Kommunalwahl 2025

Publikum überrascht beim Wahlauftakt in Lügumkloster mit einem Nischenthema

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Bürgermeister Jørgen Popp Petersen (Mitte) stand bei der abschließenden Podiumsdiskussion an einem Tischchen mit Martin Iversen von Venstre, der ihm nur allzu gerne die Bürgermeisterkette entreißen möchte, und Anette Abildgaard Larsen von den Konservativen.

In der Klosterhalle kamen elf Parteien und Listen zum Wahlauftakt zusammen. Im Fokus standen Themen wie Zuzug, Schulstandorte und Klimapolitik. Ein erwarteter Konfliktstoff wurde allerdings nicht aufgegriffen. Aber die eine oder andere Aussage verblüffte dann doch.

Mit einem innovativen Format und überraschend gesittetem Ton ist am Mittwochabend der Kommunalwahlkampf in der Kommune Tondern offiziell eröffnet worden. Rund fünf Wochen vor der Wahl am 18. November trafen sich elf Spitzenkandidatinnen und -kandidaten in der Klosterhalle in Lügumkloster zu einer ersten großen Wahlveranstaltung – und das unter neuer Dramaturgie.

Das neue Format ließ wenig Raum für Fragen aus dem Publikum. Ein echtes Signal setzte es an einer Stelle dann doch: Den Wunsch nach einer besseren Politik für Wohnmobile brachte eine Zuhörerin ein – und erntete dafür den lautesten Applaus des Abends. Ein Zeichen, dass auch vermeintliche Nischenthemen wahlentscheidend sein könnten. 

Im Vorfeld war die Spannung groß: Wird die laufende behördliche Untersuchung gegen den Schweinebetrieb von Bürgermeister Jørgen Popp Petersen (Schleswigsche Partei) Thema auf dem Podium oder im Publikum? Immerhin steht der amtierende Bürgermeister unter Druck – obwohl er sich in seiner fast vierjährigen Amtszeit als befähigter Brückenbauer im zerstrittenen Stadtrat bewiesen hat.

Doch das Publikum schwieg, und auch die politischen Gegner hielten sich zurück. Das Verfahren gegen Popp Petersen spielte am Mittwochabend zumindest keine Rolle.

Zunächst hatten Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, sich auf einer kleinen „Demokratiemesse“ über Programme, Personen und Prioritäten der Parteien und Listen zu informieren. Anschließend folgte eine moderierte Podiumsrunde – geleitet von Line Baun Danielsen, der ehemaligen Fernsehjournalistin von der Insel Seeland, die mit ihrem nordschleswigschen Bezug (ihre Ex-Schwiegermutter stammt von Alsen) gleich zu Beginn lokale Vertrautheit demonstrierte.

Klarheit über Kandidaturen

Die Parteienmesse zum Auftakt der Wahlveranstaltung wurde nur spärlich besucht.
Für Claus Hansen (l.) war der Wahlauftakt ein „Heimspiel“ in der Klosterhalle. Auf dem Foto sind drei weitere SP-Kandidaten zu sehen: Victor Terp, Randi Damstedt und Lorena Otto Pedersen.

Schon in der Vorstellungsrunde wurde deutlich, dass nicht alle Kandidatinnen und Kandidaten ihre Rollen gleich definieren. Besonders Volkssozialist Bjarne Lund Henneberg (SF) stellte klar: „Ich bin nicht nur Spitzenkandidat der Liste F – ich will Bürgermeister werden.“ Als seine Vorbilder nannte er frühere Rathauschefs wie den Sozialdemokraten Kurt Johannsen (1990-1994) und Laurids Rudebeck (V), der von 2009 bis zu seinem plötzlichen Tod 2016 Bürgermeister in Tondern war. Beide hätte es verstanden, alle Parteien an einen Tisch zu holen. Henneberg, der Popp Petersen in der Vergangenheit durchaus wegen ähnlicher Qualitäten gelobt hatte, positioniert sich nun selbst als Alternative.

Von den elf Parteien und Listen fehlte lediglich die Spitzenkandidatur der Dänischen Volkspartei (DF) in Person von Allan Svendsen von Röm (Rømø). An seiner Stelle trat Karin Asta Overbjerg Lildballe aus Hoyer (Højer) auf. Barbara Krarup Hansen von den „Velfærdsdemokraterne“ war zwar nicht vor Ort, aber digital aus Schottland zugeschaltet.

Sachliche Diskussion – mit kleinen Differenzen

Moderatorin Line Baun Danielsen (r.) im Gespräch mit Karin Asta Overbjerg Lildballe von der Dänischen Volkspartei

Die Debatte drehte sich um Kernthemen wie Seniorenpolitik, Tourismus, die sinkende Bevölkerungszahl und die grüne Umstellung. Besonders deutlich wurde: Während in vielen Bereichen parteiübergreifend Einigkeit herrschte, zeigten sich Unterschiede bei der Frage, wie Tondern wieder wachsen kann.

Braucht es mehr Arbeitsplätze, attraktiven Wohnraum oder bessere Schulen? Und was macht eine gute Schule eigentlich aus? Konkrete Antworten blieben selten, die Differenzen aber wurden sichtbar.

Beim Thema Energie zeigte sich das gesamte Meinungsspektrum: Von Fotovoltaik auf Ackerflächen über Windenergie an Land bis hin zur Forderung nach Kernkraft durch die Dänische Volkspartei wurde das gesamte Spektrum der Energiedebatte sichtbar.

Die Partei Venstre wendet sich mit speziellen Wahlplakaten an die Zuzüglerinnen und Zuzügler.

Wer soll Bürgermeister oder Bürgermeisterin werden?

Line Baun Danielsen (ganz links) schwang – wenn nötig – „mors hammer“. Sie musste aber nur ganz selten hart durchgreifen.

Zum Schluss bat Line Baun Danielsen die Kandidierenden um eine klare Aussage: Wen wünschen sie sich als nächste Bürgermeisterin oder nächsten Bürgermeister? Die Antworten fielen teils erwartbar, teils ausweichend aus:

  • Jørgen Popp Petersen, Schleswigsche Partei (Wahlkürzel: S): „Wiederwahl!“
  • Torben Struck, Sozialdemokratie (A), Martin Iversen, Venstre (V), Bjarne Lund Henneberg, Sozialistische Volkspartei (F) und Anita Uggerholt Eriksen, Tønder Listen (T): jeweils sich selbst
  • Jytte Madvig Evald, Die Alternative (Å) und Barbara Krarup Hansen, „Velfærdsdemokraterne“ (Y): noch unentschlossen
  • Anette Abildgaard Larsen, Konservative (C): „Wir warten die Wahl ab.“
  • Jens Laurids Sørensen, Liberale Allianz (L), Karin Asta Overbjerg Lildballe, Dänische Volkspartei (O) und Jørn Andersen, Dänemarkdemokraten (Æ): ein bürgerlicher Bürgermeister

Ein kleines Bonbon-Urteil am Rande

Während ihr Vater sich an den Ständen informierte, probierte sich eine junge Besucherin systematisch durch das Bonbonangebot der Parteien. Ihr Geschmacksurteil fiel eindeutig aus: „Die besten Bonbons hat die Dänische Volkspartei!“ – um dann sofort hinterherzuschieben: „Aber die würde ich im Leben nie wählen.“ Ihre politische Präferenz war klar: Venstre. Ob da wohl ein bisschen väterlicher Einfluss im Spiel war?