Freiwilligenarbeit

„Dänemark ist mein Ausweg“ – Marlene Reissinger kehrt zurück zum Knivsbergfest

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Marlene Reissinger auf dem Knivsberg: Sie reiste ein paar Tage vor dem Fest aus Süddeutschland an.

Zurück in Dänemark: Was bewegt Marlene Reissinger aus Süddeutschland dazu, knapp eintausend Kilometer zu reisen, um beim Knivsbergfest freiwillig mitzuhelfen? Den Berg kennt sie durch ihr Freiwilliges Soziales Jahr gut und neben ihrem Studium wirkt sie bei einer Organisation mit, die Jugendliche in die ganze Welt entsendet – auch auf den Knivsberg.

„Ich mag es, aktiv zu helfen, wo es brennt“, sagt Marlene Reissinger, ehemalige Freiwilligendienstlerin. Ein ganzes Jahr lang lebte und half sie auf dem Knivsberg. Zwei Jahre nach ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) zieht es sie zurück nach Dänemark.

Fast eintausend Kilometer reiste sie aus Bayern an, um auf dem Knivsbergfest freiwillig mitzuarbeiten und anzupacken, wo Hilfe benötigt wird. „Ich habe nur gesagt, dass ich kein Slush-Eis machen möchte. Das musste ich machen, als ich mein FSJ gemacht habe“, erzählt sie mit einem Augenzwinkern. „Ich habe gesagt: Wenn ich das machen muss, dann komme ich nicht.“

Damals, 2022, war es das breite Aufgabenprofil des FSJ, das sie nach Nordschleswig lockte. Inzwischen lebt und arbeitet die Sozialwissenschafts-Studentin zwar wieder in Süddeutschland, doch ihr Herz hat sie auf dem Berg und im Freiwilligendienst gelassen.

Als Teamerin bei der Organisation Internationale Jugendgemeinschaftsdienste (IJGD) bildet sie die neue Generation der FSJlerinnen und FSJler aus – auch die „Neuen“ auf dem Knivsberg. „Dieses Jahr habe ich das Seminar für diejenigen geleitet, die auf den Knivsberg wollen.“ Denn sie kennt inzwischen nicht nur die Bildungsstätte in- und auswendig, sondern hat auch gelernt, wie die deutsche Minderheit tickt.

Aber ganz egal, ob Dänemark, Deutschland oder ein anderes Land. Für viele junge Menschen ist das FSJ der erste längere Aufenthalt weg von Zuhause und auch das erste Angestelltenverhältnis. Reissinger begleitet sie auf diesem Weg und nimmt ihnen Ängste.

Marlene Reissinger reiste einige Tage vor dem Knivsbergfest an, um in ihrer Freizeit anzupacken.

Ihre Erfahrungen aus ihrer FSJ-Zeit helfen ihr dabei, Seminare zu leiten. Im Februar reiste sie nach Katerini in Nordgriechenland, um junge Freiwillige, die ihr FSJ in Griechenland und Albanien absolvieren, zu schulen.

Und ihre FSJ-Zeit lässt sie auch nicht in ihrer Freizeit los. Deshalb ist Reissinger auch jetzt zurück auf dem Berg – um beim größten Fest der Minderheit mit anzupacken.

Zurück auf dem Berg, wo alles begann

„Die Wochen und Tage vor dem Knivsbergfest waren anstrengend. Es gab viel zu tun“, sagt sie und erinnert sich: „Ich hatte einen starken Sonnenbrand, weil ich sieben Stunden Unkraut am Berggipfel gezupft habe.“ Ressinger muss lachen. „Das verbinde ich auch mit dem Knivsbergfest.“ Wie auch: „Viel harte Arbeit.“

Beeindruckt vom Teamgeist

Am meisten beeindruckt sie das Team rund um das Knivsbergfest und wie mit Engagement etwas Großes auf die Beine gestellt werde, betont Reissinger.

Doch die Vorbereitungen zum Fest würden schon Monate vorher beginnen. Auch im vergangenen Jahr habe sie mitgeholfen, doch dann sei das Fest abgesagt worden. Dieses Jahr ist sie froh, dass das Fest wieder stattfinden kann und ist gespannt auf die Aufgaben, die sie erwarten.

Jeder weiß, was er zu tun hat, und man hilft einander. Am Ende ist ein rießiges Fest organisiert.

Marlene Reissinger

Sie freut sich, die ganzen „Knivsberger“ wiederzusehen: „Für mich wäre es nicht so bedeutend gewesen, wenn es nicht die Menschen gegeben hätte, die in diesem Jahr da waren“, verrät Reissinger.

Auch die Freiwilligen, die Reissinger als Teamerin bei IJGD auf den Knivsberg vorbereitet hat, wird sie treffen und unterstützen. Das Knivsbergfest habe für die Minderheit eine große Bedeutung, erkennt sie: „Darauf arbeitest du das ganze Jahr hin.“

Ein Ort zum Auftanken

Denn: „Dänemark ist mein Ausweg“, sagt die 20-Jährige. Wenn ihr in Süddeutschland der Alltag zu viel werde, „darf ich ausbrechen und nach Dänemark kommen“, sagt sie. In Dänemark bekomme sie positive Energie und eine positive Grundeinstellung, „die mir guttut“ – eine Art „Energietanken“.

Was bleibt?

Auch die Selbstständigkeit und das Selbstbewusstsein, das sie erlangt hat, schätzt sie sehr. Diese positiven Aspekte verbindet Reissinger mit Dänemark und dem Knivsberg. Herausfordernd fand die damals 18-Jährige, auf viele verschiedene Menschen zu treffen, diese einzuschätzen und viel Verantwortung zu tragen.

Ein FSJ sei nie verschwendete Zeit, betont Reissinger: „Man sollte zum Knivsberg gehen, wenn man Lust hat, die deutsche Minderheit kennenzulernen, und wenn man Lust hat, anzupacken.“