Kommunales

Gemeinschaft, Zukunft – und mehr Mut zum Prahlen, Tondern!

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Die dänische Generalkonsulin Annette Lind hatte nicht nur ein paar nette Worte vorbereitet, sondern gab den Tonderanerinnen und Tonderanern auch ein paar konkrete Vorschläge mit ins neue Jahr.

Neujahrsempfang im Rathaus: Bürgermeisterrede, Jugendpolitik, grüne Transformation, Sporttalente und ein ungewöhnlicher Rat aus Flensburg. Warum Tondern sich selbst besser vermarkten sollte – und was eine Autobahntafel damit zu tun hat.

Trotz winterlichen Wetters und drohendem Eisregen war das Rathaus am Montagnachmittag gut gefüllt: Rund 300 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Vereinsleben kamen zum traditionellen Neujahrsempfang der Kommune Tondern und des Tonderner Wirtschaftsrates. Im Mittelpunkt standen Gemeinschaft, Zukunftsperspektiven – und die Frage, wie sich die Kommune selbstbewusster präsentieren kann.

Bereits beim Betreten des Rathauses wurde deutlich: Das Interesse an der ersten großen gemeinsamen Veranstaltung des Jahres war groß. Das gut gefüllte Rathausfoyer bildete den Rahmen für Gespräche, Netzwerkarbeit, Rückblicke auf das vergangene Jahr und Ausblicke auf kommende Herausforderungen. Applaus, Gelächter und eine spürbar positive Stimmung begleiteten das Programm.

Demokratie, Jugend und grüne Wende

Wer genau hinsieht, kann in dem Getümmel auch den Hauptvorsitzenden des Bundes Deutscher Nordschleswiger, Hinrich Jürgensen (hintere Reihe, Bildmitte) ausmachen.

Bürgermeister Jørgen Popp Petersen (Schleswigsche Partei) begann seine Neujahrsansprache am Ende, nämlich beim jüngsten Kommunalwahlkampf. Es sei eine Freude gewesen zu erleben, „wie lebendig die Demokratie ist“, sagte der Bürgermeister und zeigte sich zufrieden darüber, dass die Wahl erneut zu einer breiten politischen Konstituierung geführt habe.

Inhaltlich griff Petersen zentrale Themen auf, die die kommunalpolitische Arbeit im vergangenen Jahr geprägt haben: die grüne Transformation, Jugendpolitik und Wohnen. Beim Thema Zuzug betonte er, dass es nicht allein darum gehe, neue Bürgerinnen und Bürger zu gewinnen, sondern darum, dass Menschen sich in der Kommune auch dauerhaft niederlassen und Teil der Gemeinschaft werden.

Mit Blick auf junge Menschen sprach der Bürgermeister offen an, dass Tondern junge Einwohnende fehle – verband dies jedoch mit Zuversicht: „Die jungen Menschen engagieren sich. Sie übernehmen Verantwortung. Und sie haben viele Ideen, wie sich die Kommune weiterentwickeln kann.“

Unter den Teilnehmenden: Louise Thomsen Terp, Randi Damstedt und Victor Puck Terp

Als Beispiele nannte er Initiativen wie „Ungeløftet“, den Tonderner Jugend- und Kulturrat sowie den Mut des Tønder Festivals, sich weiterzuentwickeln – etwa mit der Einladung der Rapperin Tessa. Das habe bei vielen jungen Festivalgästen Begeisterung ausgelöst und bei Teilen des erwachsenen Publikums zumindest Verwunderung.

„Ihr müsst mehr prahlen“

Auch die Politprominenz aus Christiansborg hatte die Einladung angenommen. Auf dem Bild sind unter anderen die Folketingsabgeordneten Jesper Petersen (vorne links) und Hans Chr. Schmidt (Bildmitte) zu sehen. Rechts am Tisch steht die Generalkonsulin Annette Lind. Sie kennt ihre beiden Tischnachbarn bestens aus ihrer Zeit als sozialdemokratisches Parlamentsmitglied.

Einen besonderen Akzent setzte die Gastrednerin des Nachmittags: Annette Lind, dänische Generalkonsulin in Flensburg (Flensborg). In ihrer Rede stellte sie das grenzüberschreitende Zusammengehörigkeitsgefühl in den Mittelpunkt – und hatte zugleich ganz konkrete Ratschläge für Tondern im Gepäck.

Viele Menschen würden die Stadt vor allem mit dem Tønder Festival verbinden, so Lind. Dass der international bekannte Möbeldesigner Hans J. Wegner aus Tondern stammt, dass die Goldhörner in der Region gefunden wurden oder dass es hier ein Zeppelinmuseum gibt, sei hingegen viel zu wenig bekannt, fand sie. Ihre klare Aufforderung an Kommune und Wirtschaft lautete daher: „Ihr müsst ein bisschen mehr prahlen.“

Als augenzwinkerndes Beispiel präsentierte Lind sogar einen Vorschlag, den sie sich von Künstlicher Intelligenz hatte entwerfen lassen: eine braune touristische Hinweistafel an der Autobahn E45 mit der Silhouette des berühmten Y-Stuhls und der Aufschrift „Wegner Museum“. „Meinen Entwurf dürft ihr gerne übernehmen – aber wahrscheinlich bekommt ihr das selbst noch schöner hin“, fügte sie lachend hinzu.

Die Tonderner Musikschule sorgte vor und während der Veranstaltung für musikalische Unterhaltung.

Im Publikum befand sich zufällig auch der Folketingsabgeordnete und frühere Verkehrsminister Hans Chr. Schmidt (Venstre), der per Zuruf anmerkte, dass eine solche Hinweistafel für rund 135.000 Kronen zu haben sei. Kommunaldirektor Lars Møldrup mutmaßte, dass diese Summe bei einer spontanen Sammlung unter den Anwesenden wohl schnell zusammengekommen wäre. Aktuell liegt der Fokus allerdings noch auf dem Umbau des Warfthofs „Hestholm“, dessen erste Etappe bereits im April bezugsfertig sein soll.

Tagestourismus als Einnahmequelle

Ein besonders markanter Satz der Generalkonsulin sorgte für Schmunzeln – und Nachdenklichkeit. Annette Lind erinnerte an ihren Vater Alex Lind, der von 1986 bis 1997 sozialdemokratischer Bürgermeister der damaligen Kommune Spøttrup war. Sein Leitspruch zur Stärkung der Gemeindefinanzen lautete sinngemäß: „Findet heraus, wie man Tagesgästen das Fell über die Ohren zieht“.

Ganz so drastisch sei das nicht gemeint gewesen, erklärte Lind. Vielmehr ging es darum, Tagestourismus gezielt so zu gestalten, dass man die Gäste länger halten oder zusätzliche Einnahmen generieren könne. Diesen Gedanken gab sie ausdrücklich an Politik und Wirtschaft in Tondern weiter.

Junge Talente und ein Blick zurück

Bürgermeister Jørgen Popp Petersen bat nacheinander die beiden Sporttalente Philip Hyldtoft (l.) und Casper Nissen ans Mikrofon, damit sie sich kurz präsentieren konnten. Beide haben schon etliche Pokale im Schrank, streben aber nach mehr und Höherem.

Für weitere positive Impulse sorgten zwei junge Sporttalente aus der Kommune. Der Formel-4-Pilot Casper Nissen und der Radcross-Fahrer Philip Hyldtoft berichteten von ihrem Trainingsalltag, ihren Zielen und Ambitionen. Ihre persönlichen Geschichten vermittelten ein Bild von Disziplin, Motivation und lokaler Verbundenheit – und stärkten den Optimismus mit Blick auf die kommende Generation.

Ergänzt wurde das Programm durch einen multimedialen Rückblick auf das Jahr 2025. Auf der großen Leinwand wurden Bauprojekte, Veranstaltungen und besondere Momente aus Vereinsleben, Kultur und Natur gezeigt. Musik, gemeinsamer Gesang, kleine kulinarische Beiträge und viele Gespräche rundeten den Nachmittag ab.

Am Ende blieb der Eindruck eines gut besuchten und inhaltlich breit aufgestellten Neujahrsempfangs – und die Frage, ob Tondern den Mut findet, künftig tatsächlich ein wenig mehr zu prahlen.