Natur und Umwelt

Klimaanpassung in Apenrade: Schutzmaßnahmen auf dem neuesten Stand

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Wenn der „normale“ Hochwasserschutz nicht ausreicht, werden sogenannte Watertubes ausgelegt. Das Foto stammt von den Vorbereitungen auf die Jahrhundertsturmflut im Oktober 2023 (Archivfoto).

Apenrade investiert in die Zukunft: Ein neuer Klimaanpassungsplan und konkrete Projekte wie Hochwasserschutz und nachhaltige Stadtentwicklung sollen die Kommune gegen Extremwetterereignisse wappnen. Einige Maßnahmen wurden bereits durchgeführt und haben sich schon bewähren können. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Sperr- und Schöpfwerk am Hafen.

Dass sich das Klima im Wandel befindet, ist eine Binsenweisheit. Und dass die Kommunen aufgefordert sind, sich den veränderten Anforderungen anzupassen, ist deshalb nur logisch. Auf der November-Sitzung hat der Apenrader Kommunalrat einen neuen Klimaanpassungsplan verabschiedet. Der vorherige Plan stammte aus dem Jahr 2014. Seitdem hatte sich einiges geändert und neue Erkenntnisse waren gewonnen worden.

Der vom Dänemarks Meteorologischen Institut (DMI) zusammengetragene Klimaatlas sagt ganz klar voraus, dass sich das kleine Königreich im Norden auf extreme Wetterphänomene wie Hitze, Starkregen und Stürme gefasst machen muss. Auch die gemachten Erfahrungen aus der Sturmflut vom Oktober 2023 sind in die Arbeit eingeflossen.

Erhöhtes Überschwemmungsrisiko

2011 wurde Apenrade offiziell als Kommune mit erhöhtem Überschwemmungsrisiko ausgewiesen. Seitdem ist Hochwasserschutz ein Fokusthema des Stadtrates.

2014 wurde ein erster sogenannter Klimaanpassungsplan erstellt.

Einige der dort empfohlenen Maßnahmen wurden bereits umgesetzt und haben bei verschiedenen Wetterereignissen in den vergangenen Jahren schon ihren Wert bewiesen.

Darüber hinaus wurde in Sachen Notfallplanung, Information, Kartierung und Wissensaufbau gearbeitet. Vieles davon kam auch bei der Sturmflut im Oktober 2023 auf den Prüfstand.

Mitarbeit an Projekten

Die Kommune Apenrade hat zudem an mehreren übergreifenden Entwicklungsprojekten teilgenommen und mit Studierenden und Forschenden zusammengearbeitet.

Eines dieser Projekte ist Coherent, ein interdisziplinäres Forschungs- und Innovationsprojekt, das darauf abzielte, ein neues Modell- und Datensystem zu entwickeln, das eine bessere Grundlage für den Umgang mit Überschwemmungen durch Meer und Abfluss aus dem Einzugsgebiet bieten sollte.

Das Projekt wurde von der Stiftung „Innovationsfonden“ finanziert und Apenrade war eine von vier Fallstudien, die in das Projekt einbezogen wurden. Das Projekt hat unter anderem zu einem Modellwerkzeug zur Berechnung der Schadensökonomie geführt, das für die Arbeit der Kommunen bei der Erstellung von Klimaplänen und Klimaanpassungsplänen genutzt werden konnte.

Die Klimaanpassungspläne werden ständig überarbeitet.

2,5 Meter über Normal-Null

Infobox Klimaplan/Klimaanpassungsplan

Der Unterschied zwischen einem Klimaplan und einem Klimaanpassungsplan liegt in ihren Fokusbereichen und Zielen:

Kurz gesagt, Klimaplanungen zielen darauf ab, den Klimawandel zu verringern, während Klimaanpassungspläne sich mit der Anpassung an die Veränderungen befassen, die bereits stattfinden oder in der Zukunft stattfinden werden.

Seit 2014 wurden mehrere Klimaanpassungsmaßnahmen in die laufende Verwaltung und Planung integriert. Der Risikomanagementplan von 2021 hat Anforderungen an die Sicherung von Neubauten bis zu einer Höhe von 2,5 m im Risikogebiet der Stadt Apenrade eingeführt. Damit soll gewährleistet werden, dass in Bezug auf zukünftige Herausforderungen mit Sturmfluten und Hochwasser keine ungeeigneten Bauvorhaben entstehen.

Klimatisch angepasste Stadtentwicklung

In der Kommune wird aktiv daran gearbeitet, eine klimatisch angepasste Stadtentwicklung zu gewährleisten, und in Zukunft werden die Bürgerinnen und Bürger, die hiesigen Unternehmen und die Landwirtschaft kontinuierlich über Klimaanpassungsmaßnahmen und Klimaschutz informiert.

Im Juni 2024 haben der Apenrader Hafen und die Kommune eine Vereinbarung zur Sicherung der Hafengebiete und der dahinterliegenden Stadt durch eine feste Hochwasserschutzmaßnahme getroffen. Hintergrund der Vereinbarung ist die Erfahrung mit der Sturmflut im Oktober 2023 und die Empfehlung eines Ad-hoc-Ausschusses, eines sogenannten 17, Absatz 4-Ausschusses, möglichst schnell eine harte Hochwasserschutzmaßnahme zu errichten.

Im Rahmen der Vereinbarung wurden die Sicherungslinien in fünf Teilstrecken unterteilt (siehe Bild).

An den meisten Stellen wird bis zu einer Höhe von 2,50 m gesichert, während an anderen Stellen höhere Sicherungen vorgenommen werden. In den Hafengebieten (Teilstrecken 1, 2 und 4) errichtet der Apenrader Hafen eine Hochwasserschutzmaßnahme aus Beton mit Öffnungen, in die Aluminium-Module eingesetzt werden können, die nur dann eingesetzt werden, wenn Hochwasser droht, die Hafenkante zu überschwemmen. Auf den Teilstrecken 3 und 5, die den Kilen und das Gebiet an den Wassersportvereinen umfassen, wird die Kommune Apenrade zunächst temporäre Lösungen umsetzen. Die temporären Lösungen sollen bestehen bleiben, bis eine dauerhafte Lösung gefunden wird.

Nördlich von Kilen wird später eine dauerhafte Lösung als Teil der Gesamtlösung für das Gebiet errichtet. Bei den Rudervereinen muss eine dauerhafte Lösung genauer untersucht werden.

Der Bau des vereinbarten Schutzes wird Teil des umfassenden Hochwasserschutzes der Stadt Apenrade sein und dazu beitragen, dass die Stadt zukünftig bis mindestens 2,50 m gesichert ist.

Umgesetzte Maßnahmen

Seit der Verabschiedung des vorherigen Klimaanpassungsplans im Jahr 2014 wurden folgende Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Hochwasserschutz umgesetzt.

  • Schöpf- und Sperrwerk an der Mündung der Mühlenau
  • Erhöhte Deiche entlang der Schlossmühlenau (Slotsmølleåen)
  • Neue Pumpen am Dr. Margrethes Vej
Die erhöhten Deiche schützen vor allem den Tierschauplatz/Ringreiterplatz und das gesamte Campusgelände.
  • Natur- und Klimaprojekt Bønderengene (das Projekt umfasst außer der Renaturierung des Hesselbæk, Überschwemmungsflächen und zwei Deiche (Kote: 2,5))
Neue Pumpen in der Pumpenstation am Dr. Margrethes Vej
  • Hochwasserschutzmauer entlang Flensborgvej und Kystvej
    Die existierende Mauer von Störtum (Styrtom) zum Süderstrand (Sønderstrand) bietet bei 2,50 Meter über Normal Null Schutz. In Verbindung mit dem Bau der Hafenpromenade wurde auch die Schutzmauer vom Süderstrand bis zur Kreuzung Nyvej/Skibbroen auf Kote 2,5 angehoben. Darüber hinaus wurden Watergates angeschafft, die den Sdr. Havnevej und Kystvej vor Überschwemmung bis Kote 2,5 schützen.
Im Vordergrund sind die sogenannten Bønderengene zu sehen. Der Hesselbæk mäandert durch das Gebiet. Bei Starkregen wird das ganze Gebiet überflutet. So wird verhindert, dass der dahinter liegende Tierschauplatz/Ringreiterplatz überschwemmt wird. Das Wasser kann sukzessive über die Mühlenau in die Förde abfließen.

Aktualisierte Actioncards

Eine Hochwassermauer schützt schon seit Jahren die Strecke zwischen Störtum und Apenrader Hafen.

Es wurde ein kommunaler Notfallplan für Überschwemmungen erstellt, der laufend mit Maßnahmen und sogenannten Actioncards aktualisiert wird. Der Notfallplan umfasst unter anderem die Einrichtung einer Hochwassergruppe, bestehend aus Brand & Redning Sønderjylland, der Kommune Apenrade, dem Hafen und der Versorgungsgesellschaft Arwos, die die Einsätze bei Hochwasser- oder Regenereignissen koordiniert. Es werden regelmäßig Notfallübungen zu hypothetischen Hochwasser- und Sturmflutsituationen durchgeführt. Der Notfallplan wurde bei der Sturmflut am 20./21. Oktober 2023 aktiviert und ermöglichte eine koordinierte Einsatzplanung, die die Stadt vor dem schlimmsten Szenario schützte.

Infos auf der Webseite

Auf der Webseite der Kommune sind Informationsmaterialien verfügbar, die die Bürgerinnen und Bürger über ihre Möglichkeiten informieren, ihr Eigentum bei akuten Überschwemmungen zu sichern. Zudem wird über die Verantwortung der Grundstückseigentümer und der Kommune in einer akuten Überschwemmungssituation informiert. Auch diese Informationen sind auf der Webseite der Kommune zugänglich. Es wird kontinuierlich daran gearbeitet, die verfügbaren Informationen zu aktualisieren und zu verbessern.

Wassermanagement künftig gleich einplanen

Die Kommune Apenrade hat erkannt, dass der Klimawandel nicht aufzuhalten ist. Deshalb soll etwas gegen die Symptome getan werden. Dafür ist eine wasserbewusste Stadtentwicklung erforderlich. Wohin mit dem Wasser bei Starkregen? Wie kann man in den Städten und Wohnvierteln vor Überhitzung schützen? Deshalb ist das Wassermanagement ein fester Punkt in allen künftigen Bebauungsplänen (dän.: lokalplaner).

Teilnahme an EU-Projekt

Darüber hinaus nimmt die Kommune mit zwei Pilotgebieten an dem EU-Projekt „Blue Transition“ teil. Die Stadt Apenrade ist nicht nur durch Überflutungen durch Sturmwasser aus der Apenrader Förde bedroht. Bei Extremregen droht die Überschwemmung Teile der inneren Stadtgebiete über die Mühlenau (Mølleå) aus dem Hinterland. Das Schöpf- und Sperrwerk an der Mündung der Au sowie Auffangbecken flussaufwärts haben hier schon den gewünschten Effekt gezeigt.

Im Raum Bülderup-Bau (Bylderup-Bov) stellt ein erhöhter Grundwasserspiegel die Kanalisation vor Herausforderungen. Überflutete Keller gehören fast schon zum Alltag. Die Landwirtschaft muss wegen Überschwemmungen um ihre Ernten bangen. Auch hier will die Kommune unter anderem durch die Anlage von Auffangbecken und Naturschutzgebieten an der Slogså gesunde Böden fördern.

Der Klimaanpassungsplan ist auf der Homepage der Kommune Apenrade zu finden.