Wahlen 2025

Kommunalwahlauftakt in Apenrade: Viel Platz im Saal und wenig Publikum

Veröffentlicht Geändert
SP-Spitzenkandidat Erwin Andresen präsentierte sich offensiv als Bürgermeisteranwärter.

Die erste gemeinsame Wahldiskussion in der Kommune Apenrade stand ganz im Zeichen von Hafen und Wirtschaft – doch statt Bürgerinnen und Bürgern kamen vor allem Parteimitglieder. Moderator Simon Faber überzeugte dennoch mit Souveränität und Sachverstand.

Mit dem ersten gemeinsamen Wahltreffen im Apenrader Rathaussaal ist am Montagabend der Wahlkampf in der Kommune Apenrade offiziell eröffnet worden. Alle 14 zur Kommunalwahl am 18. November antretenden Parteien und Listen haben sich auf eine Reihe gemeinsamer Wahldiskussionen und Straßenwahlkampfaktionen verständigt. Statt bei jeder Veranstaltung die gleichen Themen zu diskutieren, setzt das Organisationsteam bei jedem Treffen auf einen inhaltlichen Schwerpunkt. Den Auftakt machte das Thema „Hafen und Wirtschaft“.

Trotz seiner Relevanz für die Kommune – der Hafen ist ein wichtiger Arbeitgeber und gleichzeitig Konfliktpunkt in der städtebaulichen Entwicklung – blieb der große Andrang aus. Zwar waren die Parteien zahlreich vertreten, doch an den langen Tischen im Saal blieben viele Plätze leer. Die meisten Gäste entpuppten sich bei genauerem Blick als Parteimitglieder. Nur etwa zehn Personen dürften laut Beobachtung des „Nordschleswigers“ als interessierte Wählerinnen und Wähler ohne Parteibindung gekommen sein.

„Ich hätte tatsächlich gedacht, dass das Thema Hafen und Wirtschaft mehr Leute anlockt“, zeigte sich der Sozialdemokrat Karsten Meyer Olesen enttäuscht. Der frühere Kommunalpolitiker gehört dem dreiköpfigen Organisationsteam an und kandidiert in diesem Jahr für den Regionalrat. „Vielleicht ist es einfach noch zu früh. Zur Wahl ist ja noch fast ein Monat hin“, versucht er sich an einer Erklärung – auch wenn er einräumt, dass das Beispiel aus der Nachbarkommune Tondern (Tønder) anderes zeigt. Dort waren die Ränge bei der Auftaktveranstaltung fast zwei Wochen zuvor gut gefüllt.

Moderation mit Überblick

Bei den meisten Anwesenden handelte es sich um Parteimitglieder oder Verwandte.

Einhelliges Lob erhielt der Moderator des Abends: Simon Faber, ehemaliger Oberbürgermeister von Flensburg, übernahm die Leitung der Diskussion. Faber lebt heute in Hostrupholz (Hostrupskov), ist Chefkonsulent der Region Süddänemark und unter anderem Vorsitzender des Sønderjyllands Symfoniorkesters. Er sprang kurzfristig ein – und meisterte die Aufgabe souverän.

Ob er sich vom Dirigenten des Orchesters etwas abgeschaut hat, bleibt offen – sicher ist aber: „Er teilte Sonne und Wind gleichmäßig“, wie es im Dänischen heißt. Faber achtete auf faire Redezeiten, hielt sich an die vereinbarten Regeln und brachte die Diskussion mit klugen Zwischenfragen immer wieder in Schwung. „Das hat er gut gemacht“, lobt Karsten Meyer Olesen. 

Dem erfahrenen Politiker gefiel auch die Tatsache, dass die verschiedenen Kandidaten und die Kandidatin (einzige Frau im Panel war Susanne Provstgaard von Venstre) sich sachlich und fair auf dem Podium austauschten. „Alle haben ihre Positionen deutlich gemacht – da wurde nicht um den heißen Brei geredet“, so sein persönliches Fazit.

Zweite Reihe zeigt Profil

Kurzfristig war Simon Faber (l.) als Versammlungsleiter eingesprungen. Obwohl wenig Wählerinnen und Wähler anwesend waren, gab es doch die eine oder andere Frage aus dem Publikum.

Das Wahltreffen war in zwei Diskussionsrunden gegliedert. In der ersten Runde sollten möglichst nicht die Spitzenkandidatinnen oder -kandidaten sprechen, sondern Vertreterinnen und Vertreter aus der zweiten Reihe. Bei kleineren Parteien war dies allerdings organisatorisch nicht immer möglich. Für die Schleswigschen Partei (SP) trat Thilo Schlechter aus Pattburg (Padborg) an. Der Spediteur und Disponent konnte mit Fachwissen überzeugen.

In der zweiten Runde waren dann die Bürgermeisterkandidatinnen und -kandidaten an der Reihe. Für die SP nahm Erwin Andresen an dieser „Elefantenrunde“ teil, der das Thema des Abends nicht nur aus kommunalpolitischer, sondern auch beruflicher Sicht gut kennt. Als Vorsitzender des Hafenvorstands und Inhaber eines Handwerksbetriebs ist er nah dran an den wirtschaftlichen Themen in der Kommune Apenrade.

„Wie es dann so kommt, war das Thema Hafen eigentlich schon durch, als die zweite Hälfte anfing. Ich hätte natürlich gerne etwas dazu gesagt, aber Wahldiskussionen haben häufig ihr eigenes Leben. Man kann nicht vorausschauen, in welche Richtung sie sich entwickeln“, kommentiert Andresen im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“. Durch seine langjährige politische Erfahrung – er bestreitet aktuell seinen siebten Kommunalwahlkampf – konnte er dennoch inhaltlich punkten.

Fehlende Sichtbarkeit der Veranstaltung

Thilo Schlechter konnte bei seinem ersten offiziellen Auftritt bei einer Wahlkampfdiskussion zeigen, dass bei der SP auch Kandidaten der zweiten Reihe meinungsstark sind.

Ein weiterer Grund für den geringen Publikumsandrang dürfte die unzureichende Öffentlichkeitsarbeit gewesen sein. „Ich erfuhr von der Veranstaltung leider erst nach ihrem Ende“, sagt der 95-jährige Apenrader Gunnar Pedersen, der sich sehr für den Hafen und dessen Zukunft interessiert. Trotz Zeitung, sozialen Medien und gutem Netzwerk war er nie auf Informationen zu dieser Veranstaltung gestoßen, was ihn im Nachhinein ärgert. „Ich hätte natürlich teilgenommen, wenn ich es gewusst hätte“, sagt er.

Auch Karsten Meyer Olesen zeigt Verständnis für die Frustration Pedersens: „Wir haben die Parteien aufgefordert, die Veranstaltungen auf ihren Homepages zu veröffentlichen, an ihre Mitglieder zu mailen und über die sozialen Medien zu posten, aber das alles hat offensichtlich nicht ausgereicht.“ Die Finanzierung reichte nicht für großartige Anzeigenkampagnen. „Tatsächlich habe ich im Nachhinein auch von mehreren Personen gehört, dass sie von der Veranstaltung nichts wussten. In diesem Bereich müssen und können wir ja vielleicht noch – vor den noch ausstehenden Terminen – nachjustieren“, sagt Karsten Meyer Olesen.

Blick nach vorn

Das Organisationsteam will dennoch an dem gemeinsamen Format festhalten. „Wir werden die Veranstaltungen wie geplant durchziehen und hoffen auf mehr Anschluss bei den folgenden Treffen“, so Meyer Olesen. Eine spätere Nachlese soll zeigen, was funktioniert hat – und was nicht. Positiv wertet er, dass sich trotz politischer Unterschiede alle Parteien auf eine gemeinsame Strategie einigen konnten.

Nächste Wahlveranstaltungen: