Klimaschutz

Mitfahr-App gestoppt: Warum „Ta’ med“ in Apenrade scheiterte

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Ein Grund, weshalb die App nicht zum erwarteten Erfolg führte: Die Menschen hatten Hemmungen, zu Fremden ins Auto zu steigen.

Die App wurde zu wenig genutzt und deshalb eingestellt. Es gab mehrere Gründe, weshalb das Projekt scheiterte. Der Stadtrat, der die App probeweise eingekauft hatte, gibt jedoch nicht auf und möchte vor allem für die Jugendlichen Alternativen schaffen, damit die Umwelt und der Geldbeutel von Schülerinnen und Schülern geschont werden.

Es ist aus mit der Mitfahr-App „Ta´med“. Die App für das Smartphone sollte eigentlich dafür sorgen, dass die Menschen in der Kommune Apenrade vermehrt Fahrgemeinschaften bilden.

So sollten weniger Autos über die Straßen rollen, was weniger klimaschädliche Abgase zur Folge hätte. Zudem sparen die Bürgerinnen und Bürger durch das gemeinsame Fahren Geld, denn die Tankrechnung wird geteilt.

Ein frühzeitiges Aus

Doch jetzt zog der App-Betreiber FDM die Reißleine: Die App sei nicht wirtschaftlich genug, heißt es im Protokoll der Sitzung des kommunalen Ausschusses für nachhaltige Entwicklung (UBU). Eigentlich sollte die App für drei Jahre als Versuch in Apenrade zugänglich sein. Start war im vergangenen Jahr.

Geplante Kampagnen, die die App einem breiten Publikum bekannt machen sollten, sind jetzt vorerst auf Eis gelegt.

Woran das Konzept scheiterte

Zumeist sind es zu wenige, die sich beteiligen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Man möchte keine fremden Menschen mitnehmen; es fehlen klare Regeln; es fehlt die Übersicht, weil es zu viele kleine App-Anbieter gibt; die Region ist zu dünn besiedelt, sodass es zu wenige Fahrangebote gibt. Dies hat sich auch beim Scheitern ähnlicher Apps als Ursachen gezeigt.

Es gibt bessere Möglichkeiten

Es gibt allerdings Apps, die zeigen, dass so ein Konzept funktionieren kann – auch in Dänemark. Hier hat sich „Nabogo“ als Vorzeigebeispiel hervorgetan. Die Kommune Sonderburg (Sønderborg) hat sich – neben anderen Kommunen – dafür entschieden.

Der Apenrader Ausschuss hatte sich für die FDM-App entschieden, weil „die Abrechnung für die Fahrten direkt zwischen Fahrenden und Mitfahrenden abgewickelt wird“, wie es damals vom Ausschussmitglied Erwin Andresen von der Schleswigschen Partei hieß. Zudem sei die App mit der sogenannten Ungdomskort kompatibel. Die Politikerinnen und Politiker sahen das als großes Plus, weil so nicht nur das Klima und der Geldbeutel geschont, sondern auch die Mobilität der Jugendlichen erweitert wird.

Was „Nabogo“ besser macht

„Nabogo“ hat sich jedoch offensichtlich mehr an den Bedürfnissen der Nutzenden orientiert – mit klaren Anreizen für die Fahrerinnen und Fahrer und die Nutzenden. Zudem hat die gemeinsame Fahrt keinen Einfluss auf die Steuererklärung. Man könne auch dann die Fahrt zur Arbeit absetzen, wenn man Mitfahrangebote nutze, heißt es auf der Infoseite bei „Nabogo“.

Allerdings gibt es Einschränkungen: Die Fahrgäste müssen mindestens 16 Jahre alt sein. Ein Profil innerhalb der App muss angelegt werden. Ohne Smartphone geht es nicht.

Was andere Länder machen

In anderen Ländern gibt es ähnliche Mitfahrangebote, die zum Teil staatlich gefördert werden. So gibt es unter anderem bei dem französischen Anbieter „Blablacar“ eine Startprämie von 100 Euro. In England gibt es speziell für solche Sharing-Angebote freigehaltene Parkplätze.

In Apenrade setzen die UBU-Ausschussmitglieder erstmal auf Eigenverantwortung. Die Kommunalverwaltung untersucht, wie sich das Mitfahren – besonders für Schülerinnen und Schüler sowie Menschen in Ausbildung – auch ohne eine App einrichten lassen kann.

Zudem wolle man sich in anderen Kommunen über ähnliche Projekte informieren lassen, heißt es im Ausschussprotokoll.