Sozialprojekt

Dieser Erlebnispark ist kostenlos und dient der Integration

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Auf zum nächsten Loch auf der Fußball-Golfbahn: Eine Familie aus Süddeutschland zieht in Guderup ihre Runden. Wie alle Gäste dürfen sie den Park völlig kostenlos nutzen.

Mit dem Aktivitätspark Guderup hat die Kommune Sonderburg einen Ort geschaffen, an dem rund 50 Bürgerinnen und Bürger in den Arbeitsmarkt integriert werden und Kontakte knüpfen. Neben Werkstatt, Garten und Küche bietet der Park auch Freizeitangebote – und die sind kostenlos und für alle.

Wer in Dänemark Sozialhilfe bezieht, muss in bestimmten Fällen dafür arbeiten (siehe Infokasten), und viele dieser Arbeitseinsätze organisieren und betreuen die Kommunen.

Die Kommune Sonderburg hat wegen der neuen gesetzlichen Vorgaben im Integrationsbereich den Aktivitätspark Guderup eingerichtet. Rund 50 Personen werden hier in den Arbeitsmarkt integriert und kommen so ihrer Arbeitspflicht nach.

Dabei halten sie einen Naturpark am Laufen, der allen Bürgerinnen und Bürger kostenlos zur Verfügung steht. Es gibt Fußball-Golf, Frisbeescheiben werfen, Spielplätze und einen Abenteuerpfad durch die Natur, überdachte Picknickhäuschen und eine Minigolf-Anlage.

Ein Zugewinn für die Gesellschaft: Der Aktivitätspark ist offen für alle und zudem kostenlos, Bürgerinnen und Bürger sowie Touristinnen und Touristen können das Angebot jederzeit nutzen.

Familie Riethmüller aus Baden-Württemberg hat von Bekannten den Tipp erhalten, den Aktivitätspark zu besuchen und war von den großen Grünanlagen begeistert.

Gäste können ein selbst bedienbares Gerätehäuschen online buchen und mit einem Code öffnen, um Sportgeräte und anderes Material zu nutzen. Auch wer spontan kommt, kann sofort losspielen, spazieren oder einen der vielen Tische als Picknickplatz nutzen.

Im Park arbeiten vor allem Menschen, die vom Jobcenter Sonderburg vermittelt werden. Die Kommune schuf insgesamt sechs Stellen für die Betreuung der Bereiche: zwei für die Pflege der Grünflächen, zwei für den Küchenbetrieb und zwei für die Werkstätten. „Ich bin eine von sechs Mitarbeitenden, die eingestellt wurden, um den Park zu betreiben“, sagt Mai-Britt Husballe, die seit dem 1. Mai dort arbeitet.

Das Parkgelände von oben; der Ort existierte bereits zuvor als Produktionsschule und als eine selbstverwaltete Einrichtung für die „Forberedende Grunduddannelse“ in Regie von „Alsmik“. Da viele Bereiche leer standen, suchte die Kommune gemeinsam mit FGU nach neuen Möglichkeiten, das Gelände sinnvoll zu nutzen und schuf eine imense Grünfläche mit Freizeitangeboten.

Etwa 45 Teilnehmende sind derzeit aktiv. „Morgens registrieren wir erst mal, wer da ist – und dann werden die Aufgaben verteilt“, erklärt Husballe.

Mai-Britt Husballes Schwerpunkt liegt in der Werkstatt. „Wir organisieren Reparaturen, bauen Sitzgelegenheiten, pflegen die Grünflächen und setzen handwerkliche Projekte um. Manche Teilnehmende brauchen feste, einfache Aufgaben, andere können jedes Mal etwas Neues ausprobieren.“

Mai-Britt Husballe ist eine von sechs Angestellten, die im Auftrag der Kommune die Menschen vor Ort betreuen und anleiten. In der Werkstatt werden Holzelemente aus dem Park gewartet, in Kürze entstehen hier überdachte Picknicktische mit Bänken.

Die Arbeitsprozesse werden häufig in kleine Schritte unterteilt. Holzlatten messen, zusägen oder einfach nur tragen. „Das Wichtigste ist, dass am Ende jeder sagen kann: Das habe ich geschafft.“

Die Teilnehmenden kommen aus unterschiedlichen Ländern und die Angestellten stellen sich individuell auf die Menschen ein, die mit unterschiedlicher Motivation im Park beginnen.

Eine Aufgabe der Beschäftigten: aussortierte Brillen nach Stärke auslesen und sortieren. Die Brillen werden an Bedürftige in Afrika gespendet.

„Menschen kommen mit unterschiedlichen Ausgangspunkten. Frauen und Männer aus der Ukraine bringen eine starke Arbeitsidentität mit und haben in der Regel bereits in der Ukraine eine Arbeit ausgeübt, die dem dänischen Arbeitsmarkt eher entspricht“, beschreibt Husballe. „Im Gegensatz dazu bringen Menschen beispielsweise aus dem Nahen Osten eine andere kulturelle Herangehensweise mit sowie insbesondere ein anderes Familienmodell und einen anderen Hintergrund für die Teilhabe am Arbeitsmarkt. Wir nehmen jeden so an, wie er ist, und meistens gelingt uns das.“

Gemeinschaft statt Isolation

Die Beschäftigten betreiben die Kantine und lernen dadurch den Alltag in einer Großküche kennen. Am Ende ihres Verlaufes erhalten sie ein Zertifikat und haben so bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Neben Werkstatt und Garten gibt es eine Küche, die nach Großküchenstandards arbeitet. Hier lernen Angestellte, wie sie in einer Großküche arbeiten. „Wir halten Hygiene- und Sicherheitsregeln wie in einem echten Betrieb ein. Oft bringen die Teilnehmenden Rezepte aus ihrer Heimat ein. Wir hatten schon thailändische Frühlingsrollen oder Gerichte aus dem Nahen Osten, das schätzen wir an unserer Kantine sehr“, verrät Mai-Britt Husballe.

Im Alltag versucht Husballe, alle einzubinden. „Wir wollen zeigen: Schau mal, wenn du hier bist, wirst du Teil einer Gemeinschaft. Du bekommst neue Kontakte. Vielleicht hast du zu Hause mit psychischen Belastungen zu kämpfen – aber hier kannst du auf andere Gedanken kommen.“

Sie berichtet von spürbaren Veränderungen. „Seit Juni haben wir deutlich mehr lächelnde Gesichter. Manche kommen morgens mit Kopfschmerzen – und nach zwei Stunden sind sie wie weggeblasen. Es ist fantastisch zu sehen, wie sehr die Menschen davon profitieren, in Gemeinschaft zu sein, anstatt isoliert zu Hause zu sitzen.“

Ein Projekt bereitet im Park besondere Freude: die Reparatur von besitzerlosen Fahrrädern, die an Bedürftige weitergegeben werden. „Neulich hat eine junge Frau ein Fahrrad bekommen, weil sie ein Praktikum in einer Kita antritt und einen langen Weg hat. Das sind die kleinen Dinge, die Großes bewirken. Die Menschen hier merken, dass sich nicht nur für sich, sondern auch für andere einen Unterschied bewirken können.“

Auch die Holzständer, an denen die Gäste den Parcours erkennen, werden in der Werkstatt des Parks hergestellt. Hier im Bild steht Emil auf der Fußball-Golfbahn an Loch 1.

Mai-Britt Husballe legt Wert auf den persönlichen Kontakt. „Ich versuche jeden Morgen, mit allen Augenkontakt zu haben und zu fragen: Wie geht’s dir heute?“ In Zukunft möchte sie Mitarbeiterentwicklungsgespräche einführen. „So gewöhnen sich die Leute daran, über ihre Arbeit und ihre Situation zu sprechen – das hilft später auf dem Arbeitsmarkt ungemein.“

Tine Hamann Christensen trägt als Teamleiterin die Verantwortung für den laufenden Betrieb. Sie beschreibt den Aktivitätspark Guderup als einen Ort, an dem Arbeit, Gemeinschaft und Integration in einem naturnahen Umfeld zusammenkommen. „Hier entwickeln die Teilnehmenden Kompetenzen, die sie auf ihrem weiteren Weg nutzen können – und sie erfahren, dass ihr Beitrag wichtig ist“, sagt Christensen.

Tine Hamann Christensen ist Teamleiterin des kommunalen Projekts „Jobchancen“ und für den Park in Guderup verantwortlich.

Von der Arbeit der Parkangestellten profitieren Bürgerinnen und Bürger und Gäste der Region: Der wunderschön angelegte Park steht allen kostenlos zur Verfügung und soll in den kommenden Monaten und Jahren um Freizeitangebote ergänzt werden.

„Dieser Ort ist ein Gewinn für alle, und wir freuen uns, dass die ersten Monate so gut gelaufen sind. Sowohl was die Entwicklung der Besucherzahlen, als auch was die Entwicklung der Menschen angeht, die hier arbeiten", sagt Abteilungsleiterin Tine Hamann Christensen.

Arbeitspflicht für bestimmte Sozialhilfeempfänger

Ab dem 1. Januar 2025 gilt in Dänemark für bestimmte Empfängerinnen und Empfänger von Sozialleistungen eine gesetzlich festgelegte Arbeitsverpflichtung von bis zu 37 Stunden pro Woche. Die Jobcenter passen den Umfang an die gesundheitliche Situation an und können Stunden reduzieren oder Betroffene ganz oder teilweise befreien. Der Einsatz beginnt spätestens einen Monat nach Eintritt in die Regelung.

Als anrechenbare Tätigkeiten zählen sogenannte „nützliche Einsätze“ („Nytteindsats“), reguläre Arbeitsstunden, betriebliche Praktika, Jobs mit Lohnzuschuss, arbeitsmarktbezogene Kurzkurse, Fahrtzeiten zwischen Aktivitäten, bis zu vier Stunden wöchentliche Arbeitssuche außerhalb der Wohnung, Dänischunterricht sowie Maßnahmen nach der Sozial- und Gesundheitsgesetzgebung.

Die speziell organisierten „nützlichen Einsätze“ finden in kommunalen Projekten statt und sollen einer regulären Arbeitsumgebung ähneln.

Die Regel betrifft zunächst Personen im Sozialhilfesystem („Kontanthjælpssystem“), die Aufenthalts- und Beschäftigungskriterien der letzten zehn Jahre nicht erfüllen. Ab 1. Juli 2025 gilt die Pflicht auch für weitere Leistungsbeziehende, die nach 1968 in Dänemark eingereist sind. Für diese neue Gruppe greift die vollständige Umsetzung spätestens am 1. Januar 2026.

Hinter dem Spielplatz beginnt ein Abenteuer-Naturpfad, den Gäste erkunden können.