Blaulicht

Polizei übt Königsbesuch in der Tonderner Christkirche

Veröffentlicht Geändert
Vom späten Vormittag bis in den Nachmittag herrschte emsiges Treiben in der Tonderner Christkirche.

Einsatzfahrzeuge auf dem Kirchplatz, Sucharbeit zwischen Kirchenbänken sowie Funde im Turm und Dachgewölbe: Bei einer großangelegten Polizeiübung wurde die Christkirche in Tondern zum Trainingsort für Mensch und Hund.

Schon beim Gang über den Kirchplatz war klar, dass dieser Dienstag in der Tonderner Christkirche kein gewöhnlicher Tag war. Einsatzfahrzeuge verschiedener Polizeieinheiten standen dicht an dicht geparkt, während drinnen konzentriert gearbeitet wurde. Die Polizei für Süddänemark und Nordschleswig führte eine großangelegte Suchübung durch – mit Zwei- und Vierbeinern.

An der Übung beteiligt waren Sprengstoffspürhunde der Polizei Ostjütland, Sprengstoffräumkommandos aus Skive und Kopenhagen, Drogenspürhunde der Polizei für Süddänemark und Nordschleswig sowie das „menschliche“ Hausdurchsuchungsteam des hiesigen Polizeikreises. Ziel war es, das Zusammenspiel der unterschiedlichen Einheiten zu trainieren – und das in einem Objekt, das alles andere als alltäglich ist.

Sorgfalt und Konzentration gefordert

Polizeiassistent Martin Iwersen entdeckt in einer Lampe eine versteckte Handgranaten-Attrappe.

„Unser Hausdurchsuchungsteam besteht aus 20 bis 25 speziell ausgebildeten Personen“, erklärt Polizeiassistent Lars Dahl Larsen, der das Team in Süddänemark und Nordschleswig leitet. „Wir sind Wohnungen, Einfamilienhäuser oder auch Bauernhöfe gewohnt – aber eine Kirche ist schon etwas Besonderes.“ Umso dankbarer sei man dem Kirchengemeinderat für die Möglichkeit, in der Christkirche üben zu dürfen. Ein besonderer Dank gehe an Gemeinderatsmitglied Jørn Vestergaard, der als „kirkeværge“ für die kirchlichen Immobilien zuständig ist.

Vestergaard hatte nicht nur organisatorisch unterstützt, sondern auch ganz praktisch. Ein ausgedientes Gesangbuch aus seinem eigenen Fundus diente als Versteck für eine Übungsportion Sprengstoff oder Drogen – verborgen zwischen den Buchdeckeln. „Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass solche Objekte ganz andere Herausforderungen mit sich bringen“, sagt Dahl Larsen.

Reihe für Reihe arbeitet sich die Hausdurchsuchungseinheit, aufgeteilt in Zweierteams, durch die Kirchenbänke. Die Beamtinnen und Beamten knien auf dem Boden, leuchten mit Taschenlampen unter die Sitzflächen, tasten die dortigen Heizkörper ab, nutzen Handykameras und ihre Hände. Die Suche ist systematisch und gründlich.

Martin Iwersen untersucht gründlichst den Altar nach verstecktem Sprengstoff ab.
Ist im verschnörkelten Taufhimmel womöglich eine Portion Sprengstoff oder Drogen versteckt? Polizist Alexander Jordt schaut lieber gründlich nach.

„Igitt!“, schallt es plötzlich aus dem vorderen Bereich der Kirche. Eine junge Polizistin hat mit der Hand in einen klebrigen Kaugummi gegriffen. „Vielleicht sollte man den Kirchgängerinnen und Kirchgängern sagen, dass sie ihr Kaugummi nicht unter die Kirchenbank kleben sollen“, bemerkt sie trocken.

Für Lars Dahl Larsen ist die Sorgfalt seines Teams entscheidend. „Man darf bei solchen Aufgaben nicht einfach durchhuschen“, betont er. „Das ist übrigens weit anstrengender, als man denkt – weniger körperlich, aber mental. Man muss hoch konzentriert bleiben. Die erste Bankreihe ist genauso wichtig, wie die letzte.“ Um diese Konzentration aufrechtzuerhalten, seien Pausen unerlässlich.

Das Versteck im Kirchenleuchter

Polizist Alexander Jordt kriecht durch die Kirchenreihen auf der Suche nach Bomben oder Granaten.

Polizeiassistent Martin Iwersen bildet gemeinsam mit seinem jungen Kollegen Alexander Jordt bei dieser Übung ein Zweierteam. Für Iwersen, ehemaliger Schüler der Ludwig-Andresen-Schule, ist die Christkirche kein unbekannter Ort – allerdings kennt er sie sonst nur aus der Perspektive eines Besuchers. „Diesmal hatten wir auch Zugang zu Turm und Dachgewölbe. Da kommt man als normaler Besucher ja nie hin“, erzählt er.

Im Dachgewölbe machten die beiden schließlich einen besonderen Fund: eine Übungsportion Sprengstoff, platziert genau über dem Platz, an dem bei einem Besuch das Königspaar gesessen hätte. Denn auch das gehörte zum Szenario der Übung. Aus einem Kirchenleuchter, den er gerade eben mit ausgestrecktem Arm erreichen konnte, fischte Iwersen zudem eine Handgranate – und erntete dafür den gespielten Neid seines Teamkollegen. Er hatte das Versteck nämlich nicht entdeckt. Nachfolgend widmete er sich umso intensiver den Leuchtern.

„Je mehr sie finden, desto besser“, sagt Lars Dahl Larsen. „Aber es ist auch nicht schlimm, wenn nicht alles entdeckt wird. Gerade daraus lernt man ja.“

Sowohl die Sprengstoffhunde als auch Drogenspürhunde durften ihre Supernasen beweisen.
Es ist schon sinnvoll, wenn Herrchen oder Frauchen stark genug ist, um ihren Suchhund zu tragen. Nicht alles ist in Bodennähe versteckt.

Bevor die menschlichen Spürnasen an der Reihe waren, hatten die Vierbeiner bereits ihre Arbeit erledigt. „Eine Hundenase riecht etwa 2.100 Mal besser als die eines Menschen – nur so zur Info“, gibt Martin Iwersen augenzwinkernd sein gerade erst gelerntes Wissen gerne weiter. 

Am Ende der Übung steht nicht nur das geschärfte Auge für Details, sondern auch ein besseres Verständnis füreinander. „Es geht uns auch darum, die Kolleginnen und Kollegen – auch aus anderen Einheiten – kennenzulernen, und ihre Arbeitsweisen zu verstehen“, erklärt Dahl Larsen. „Das kann bei einem echten Einsatz nur von Vorteil sein.“