Leserbrief

„Die Wahrheit zwischen Nordertor und Südertor“

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In seinem Leserbrief fragt sich Paul Sehstedt, wohin sich Apenrade entwickelt und ob sich die Stadt mit überflüssigen Projekten verzettelt, während der Einzelhandel vernachlässigt wird.

Das Nordertorviertel ist in Bürgermunde und diskutiert wird, was aus dem Gelände nach dem Abriss des Karrees werden soll. Augenblicklich ist das Gelände als ein Park angelegt, in dem verschiedene Veranstaltungen abgehalten werden. Eine Stadtratsmehrheit plädiert jedoch für eine Bebauung, um so die entstandenen Kosten von 21 Millionen Kronen wieder in die Kommunekasse zu legen. Anwohner wünschen den Erhalt der Grün- und Mehrzweckfläche. Eine fantasiefreie Bebauungsskizze liegt vor und ich befürchte, dass dort ein überflüssiges Projekt hochgezogen wird. Ein spektakuläres Gebäude an der Südseite wäre möglich, doch die Kosten würden die Mietpreise unerschwinglich machen. Die Grünfläche sehe ich als einen Mehrwert, wenn auch nicht als Anziehungspunkt für neue Einwohner in Apenrade.

Auf einem abendlichen Spaziergang vom Südertor durch die Fußgängerzone bis zum Nordertor zähle ich 34 leerstehende Geschäftsräume. Diese Wahrheit ist kein Aushängeschild für eine Stadt, die große Zukunftspläne in dem Dokument 2035 zusammengefasst hat. Weder der Campus noch das neue Krankenhaus haben zu einem Zuzüglerstrom geführt: In Apenrade wird gearbeitet, gewohnt wird in den Nachbarkommunen und -regionen. Die Geschäftsinhaber bedauern nicht nur, dass die Laufkundschaft weniger geworden ist; bemängelt wird auch, dass die Kommune die Läden kaum unterstützt. So hat die Passfotomaschine im Bürgerbüro im Rathaus dem Fotogeschäft eine Einnahmeeinbuße von rund 250.000 DKK beschert. Dieses Geld verschwindet in die Kasse der Firma, die die Maschine aufgestellt hat und keine Steuern in der Kommune lässt.

Obwohl die Geschäfte vor Ort mit ihren Preisen für Bürobedarf, Computer und Verbrauchsgüter mindestens wettbewerbsfähig, wenn nicht sogar günstiger sind, klammert sich der Stadtrat an die landesweite kommunale Einkaufszentrale. Mir liegen Beispiele vor, wo ein Geschäft einen Rechner wesentlich preiswerter und gleichzeitig mit vollem Support anbieten konnte, doch der Handel wurde über die Zentrale mit einigen Tausend Kronen teurer abgewickelt.

Manche Geschäfte überleben nur, weil sie einen Internethandel betreiben; die Schaufenster sind im wahrsten Sinne des Wortes nur zur Schau da. Die Stadträte wären gut beraten, wenn sie sich durchringen würden, ein Umbau von Geschäfts- in Wohnräume entlang der einst längsten Fußgängerzone Dänemarks zu genehmigen. Falls die Hausbesitzer das wünschen.

Ich sprach mit einem Stadtrat von Venstre, der die Bebauung von sowohl des Nordertorviertels als auch des Geländes nördlich von Kilen mit Wohnungen als unrealistisch abtat. Letzterer Traum wird von der staatlichen Planungsbehörde wegen der Nähe zum Hafen blockiert.

Den Stadtratskandidaten kann ich nur zurufen, sich für den Handel in der Kommune starkzumachen und die überliberale Linie, die die lokalen Gewerbe benachteiligen, zu verlassen. Attraktive Projekte sind nie das Credo von Apenrade gewesen und dies wird sich so schnell nicht ändern. Überschaubar und beschaulich!

Paul Sehstedt
Reberbanen
Apenrade

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