Bargeld

Neue Münzen: König Frederik verdrängt Margrethe

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König Frederik X.
In Spanien produziert, weil Dänemark selbst keine eigene Münzprägestätte mehr hat: Die neuen Kronenstücke mit König Frederik X. darauf.

Fast zwei Jahre nach dem Thronwechsel kommt Frederik X. auch in den Portemonnaies der Bevölkerung und der Touristinnen und Touristen an. 29,6 Millionen Münzen mit Konterfei und Monogramm des Königs bringt die Nationalbank in Umlauf. So sehen sie aus.

Während bei unseren südlichen Nachbarn Bargeld noch hoch im Kurs steht, sind Scheine und Münzen in Dänemark heute seltener zu sehen. Fällige Beträge mit Karte oder digital übers Smartphone zu begleichen, ist Standard geworden. Gerade mal elf Prozent der Bezahlvorgänge im stationären Handel werden dort laut Nationalbank „cash“ gezahlt.

Wer in Nordschleswig das nächste Mal einkauft, sollte aber vielleicht doch mal einen Kronenschein hinblättern – denn mit ein bisschen Glück gibt es als Wechselgeld ein besonderes Souvenir: die ersten Münzen mit dem Konterfei und Monogramm von König Frederik. 

Die Nationalbank bringt sie seit dieser Woche sukzessive in Umlauf. 29,6 Millionen Stück wurden in der ersten Auflage produziert.

Fast zwei Jahre nach der Abdankung von Königin Margrethe II. vollzieht Dänemark damit den Thronwechsel auch monetär. Die Monarchin war im Januar 2024 nach 52-jähriger Regentschaft überraschend zurückgetreten.

„Die Münzen sind mit Respekt vor der Geschichte und mit einem Blick für die Gegenwart entworfen worden“, sagt Nationalbank-Direktor Christian Kettel Thomsen. „Sie enthalten eine ganze Reihe von Symbolen, von denen einige langjährige Traditionen dänischen Münz-Designs fortsetzen, während andere neu sind.“

Früher dreistellige Millionen-Auflage

Zum Vergleich der jetzt 29,6 Millionen produzierten Exemplare: Anfang der 1990er-Jahre, als Bargeld eine ganz andere Bedeutung im Alltag hatte, hat die dänische Nationalbank mehrere 100 Millionen Münzen in Umlauf gebracht.

Der gar nicht mehr so neue König ist sowohl auf dem Zehn- als auch dem größeren 20-Kronen-Stück abgebildet. Die Seite mit seinem Antlitz gilt automatisch als Vorderseite.

Porträt in Wachs als Grundlage

Für die Darstellung Frederiks hat die Bildhauerin Eva Hjorth zunächst ein Porträt in Wachs modelliert. Gerade einmal zwei Millimeter durfte das Relief hoch sein. Ihre Idee war, den Monarchen „als modernen Mann darzustellen. Er ist ein Mann der Zeit, aber er hat den Blick auf die große Aufgabe gerichtet, die ihn erwartet.“

Anleihe beim königlichen Großvater

Für die Art, wie sie nach unten hin mit einem leichten Bogen den Hals begrenzt hat, nahm die Künstlerin Anleihe beim Münz-Konterfei von Frederiks Großvater, König Frederik IX. Sie möchte damit „historisch und persönlich einen Zusammenhang herstellen“. Immerhin werden beiden Frederiks gewisse Parallelen in Wesensart und Auftreten nachgesagt.

Hjorth hatte bereits 2023 Entwürfe für die letzte Auflage der Münzen mit Königin Margrethe gemacht.

Hinweis auf Schleswig-Holstein

Die Rückseite der Zehner und Zwanziger ziert das königliche Wappen. Auf dessen vier Feldern sind nicht nur die Reichsteile Dänemark, Grönland und Färöer symbolisiert. Die zwei schleswigschen Löwen im Wappen sind eine Anspielung auf die Verwobenheit der dänischen Geschichte mit Schleswig-Holstein über viele Jahrhunderte.

Auf den Ein-, Zwei- und Fünf-Kronen-Stücken war sie zwar nicht als Person abgebildet – wohl aber ihr Monogramm: bestehend aus drei verschnörkelten Ms. Auch das tilgt die Nationalbank jetzt von den offiziellen Zahlungsmitteln. Sie bringt seit dieser Woche ebenfalls neue Münzen mit diesen drei Werten heraus. Sie tragen das schlichtere, aus einem doppelten F bestehenden Monogramm Frederiks.

Der Clou auf der Rückseite: Schloss Amalienborg

Der eigentliche Clou der Münzreform findet sich auf den Rückseiten der Einer, Zweier und Fünfer: Dort sind über dem Schriftzug „Danmark“ links und rechts zwei vierteilige Elemente zu sehen. Auf den ersten Blick könnte man sie für Blumenblüten halten.

Vier Elemente stehen für vier Palais

Guckt man genauer hin, erkennt man ein Oktogon – also ein Achteck. Es soll ein dänisches Nationalheiligtum verkörpern: den Schlossplatz der königlichen Residenz Amalienborg in Kopenhagen. Dieser hat eine achteckige Form. Gesäumt wird er von vier diagonal angeordneten Palais. Als Anklang daran wird das Oktogon auf den Münzen viermal wiederholt. 

Die Designchefin der Nationalbank, Jeanette Skov Jensen, möchte damit Amalienborg „als Ort der Begegnung zwischen dem Königshaus und der Bevölkerung“ würdigen. Der Platz zwischen den vier Gebäudeteilen ist frei zugänglich. Bei Feierlichkeiten jubeln die Bürgerinnen und Bürger dort der königlichen Familie zu.

Genau so viele Löcher wie bisher

Eine dänische Besonderheit behalten die Ein-, Zwei- und Fünf-Kronen-Münzen bei: das Loch in der Mitte. Sie lassen sich also wie ihre früheren Generationen auf Halsketten auffädeln – souvenirtauglich auch in dieser Hinsicht.

Margrethes Konterfei viermal aktualisiert

Die jetzige Größe und Systematik der dänischen Münzen geht auf den Zeitraum zwischen 1989 und 1993 zurück. Da wurden die verschiedenen Wertabstufungen nach und nach eingeführt. Das Konterfei von Margrethe II. wurde allein seitdem viermal aktualisiert und dem Alterungsprozess angepasst. Die letzte Änderung wurde erst 2023 vollzogen, als noch nicht mit einer Abdankung gerechnet worden war.

In einer 1000-jährigen Tradition

Insgesamt führt die jetzige Neuauflage eine mehr als 1000-jährige Tradition fort. Seit dem Regenten Svend Gabelbart aus der Zeit um 995 repräsentieren Münzen die dänische Königsmacht in Form von Porträt oder Monogramm. Das liegt daran, dass der Monarch einst für die Münzproduktion verantwortlich war. Seine Hoheitszeichen sollten die korrekte Menge Metall und damit den korrekten Wert einer Münze garantieren.

Diese Verantwortung ist zwar längst auf die Nationalbank übergegangen – aber über das Aussehen entscheidet der König nach wie vor mit: Nur mit Zustimmung des Monarchen dürfen neue Kronenmotive herausgebracht werden.

Deshalb wurden die Münzen aus Spanien importiert

Obwohl die Geldstücke staatliche Hoheitszeichen ersten Ranges sind, stammen sie aus dem Ausland. Weil so sehr viel weniger bar bezahlt wird als früher, wäre es „ineffektiv“, für neue Münzen eine eigene Prägefabrik zu unterhalten, erklärt Nationalbank-Direktor Christian Kettel Thomsen. 

Bereits 2016 hat die Nationalbank den eigenen Betrieb dafür eingestellt. Seitdem schreibt Dänemark Aufträge für Nachschub international aus. In der Ausschreibung um die jetzt neu gestalteten Münzen hat sich die Münzprägeanstalt Spaniens in Madrid durchgesetzt.

In die Hände der Bevölkerung gelangen die neuen Kronen, indem die Nationalbank sie an mehrere Auslieferungsfirmen schickt. Diese bringen das Geld zu Bankfilialen, Geldautomaten und Geschäften, die eine Lizenz für einen Wechselgeld-Service haben.

Sechs Milliarden Kronen sind in Umlauf

Derzeit sind in Dänemark Kronen-Münzen im Wert von sechs Milliarden Kronen in Umlauf. Das heißt zwar bei Weitem nicht ähnlich viele Exemplare. Dennoch ist klar, dass die Margrethe-Münzen noch länger die große Mehrheit bilden werden. So stimmt die Nationalbank die Öffentlichkeit denn auch darauf ein, dass es Jahre dauert, bis die 2025er-Generation überwiegt. Alle Margrethe-Kronenstücke behalten bis auf unbestimmte Zeit ihre Gültigkeit. Sie werden erst nach und nach einkassiert und ersetzt, wenn sie sehr zerkratzt oder anderweitig abgenutzt sind.