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„Ein Sønderjyske-Höhenflug, der Erinnerungen weckt“

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Lirim Qamili und seine Mannschaftskameraden durften im „Parken“ jubeln.

Die Sønderjyske-Fußballer gehen als Tabellenvierte in die Winterpause, noch vor dem amtierenden Meister FCK. So gut hat es seit einem Jahrzehnt nicht mehr ausgesehen, und nach acht Siegen ohne Niederlage gibt es keinen Grund, wieso der Höhenflug enden sollte. Ein Kommentar von Sportredakteur Jens Kragh Iversen.

„Parken“ war für Sønderjyske mehr als zwei Jahrzehnte lang eine uneinnehmbare Festung, doch im 21. Anlauf ist diese Festung endlich gefallen. 

Ich saß schon im Jahr 2000 im dänischen Nationalstadion, als das nordschleswigsche Fußball-Flaggschiff, das damals noch Haderslev Fodboldklub (HFK) hieß, bei seinem Superliga-Debüt mit 1:5 unter die Räder geriet. 

Höhepunkt einer begeisternden Saison

Seitdem gab es in 20 Spielen lediglich 3 Unentschieden, ansonsten die eine Niederlage nach der anderen. Oft standen die Hellblauen im „Parken“ kurz vor einer Überraschung, wurden aber kurz vor Schluss immer wieder abgefangen. Diesmal nicht. 

Der 2:0-Sieg vor rund 20.000 Zuschauerinnen und Zuschauern im „Parken“, darunter 1.000 Sønderjyske-Fans, gegen den amtierenden dänischen Meister FC København ist der vorläufige Höhepunkt einer beeindruckenden und begeisternden Saison.

Sønderjyske hat in der laufenden Saison alle Top-4-Klubs geschlagen. Sorry, alle bisherigen Top-4-Klubs oder die, die aufgrund des Etats eigentlich dazugehören müssten, denn aktuell gehört Sønderjyske in der Tabelle zu den Top 4.

Kaum zu fassen: Der Jubel bei den rund 1.000 Sønderjyske-Fans war groß.

2:0 gegen Brøndby, 3:2 gegen AGF, 2:1 gegen den FC Midtjylland und nun 2:0 gegen den FC København. 

Acht Spiele ohne Niederlage

Sønderjyske überwintert nach acht Spielen ohne Niederlage auf dem vierten Tabellenplatz, noch vor dem FCK. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

So gut hat es seit der Saison 2016/17 nicht mehr ausgesehen, im ersten Jahr nach der sensationellen Vizemeisterschaft, als die Mannschaft unter Claus Nørgaard als Tabellenvierter letztmalig in die Meisterschafts-Endrunde einzog.

Die Chancen stehen nun gut, dass die Hellblauen unter einem anderen Nørgaard wieder den Sprung in die Meisterschafts-Endrunde schaffen. 

Kristall Mani Ingason trifft zum 0:2.

Es wäre vermessen, jetzt schon von Medaillen zu träumen. Der Höhenflug weckt aber Erinnerungen an die Vizemeisterschaft vor knapp zehn Jahren, als ein starkes Kollektiv die Superliga düpierte.

Sønderjyske bringt wieder ein starkes Kollektiv auf den Platz. Ein Kollektiv, das jeden Gegner in der Superliga schlecht aussehen lassen kann. Es kann aber nicht immer daran liegen, dass die Gegner gegen Sønderjyske unter ihrem Niveau bleiben. Das liegt auch an Sønderjyske. Das kann man nicht häufig genug wiederholen.

Sønderjyske belohnte sich im „Parken“ für einen mutigen und selbstbewussten Auftritt. Die Hellblauen trauten sich, den Ball in den eigenen Reihen laufen zu lassen, und konnten somit dem Gegner den Wind aus den Segeln nehmen.

Lirim Qamili lässt sich nach Spielende von den Sønderjyske-Fans feiern.

Schade eigentlich, dass jetzt Winterpause ist. Es fällt aber schwer, Gründe zu finden, wieso dieser Höhenflug enden sollte. Vielleicht nur, wenn der Erfolgstrainer von größeren Klubs abgeworben werden sollte.

Ein Sønderjyske-Kollektiv in dieser Verfassung macht im Moment sehr viel Spaß. Träume sind erlaubt, mindestens von den Top 6.