurden die Schilderdiebe gestört oder die Muttern saßen besonders fest. Das Schild ist erhalten.

Das könnte die Lösung sein

Im beschaulichen „Snave“ auf Fünen wurde das Ortsschild seit 2001 durchschnittlich 100-mal im Jahr gestohlen. Snave war damals in einer Werbekampagne einer Telekommunikationsgesellschaft der Wohnort des Antihelden „Polle“. Darüber hinaus ist „at snave“ auch das Verb für intimes Küssen. 

Im zuständigen Rathaus in Assens kamen die Verantwortlichen dann 2024 auf die Idee, neutrale Schilder ohne Ortsnamen an den Einfallstraßen anzubringen. Stattdessen wurde der Ortsname in den Asphalt eingebrannt. Dann war Ruhe.