Kommunalwahl 2025

Neuer Ton im Wahlkampf: Was ein Lied über einen Kandidaten verrät

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Beim Auftakt des diesjährigen Klostermarkts durfte Mathias Knudsen sowohl eine Spende für das Pflegeheim Solgården als auch für die Heimvolkshochschule Højskolen Løgumkloster in Empfang nehmen. Zu dem Zeitpunkt war er noch Vorsitzender beider Einrichtungen.

Ein ungewöhnliches Format bringt Kandidatinnen und Kandidaten vor der Kommunalwahl in Tondern zum Singen – und zum Nachdenken. Der 66-jährige Mathias Knudsen aus Bedstedt tritt erstmals für die Schleswigsche Partei an und wählt dabei bewusst ein Lied mit tiefer regionaler Verankerung. Warum er für eine Partei der deutschen Minderheit kandidiert, obwohl er selbst keine Verbindung zur Minderheit hat, und weshalb er sich gegen ein Freiheitslied entschied, verrät er im Gespräch.

Wenn Politikerinnen und Politiker in Dänemark Wahlkampf machen, gehören eigentlich das Verteilen von Flyern, Diskussionsrunden und öffentliche Auftritte zum Alltag. Doch das „Syngende Vælgermøde“ (singende Wählertreffen) am Donnerstag, 23. Oktober, von 16 bis 17.30 Uhr in der Heimvolkshochschule Lügumkloster hebt sich deutlich vom Üblichen ab: Eine Stunde lang stellen sechs Bewerberinnen und Bewerber für Kommunal- und Regionswahl ein Lied aus dem dänischen Hochschulgesangbuch vor – und singen es anschließend gemeinsam mit dem Publikum.

Auch Mathias Knudsen wird an diesem Nachmittag auf der Bühne stehen. Der 66-jährige ehemalige Landwirt aus Bedstedt (Bedsted) kandidiert nicht zum ersten Mal für den Tonderner Stadtrat, aber zum ersten Mal für die Schleswigsche Partei (SP). Der Wechsel des ehemaligen Venstre-Politikers zur SP hat für Gesprächsstoff gesorgt. Er nimmt die Fragen dazu mit Humor: „Ich bin jetzt schon des Öfteren gefragt worden, wie ich, der keine Verbindung zur deutschen Minderheit hat, für die SP kandidieren kann. Darauf kann ich nur antworten: Dass die Volksabstimmung schon über 100 Jahre her ist und wir hier bei uns inzwischen in bester Eintracht miteinander leben“, sagt er im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“ – und lacht, als er gefragt wird, warum er sich denn kein deutsches Lied ausgesucht habe. Davon gibt es nämlich auch einige im dänischen Hochschulgesangbuch.

Stattdessen fiel seine Wahl auf das Lied „Farvernes Landskab“ von Jens Rosendal. Eine Entscheidung mit persönlichem Bezug: „Rosendal war viele Jahre lang Lehrer an der Heimvolkshochschule in Lügumkloster und lebte in Ballum – also in unserer Kommune. Ich kannte ihn persönlich“, erzählt Knudsen. „Er ist in der aktuellen Ausgabe des Gesangbuchs mit zehn Liedern vertreten. Ich habe mich bewusst nicht für eines seiner Liebeslieder entschieden, die sehr populär sind und die ich auch sehr schätze. Aber der Text von ,Farvernes Landskab’ gefällt mir auch sehr gut. Rosendal beschreibt unsere Landschaft. Und die Melodie ist auch sehr schön. Sie stammt aus der Feder von Valdemar Rasmussen, der ebenfalls aus Ballum kommt.“

Die Teilnehmenden an der „Singenden Wahlveranstaltung“:

Poul Erik Hunderup (Tondern-Liste), Kandidat Kommunalwahl
Melissa Gilroy (Radikale Venstre, Kandidatin Regionswahl
Ester Esmarch (Christdemokraten), Kandidatin Regionswahl
Bjarne Lund Hennebjerg (Volkssozialisten), Kandidat Kommunal- und Regionswahl
Niels Schmidt (Dänemarkdemokraten), Kandidat Kommunalwahl
Mathias Knudsen (Schleswigsche Partei), Kandidat Kommunalwahl

Dass Musik und Politik gut zusammenpassen können, zeigt dieses besondere Veranstaltungsformat eindrücklich. Das „Sangkraftcenter“ der Kommune Tondern und die Heimvolkshochschule Lügumkloster laden gezielt dazu ein, nicht nur über Parteiprogramme zu sprechen, sondern über Werte, Emotionen und Persönliches.

Heimspiel in der Heimvolkshochschule

Für Knudsen ist es zudem eine Art „Heimspiel“: Er war maßgeblich daran beteiligt, die Heimvolkshochschule nach dem Konkurs 2014 und der daraus resultierenden Schließung der Einrichtung wieder aufzubauen. 2019 konnte die Wiedereinweihung gefeiert werden, mit Knudsen als Vorstandsvorsitzendem. Er hat sich vor wenigen Wochen aus dem Vorstand zurückgezogen, bleibt aber der Schule weiterhin beratend verbunden. „Det er mit hjertebarn“, sagt er auf Dänisch – „das ist mein Herzensprojekt“. Auch wenn es nicht immer leicht gewesen sei, sei es schön zu sehen, wie sich die Schule in den vergangenen Jahren entwickelt habe.

Eine andere Liedauswahl hatte Knudsen übrigens kurz in Erwägung gezogen: „Frihedens Lysdøgn“, ein modernes Freiheitslied, das anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung Dänemarks entstand – und in Lügumkloster an der Volkshochschule von Anne Vad geschrieben wurde. Doch die Erinnerung an die deutsche Besatzung schien ihm wegen seiner Kandidatur für die SP nicht passend. „Ich wollte da auf keinen Fall falsch verstanden werden“, sagt er.

Die Veranstaltung am 23. Oktober im „Ottekanten“ der Heimvolkshochschule verbindet kulturelle Tradition mit politischer Begegnung – ganz ohne erhobenen Zeigefinger. Nach dem gemeinsamen Singen können Gäste mit den Kandidatinnen und Kandidaten direkt ins Gespräch kommen.

Mathias Knudsen freut sich auf das Treffen – und auf das Singen: „Ich finde die Idee einfach interessant und innovativ, Kandidatinnen und Kandidaten über ihre Lieblingslieder kennenzulernen.“

 

Anmerkung der Redaktion: Die Tønder Liste schickte statt Ruben Baagøe Jacobsen den Kandidaten Poul Erik Hunderup ins Rennen. Der Artikel wurde am 27. Oktober entsprechend geändert.