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„Drugging“: Mittlerweile zehn Anzeigen nach Ringreiterfest in Sonderburg

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Drugging
Immer mehr betroffene Frauen melden sich nach dem Ringreiterfest bei der Polizei (Symbolbild).

Die Polizei hat vier weitere Anzeigen aufgenommen. Drei Frauen fühlten sich nach dem Konsum von Getränken auf dem Ringreiterfest in Sonderburg, in die mutmaßliche Rauschmittel gemischt wurden, plötzlich unwohl. In einem weiteren Fall blieb es bei dem Versuch. Die Polizei vermutet einen Zusammenhang.

Die Zahl der möglichen Fälle von „Drugging“ nach dem Ringreiterfest in Sonderburg am vergangenen Wochenende schnellt weiter in die Höhe. Am Donnerstag meldete die Polizei für Südjütland und Nordschleswig (Syd- & Sønderjyllands Politi), dass sich weitere Personen gemeldet und Anzeige erstattet haben. Seither haben vier weitere Frauen Anzeige erstattet. Damit sind nun zehn Fälle bekannt. Wie hoch die Dunkelziffer noch ist, ist unklar.

Drei der Frauen vermuten, dass sie während des Festes unter Drogen gesetzt wurden. Dabei handelt es sich um eine 40-Jährige aus der Kommune Apenrade (Aabenraa), eine 36-Jährige aus der Kommune Sonderburg und eine 33-Jährige aus der Kommune Faaborg-Midtfyn.

Zu den Vorfällen soll es im Laufe des Sonnabends und am Abend gekommen sein. Die drei Frauen erklären, dass es ihnen nach dem Konsum von Getränken plötzlich schlecht ging. Dies schilderten auch die anderen Betroffenen in ihren Anzeigen.

In dem vierten Fall soll es bei dem Versuch geblieben sein, heißt es. Der betroffenen Frau sei Bier angeboten worden. Sie lehnte jedoch ab, weil sie skeptisch wurde, ob dem möglicherweise etwas hinzugefügt worden war.

Fälle von schwerer Kriminalität

Bei der Polizei nimmt man die Sache sehr ernst. „Wir reden hier von schwerer Kriminalität, die im Strafgesetz als schwere Gewalt (kvalificeret vold) eingestuft wird“, sagt Vizepolizeiinspekteur Henning Marcussen. „Wir haben jetzt zehn Anzeigen zu möglichem Drugging oder dem Versuch, und wir können Gemeinsamkeiten in den jeweiligen Anzeigen erkennen.“ Die Fälle werden nun weiter untersucht.

Bekommt eine Polizei eine Anzeige wegen möglicher Drogenverabreichung, wird der Person eine Blut- und Urinprobe entnommen. Zeit sei dabei ein entscheidender Faktor. „Je eher eine Person zu uns kommt, desto besser. Nur so können wir Spuren sichern“, so Marcussen. Die häufig eingesetzten Betäubungsmittel sind nur bis zu sechs Stunden im Blut und bis zu zwölf Stunden im Urin nachweisbar.

Derzeit wartet die Polizei noch auf die Ergebnisse der ersten Anzeigen.

Vorfälle unbedingt anzeigen

Bei Giftlinjen, der nationalen Telefonhotline für Vergiftungsfälle am Krankenhaus Bisbebjerg, ist der erste Rat, Drugging-Fälle umgehend bei der Polizei anzuzeigen, da es eine kriminelle Handlung ist, andere unter Drogen zu setzen.

Die Telefonistinnen und Telefonisten bei Giftlinjen erleben eine seit Jahren steigende Anzahl an Anrufen, bei denen Drugging vermutet wird. Waren es 2015 noch 95 Anfragen, lag die Zahl 2022 bereits bei 535. Die Dunkelziffer ist sehr hoch.

Drinks nicht unbeobachtet lassen

Die Polizei fordert dazu auf, besonders aufmerksam auf seine Getränke zu achten, da jetzt im Sommer noch zahlreiche Konzerte und andere Feste anstehen. „Es ist sehr wichtig, auf sich selbst aufzupassen, wenn man an Events teilnimmt, wo viele Menschen zusammenkommen und Alkohol oder andere Getränke konsumiert werden. Man sollte seine Drinks nicht unbeobachtet lassen und keine Getränke von fremden Personen annehmen“, so Marcussens Rat.

Wer Hinweise geben kann, sollte sich im Servicecenter der Polizei unter der Rufnummer 114 melden.