Leserbrief

„Wenn die Parteifarbe der Wirklichkeit im Weg steht“

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Tonderns Bürgermeister Jørgen Popp Petersen kritisiert, dass staatliche Investitionen immer wieder an seiner Kommune vorbeigehen – trotz guter Voraussetzungen. Parteiverbindungen nach Kopenhagen helfen wenig, wenn die Wirklichkeit im Weg steht. „Tondern braucht kein Mitleid – Tondern braucht Chancen“, stellt er fest.

Engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kommune Tondern und des Tønder Erhvervsråd haben alles richtig gemacht – und doch sind wir erneut leer ausgegangen, als der Staat die neuen Industrieparks verteilte. Das zeigt, dass Verbindungen nach Christiansborg nicht automatisch zu lokalen Ergebnissen führen – und bestätigt, dass Dänemark dabei ist, sich in zwei Teile zu spalten.  

Die Regierung hat soeben die neuen staatlichen Industrieparks benannt. Die Kommune Tondern gehörte zu den Bewerbern – und wir hatten unsere Hausaufgaben gemacht. Wir verfügten über geeignete Flächen, interessierte Unternehmen, lokale Unterstützung und ein starkes Argument: In Dänemark darf Entwicklung nicht nur in den größten Städten stattfinden. 

Trotzdem ging die Auswahl erneut an die Kommunen, die ohnehin schon am meisten haben. Esbjerg und Apenrade erhielten einen Anteil an den milliardenschweren Plänen, während wir anderen wieder einmal nur von der Seitenlinie applaudieren dürfen. Leider ist das nicht das erste Mal. 

Tondern hat im Laufe der Jahre das Lehrerseminar, die Kaserne und das Gefängnis verloren. Wir haben erlebt, wie staatliche Arbeitsplätze abgezogen und die Infrastruktur ausgehöhlt wurden. Hier kann man nach 15 Uhr kaum noch den Bus nehmen, während man in Vanløse mitten in der Nacht zwischen Metro, Zug und Bus wählen kann. Dennoch zahlen wir die gleichen Steuern wie alle anderen.

Es ist teuer, arm zu sein – auch als Kommune

In Dänemark zeichnet sich ein Muster ab, in dem die Unterschiede wachsen. Die Gebiete mit hohem Bildungsniveau, reichem Kulturleben und vielen staatlichen Arbeitsplätzen ziehen noch mehr an. Kommunen wie Tondern hingegen – weit entfernt von Bahnhöfen und noch weiter von Christiansborg – müssen doppelt so hart kämpfen, um halb so viel zu erreichen. 

Manche glauben, die Lösung sei, lokale Vertreter der Regierungsparteien zu wählen – in der Hoffnung, dass die Parteifarbe Türen in den Ministerien öffnet. Das klingt in der Theorie vernünftig, doch die Erfahrung zeigt etwas anderes. Seit Jahrzehnten wird die Kommune Tondern von wechselnden Parteien geführt, die gute Verbindungen zur Macht in Kopenhagen hatten. Aber diese Verbindungen haben weder mehr Arbeitsplätze noch eine bessere Infrastruktur oder mehr Entwicklung gebracht. 

Die Wahrheit ist: Es hilft nicht, einen Bürgermeister mit der richtigen Parteifarbe zu haben, wenn Christiansborg in der Praxis nur Richtung Hauptstadt blickt. Deshalb meine ich, dass es an der Zeit ist, die Dinge anders zu betrachten. Es geht nicht um die Farbe der Krawatte oder des Wahlplakats, sondern um die Verankerung in der Realität. 

Ich vertrete eine Partei, die nicht erst grünes Licht aus Kopenhagen braucht, bevor sie spricht. Wir sind nicht an Partei-Ideologien gebunden und müssen niemanden um Erlaubnis bitten, um für unsere Region zu kämpfen. Wir leben hier, wir arbeiten hier – und wir spüren jeden Tag die Folgen der Entscheidungen, die weit entfernt von uns getroffen werden.

Wenn man sieht, dass Menschen in Kopenhagen eine Wohnung kaufen und fünf Jahre später Millionäre sind, während eine fest angestellte Familie in Tondern keinen Kredit für ein Haus bekommt, dann wird die Ungleichheit plötzlich sehr greifbar. Sie beginnt nicht in der Bank – sie beginnt dort, wo der Staat zu investieren wählt.

Wenn das Königliche Theater in Tondern stünde, würden auch hier die Immobilienpreise steigen. Wenn die Polizeischule in Scherrebek läge, würde es an Arbeitsplätzen nicht fehlen. Doch so wird nicht priorisiert.

Bei der Kommunalwahl geht es natürlich um Parteien. Aber noch wichtiger ist die Frage, um welche Menschen es geht – wem man zutraut, für Tondern zu kämpfen, auch wenn die Kameras ausgeschaltet sind.

Ich bin kein Politiker, der nur alle vier Jahre auftaucht, für die Kameras Synnejysk spricht und dann wieder verschwindet. Ich bin dein Bürgermeisterkandidat – und ich werde weiterhin Druck machen, damit Dänemark nicht vergisst, dass Investitionen nicht nur in den größten Städten stattfinden müssen.

Wir wollen uns nicht mit Trostpflaster-Geldern zufriedengeben. Wir fordern echte Entwicklung, Kultur und Arbeitsplätze.

Denn Tondern braucht kein Mitleid – Tondern braucht Chancen.

 

Jørgen Popp Petersen
Schleswigsche Partei
Bürgermeister der Kommune Tondern

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