Analyse

Apenrade 2026: Nørreport und Solarprojekte prägen die neue Ratsperiode

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Die Konstituierung verlief ohne Zwischenfälle.

Viele bekannte Gesichter, wenig Kurswechsel: Der neu konstituierte Stadtrat in Apenrade setzt auf Kontinuität. Für umstrittene Projekte wie Nørreport beginnt damit eine entscheidende Phase.

Mit der Konstituierung des neuen Stadtrats in Apenrade ist klar: Der große politische Umbruch bleibt aus. Einige neue Gesichter sind hinzugekommen, doch die Mehrheitsverhältnisse ähneln denen der vergangenen Wahlperiode. Die politische Richtung der Kommune dürfte sich daher kaum grundlegend verändern. Vieles spricht dafür, dass begonnene Projekte weiterverfolgt werden – allen voran das umstrittene Bauvorhaben im Nørreport-Viertel.

Nørreport-Pläne bleiben

Zwar konnte die Dänische Volkspartei (DF) bei der Wahl Stimmen hinzugewinnen, doch das reicht nicht, um die Mehrheitsverhältnisse entscheidend zu kippen. Gemeinsam mit den Dänemarksdemokraten (Danmarksdemokraterne) dürfte sie zwar bei zentralen Abstimmungen – etwa zur Zukunft des Nørreport-Parks – geschlossen dagegen stimmen, wie beide Parteien es im Wahlkampf angekündigt hatten. An der grundsätzlichen Linie des Stadtrats ändert das jedoch wenig: Die Mehrheit steht weiterhin hinter einer Entwicklung des Areals im Zentrum der Stadt.

So geht's am Nørreport weiter

Damit beginnt für den Nørreport eine neue Phase. Die politischen Grundsatzentscheidungen sind gefallen, nun rückt die konkrete Umsetzung näher. Die Kommune arbeitet seit Längerem an der Entwicklung des Areals im Zentrum der Stadt. Ziel ist eine ganzheitliche Stadtentwicklung, die neue Bebauung mit öffentlichen Räumen verbindet. Erste Dialoge haben bereits gezeigt, dass es grundsätzliches Interesse von Investoren gibt. Gleichzeitig bestehen noch offene Fragen – etwa zu Parkflächen, der Reinigung des Bodens, zur Straßenführung und zu den Nutzungen im geplanten Erdgeschoss. Es ist geplant, dort das Kino unterzubringen. 

Mit Bürgerbeteiligung

Der nächste Schritt ist die Ausschreibung. Dafür müssen Qualitäts- und Preisrahmen festgelegt und die Voraussetzungen präzisiert werden. Es folgt die eigentliche Projektentwicklung – also wie das Gebäude und die Umgebung konkret aussehen sollen – bevor ein Bebauungsplan die baurechtlichen Grundlagen schafft. Erst danach kann gebaut werden. Der Prozess ist auf mehrere Jahre angelegt – begleitet von Bürgerbeteiligung und politischen Entscheidungen. Gerade hier dürfte der politische Streit erneut aufflammen, denn das Projekt ist in der Bevölkerung nach wie vor hochumstritten.

Solar-Ausbau schreitet voran

Neben dem Nørreport bleibt auch die Energiepolitik ein zentrales Thema im neuen Stadtrat. Der Ausbau erneuerbarer Energien wird weitergehen, mehrere Solarprojekte sind in Planung. Besonders aufmerksam wird verfolgt werden, wie es mit der geplanten Power-to-X-Anlage bei Pattburg weitergeht. Das Vorhaben soll die Anlage in Kassö (Kassø) deutlich übertreffen und hätte weitreichende Bedeutung – nicht nur für die Kommune, sondern für die gesamte Region. Hier zieht der Stadtrat jedoch an einem Strang und ist sich überwiegend einig. Mit DF gibt es Gegner der „eisernen Felder“, wie die Partei die Solarfelder nennt. 

Neuen Wohnraum schaffen – aber wo?

Neu zugeschnitten ist die politische Arbeit im Bereich Planung und Wohnen. Mit dem neuen Plan- und Wohnungsbauausschuss rückt das Thema Wohnraum stärker in den Fokus. Vorsitzender ist Thomas Andresen (Venstre), der bereits den Ad-hoc-Ausschuss zur Kilen-Entwicklung geleitet hat. Kilen bleibt damit ein Schlüsselprojekt – nicht zuletzt vor dem Hintergrund steigender Wasserstände und der seit Jahren diskutierten Frage, wie Kultur, Hochwasserschutz und Stadtentwicklung zusammengebracht werden können. Dort soll neben Wohnraum auch ein neues Museum entstehen, in dem Kunst- und Schifffahrtsmuseum unter einem Dach zusammenrücken sollen.

Wohnraumpotenzial sieht die Kommune nicht nur am Kilen, sondern auch auf innerstädtischen Flächen – etwa am Møllemærsk und am Posekær. Dort ist ein Investor abgesprungen, der rund 40 Wohneinheiten bauen wollte. Ob und wie es dort weitergeht, wird ein Prüfstein sein.

Stabilität im Hafen

Stabilität zeichnet sich auch beim Hafen ab. Unter der Leitung von Erwin Andresen (Schleswigsche Partei, SP) hat sich der Apenrader Hafen in den vergangenen Jahren dynamisch entwickelt. Mit dem Enstedter Hafen, jetzt „Hafen Süd“, ist ein weiterer Standort hinzugekommen. Rekorde bei Umschlag und Erträgen unterstreichen die Bedeutung des Hafens für die Kommune. Dass inzwischen Schiffe mit Bio-Methanol aus Kassö betankt werden, zeigt zudem, wie eng der Hafen und die Energiewende inzwischen miteinander verknüpft sind.

Vereinigte Kräfte

Der neue Stadtrat startet also mit vielen bekannten Themen – und bekannten Konflikten. Wie Poul-Erik Thomsen es in seinem Leserbeitrag formuliert hat: Die Voraussetzungen für Fortschritt sind da, wenn die „forenede kræfter“ zusammenhalten.