Kriminalität

DNA aus Stammbaumregistern soll Mörder entlarven

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Hanne With wurde 1990 im Alter von 23 Jahren ermordet. Erst 2024 wurde der Täter verhaftet und verurteilt.

Die Polizei hat im vergangenen Jahr einen 34 Jahre alten Mordfall aufgeklärt. Sie fand den Täter über die DNA seines Sohnes. Zukünftig sollen die Ermittler auch in DNA-Ahnenforschungsportalen nach Angehörigen von Verbrechern suchen können.

Die 23-jährige Hanne With wurde in der Nacht zum 1. Januar 1990 in ihrer Wohnung in Kopenhagen ermordet. Die Polizei hatte jahrzehntelang keine Spur des Täters.

Erst 34 Jahre später konnte sie aufgrund einer neuen Ermittlungsmethode einen 53-jährigen Mann verhaften. Die Ermittlerinnen und Ermittler fanden die DNA seines Sohnes im Polizeiregister.

Zukünftig will das Folketing der Polizei erlauben, auch in kommerziellen Registern wie FamilyTree DNA, GEDmatch oder MyHeritage zu suchen.

Prostituierte fühlten sich minderwertig

Hanne With war Prostituierte und drogenabhängig. Ihr Geld verdiente sie auf dem Strich auf Vesterbro. Der ungeklärte Mordfall war noch Jahre später schmerzhaft für Frauen aus dem Rotlichtmilieu. Das berichtet Nanna W. Gotfredsen, die viele der Frauen kennt. Sie hat 1999 die juristische Streetworker-Organisation „Gadejuristen“ gegründet.

„Die Frauen fühlten sich darin bestätigt, dass ihr Leben als minderwertig angesehen wurde“, sagte sie, als das Folketing am Dienstag über den Gesetzesantrag zur genetischen Verwandtschaftsforschung beriet.

Gotfredsen ist nämlich justizpolitische Sprecherin der Moderaten. Ihre Partei unterstützt, wie die deutliche Mehrzahl der Fraktionen, den Antrag von Justizminister Peter Hummelgaard (Soz.).

Ermittlungserfolge im Ausland

Demnach soll die Polizei DNA-Spuren vom Tatort mit DNA-Profilen in Ahnenforschungsdatenbanken vergleichen können, wenn sie schwere Kriminalität wie Mord, Vergewaltigung oder Terror ermittelt. Ziel ist es, Verwandte der tatverdächtigen Person zu finden.

In den USA konnte die Polizei in mehreren Fällen bislang ungeklärte Mordfälle mithilfe von genetischer Stammbaumforschung aufklären. In Schweden löste die neue Nachforschungsmethode einen 16 Jahre alten Doppelmord.

Dabei vergleicht man die DNA einer unbekannten Tatperson mit einer anderen aus einem Register. Laut „Videnskab.dk“ kann man anhand der Anzahl der Übereinstimmungen ausrechnen, wie das Verwandtschaftsverhältnis der beiden Personen ist. Also zum Beispiel, ob es sich um Vater und Sohn, zwei Vettern oder Tante und Neffe handelt.

Der engagierte Polizist

Die dänische Polizei verwendet die Methode seit 2023, sucht aber nur im eigenen DNA-Register. So konnte sie den Mörder von Hanne With dingfest machen. In einer Reihe von ungeklärten Vergewaltigungsfällen hat sie im vergangenen Jahr ebenfalls tatverdächtige Männer festgenommen.

Dieses Ergebnis ist vor allem einem Mann zu verdanken, dem Polizeiermittler Martin Wittrup Enggård. Er hatte einen Bürgervorschlag zur Verwendung von genetischer Stammbaumforschung eingebracht. 2023 erhielt er die notwendigen 50.000 Unterschriften, die das Folketing verpflichten, ihn zu beraten.

Da eine Mehrheit den Vorschlag unterstützte, ordnete Justizminister Hummelgaard an, dass die Polizei im eigenen Register nach Verwandten von unbekannten Tatverdächtigen suchen soll. Außerdem leitete er die Erarbeitung des Gesetzesvorschlags ein, den das Folketing am Dienstag in erster Lesung beraten hat.

Sowohl Hummelgaard selbst als auch mehrere Sprecherinnen und Sprecher der Fraktionen bedankten sich bei Wittrup Enggård, der die Debatte von den Zuschauerrängen aus verfolgte.

Bedenken wegen Datenschutz

Der Justizminister ist überzeugt, dass er mit dem Antrag das richtige Gleichgewicht zwischen Schutz der Privatsphäre und der Genugtuung für die Opfer getroffen hat. So soll die Methode nur bei schweren Verbrechen eingesetzt werden. Auch soll sie erst als letzter Ermittlungsschritt eingesetzt werden, wenn andere zu keinem Ergebnis geführt haben.

Das kann jedoch nicht die Datenschutz-Bedenken der Einheitsliste zerstreuen. Der Justizsprecherin der Partei, Rosa Lund, geht es zu weit, dass die Polizei Ahnenforschungsportale durchforsten können soll. Sie sieht darin eine Überwachung unschuldiger Menschen. Auch die Parteien Alternative und Radikale Venstre sind kritisch.

Da eine breite Mehrheit der Parteien den Antrag unterstützt, wird die Polizei allerdings bereits ab 1. Juli auch die kommerziellen Stammbaumregister durchforsten dürfen.

Genugtuung nach Urteil

Hanne Withs Mörder wurde am 10. Juli 2024 von einem einigen Schöffengericht zu elf Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Bei Nanna W. Gotfredsen liefen an dem Tag die Telefonleitungen heiß.

„Als Hanne With Gerechtigkeit widerfuhr, riefen die Frauen, die ich von damals kannte, bei mir an. Sie hatten das Gefühl, endlich als Menschen anerkannt zu werden.“

Dänemark wird gemeinsam mit Schweden das erste EU-Land sein, das DNA-Ahnenforschung in kommerziellen Stammbaumregistern zulässt.