Kommunalwahl 2025

Persönliche Stimmen der SP: So reagiert das Sonderburger Spitzenteam

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Leif Curdes beim Aufhängen eines seiner Wahlplakate

1.566 Kreuze hat die Schleswigsche Partei am Wahlabend erhalten. Mit 494 persönlichen Stimmen ging das eine Mandat der Partei an Kirsten Bachmann. Für drei Kandidierende endete die Wahlnacht somit ohne Amt. Die Reaktionen.

Vom vierköpfigen Spitzenteam der Schleswigschen Partei ist nur eine Person in den Stadtrat der Kommune Sonderburg gewählt worden. Kirsten Bachmann besetzt mit 494 Stimmen das Mandat der Schleswigschen Partei. Christel Leiendecker, Leif Curdes und Gerhard Bertelsen konnten kein Mandat erringen. 

Somit ist für Christel Leiendecker nach acht Jahren als Stadtratspolitikerin Schluss. Sie erhielt 158 persönliche Stimmen und wird dem Sonderburger Stadtrat künftig nicht mehr angehören. 

Dass es nach zwei Wahlperioden im Stadtrat nicht mehr Stimmen für die amtierende Vorsitzende des Ausschusses für Kultur, Sport und Bürgertum gab, ist für Leiendecker enttäuschend. „Das hat mich in der Wahlnacht wirklich umgehauen, als ich die Zahl gehört habe. Leif Curdes hat als junger neuer Kandidat weit über 200 Stimmen erhalten, das war erstmal schwer zu verdauen.“

Mit ein bisschen Abstand zur Wahl werde ich das als Neuanfang betrachten.

Christel Leiendecker

Ihre Erklärung: „Leif hat einen ganz anderen Wahlkampf geführt, als ich. Er hat seine kantigen Meinungen vertreten und das kam offenbar gut an. Außerdem war ich bei den Wahlveranstaltungen nicht vorn mit dabei, und das hat anscheinend auch einen Einfluss gehabt.“

Die 61-Jährige nimmt nun Abschied von ihrer Stadtratsarbeit, die am 31. Dezember 2025 endet. „Ich bin jetzt 61, und das ist auch in Ordnung. Ich bin vor allem hier in Broacker kulturell aktiv, und das hört ja nicht auf. Jetzt fängt ein anderer Lebensabschnitt an, und mit ein bisschen Abstand zur Wahl werde ich das als Neuanfang betrachten.“

19-Jähriger holt auf Anhieb 288 Stimmen

Christel Leiendecker macht seit acht Jahren Kommunalpolitik und ist Vorsitzende des Ausschusses für Kultur, Sport und Mitbürgerschaft.

Leif Curdes aus Alnor holte sich als Kandidat bei seiner ersten Kommunalwahl 288 Stimmen. „Mit einem solchen persönlichen Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Mit der Wahl der SP generell weniger“, sagt er.

Mit seinen 19 Jahren hat er sich in den vergangenen Wochen besonders auf die jungen Wählerinnen und Wähler konzentriert. Die Arbeit als Kandidat der Schleswigschen Partei kostet Zeit und Durchhaltevermögen: „Ich war bei jeder Debatte für die Jugendlichen dabei.“ 

Seine Werbemaßnahmen liefen über die sozialen Medien. „Social Media ist sehr wichtig. Das hat Früchte getragen. Mein Ergebnis zeigt, dass es sich lohnt, die jungen Leute anzusprechen“, so sein Fazit. Da die Jugendlichen sich für Politik interessieren, wünscht er sich, dass man schon viel früher – nicht erst mit 18 Jahren – seinen Wahlschein abgeben können sollte.

Für ihn als jungen Mann ist das Verteilen von Geschenken in der Fußgängerzone also kein wirksames Mittel, Wählerinnen und Wähler zu überzeugen. Leif Curdes hat sein Interesse an der Politik von zu Hause mitbekommen: „Ich war schon immer politisch aktiv. Früher war ich Klimaaktivist. Das hat mir schon immer Spaß gemacht.“  

Es kommt darauf an, ob ich gerade an einem Master arbeite. Wenn ich das tue, dann kandidiere ich erst in acht Jahren wieder.

Leif Curdes

Er und sein Bruder haben stets diskutiert, auch über größere Themen. „So wird man gut, wenn man einen Standpunkt hat und dafür argumentieren kann“, stellt er fest. Ob er in vier Jahren bei der nächsten Kommunalwahl wieder an den Start geht, wird sich noch zeigen. Lust hat er auf jeden Fall: „Prinzipiell ja. Aber es kommt darauf an, ob ich gerade an einem Master arbeite. Wenn ich das tue, dann kandidiere ich erst in acht Jahren wieder.“

„Ich wollte die SP unterstützen“ 

Gerhard Bertelsen verfolgt die Stadtratssitzungen regelmäßig online und hält sich auf dem Laufenden, was die Stadtratspolitik bewegt.

Gerhard Bertelsen blickt nüchtern auf das Ergebnis: 93 Stimmen fielen auf den 74-Jährigen. Der Sonderburger sieht seinen Wahlausgang als wenig überraschend an: „Ich ging nicht davon aus, dass ich in den Stadtrat komme. Ich habe mich zur Verfügung gestellt, weil ich ein paar Stimmen bekomme, und damit wollte ich die SP unterstützen.“ 

Nach der Konstituierung (Sozialdemokratie, Dänische Volkspartei, SP, Sozialistische Volkspartei und Einheitsliste) ist Bertelsen ohnehin nicht traurig, dass er kein Mandat erhalten hat. „Für mich ist diese Konstituierung, die jetzt vollzogen wurde, das schlimmste Szenario, das ich mir vorstellen konnte. Das ist überhaupt nicht meine Wunschkonstellation.“ 

Nach der Wahl steht für ihn eine ehrliche Analyse im Mittelpunkt: Die SP werde in einer Nachbesprechung offen diskutieren, was im Wahlkampf funktioniert hat und wo Verbesserungen nötig sind. Besonders beschäftigt ihn, wie die Partei für Nicht-Minderheiten-Bürgerinnen und -Bürger attraktiver werden kann.

In vier Jahren möchte Bertelsen nicht erneut kandidieren.  „Dann wäre ich 78. Ich denke, es ist wohl in Ordnung, dass die Jüngeren weitermachen.“ 

So verteilen sich die 1.566 Stimmen der SP: