Blaulicht

20 Kilometer im Handbetrieb: Polizei sammelt geflohenen Häftling auf dem Weg nach Röm ein

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Die nächtliche Spritztour des 53-Jährigen endete auf dem Röm-Damm (Archivfoto).

Rollstuhl, Nordsee, Flucht – nachts auf dem Röm-Damm. Ein 53-Jähriger aus dem offenen Vollzug in Reinbek hat sich ausgerechnet per Handrollstuhl auf den langen Weg Richtung Insel gemacht, bis ihn Erschöpfung stoppte. Was den Mann zu dieser kuriosen Tour trieb und wie weit er tatsächlich kam, erzählt die Polizei mit einem Schmunzeln.

In der Nacht zu Freitag staunte die Polizei nicht schlecht: Gegen kurz vor 3 Uhr ging ein Anruf bei ihrer Leitstelle ein, der von einer ungewöhnlichen Begegnung auf dem Röm-Damm berichtete. Eine Person im Rollstuhl, sichtlich entkräftet, sei auf dem langen Weg zur Nordseeinsel unterwegs.

Als eine Streife anrückte, stellte sich schnell heraus: Der Rollstuhlfahrer war nicht etwa ein Tourist mit besonders viel Ausdauer, sondern ein 53-jähriger Mann von der Insel Seeland – und eigentlich Insasse der offenen Vollzugsanstalt in Reinbek (Renbæk) zwischen Scherrebek (Skærbæk) und Toftlund. Dort hätte er zu dieser Uhrzeit warm, trocken und unbehelligt schlafen können. Hätte.

Denn bereits um 20.15 Uhr am Donnerstagabend war er aus dem Gefängnis entwichen. Sein Fluchtmittel: ein handbetriebener Rollstuhl. Seine Strecke: rund 20 Kilometer. Seine Motivation: unbekannt – aber sein Durchhaltevermögen beeindruckte selbst die Polizei.

„Das ist eine ordentliche Distanz, gerade im Handrollstuhl“, sagt Polizeikommissarin Grethe Bysted vom zuständigen Bezirksrevier in Sonderburg (Sønderborg) mit gewisser Anerkennung. Doch die Nacht, der Wind und die Anstrengung forderten ihren Tribut: Auf dem Damm Richtung Röm ging dem Mann schließlich die Kraft aus.

Dort wurde er, sichtlich erschöpft – aber unverletzt – von der Streife angetroffen. Die Polizei brachte ihn zurück, und seine kuriose Flucht endete gänzlich unspektakulär.

Warum er aus dem offenen Vollzug türmte, ist noch unklar. Sicher ist aber: Seine spontane „Insel-Flucht“ wird ihm jedoch wahrscheinlich eine Verlängerung der Haftstrafe einbringen.