Grenze

Verlassenes Auto gammelt seit mehr als vier Jahren am „Hotel des Nordens“ vor sich hin

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Wurde vermutlich seit 2021 nicht mehr bewegt: Am Hotel des Nordens in Harrislee wurde dieser silberne Renault zurückgelassen.

Versteckt zwischen einem Anhänger und einem Altglascontainer fristet ein Auto seit mehr als vier Jahren am Hotel des Nordens in Harrislee sein trauriges Dasein. Mythen um das Schicksal des Besitzers.

Von der silbernen Farbe, die der kleine Renault Kangoo einmal trug, ist mittlerweile nur noch wenig zu sehen. Stattdessen trägt der Minivan ein grünes Kleid aus Moos und Flechten, die sich überall ausgebreitet haben. „Seit fast fünf Jahren“, so berichtet es der Mitarbeiter eines nahen Grenzhandels, soll der Wagen mit niederländischen Kennzeichen bereits am Hotel des Nordens in Harrislee stehen.

Besitzer parkte Wagen noch selbst um – und ist seitdem verschwunden

Zwar fahren jeden Tag hunderte Autos auf dem Weg zu preiswerten Getränkedosen an ihm vorbei, doch mehr als eines mitleidigen Blickes wird der Wagen inzwischen kaum noch gewürdigt. Doch das war nicht immer so.

„Erst stand der Wagen für einen Tag auf einem Parkstreifen an der Seite“, erinnert sich der Mann aus dem Grenzhandel. Am nächsten Tag habe der Besitzer den Wagen noch selbst umgeparkt – und zwar auf den Parkplatz vor dem Abhollager von Fleggaard. Danach wurde er nie wieder gesehen.

Renault wurde auf Rand des Hotel-Parkplatzes umgesetzt

Als der Platz für den Aufbau eines Zeltes gebraucht wurde, ließ man den Wagen auf den Rand des Hotelparkplatzes umsetzen. Dort steht er jetzt zwischen einem Verkaufsanhänger und einem Altglascontainer.

Das war irgendwann im Verlauf des Jahres 2021. Und seitdem steht der einst silberne Van dort so, als hätte ihn sein Besitzer längst vergessen. Dabei war das zum Geisterauto verkommene Vehikel nahezu neuwertig, als es in Sichtweite des Grenzüberganges zurückgelassen wurde.

Auto war erst etwas mehr als ein Jahr alt, als es in Harrislee zurückgelassen wurde

Wie das öffentlich einsehbare Fahrzeugregister der Niederlande verrät, wurde der Renault im Oktober 2019 erstmals registriert und für den Straßenverkehr zugelassen. Das letzte „Lebenszeichen“ in dem zentralen Zulassungsregister datiert auf den 12. März 2021. An diesem Tag, mitten in der Corona-Pandemie, wechselte der als Nutzfahrzeug zugelassene „Kangoo“ um 10.15 Uhr den Besitzer. Er ist nicht als gestohlen gemeldet und wurde nicht stillgelegt.

Polizei weiß nichts über das Auto und den Fahrer

Kurz danach muss der neue Besitzer dann in das Grenzland zwischen Deutschland und Dänemark gefahren sein. Über sein weiteres Schicksal ist nur wenig bekannt. Bei der Landespolizei ist man jedenfalls ahnungslos. „Wir haben zu dem Fahrzeug keinerlei Erkenntnisse“, sagt Marcel Paulsen von der Polizeidirektion Flensburg. Auch im Einsatztagebuch der Bundespolizei ist kein Eintrag zu dem „Lost Car“ vorhanden. „Mit von uns veranlassten Maßnahmen besteht kein Zusammenhang zu dem Auto“, erklärt Sprecher Hanspeter Schwartz.

Corona-Maske liegt noch auf dem Beifahrersitz

Ist dem Besitzer möglicherweise etwas zugestoßen? Liegt er vielleicht sogar in seinem Fahrzeug? Diese Frage kann momentan niemand beantworten. Zudem verhindern die tiefschwarz getönten Fenster des Autos neugierige Blicke auf die Rücksitzbank und in den Kofferraum.

Eine Zeitkapsel öffnet sich aber allein schon beim Blick auf den Beifahrersitz: Dort liegt, wie hastig hingelegt, eine gebrauchte OP-Maske, wie sie während der Corona-Pandemie von den meisten Menschen in geschlossenen Räumen getragen wurde. Weitere persönliche Gegenstände liegen in dem Auto nicht offen herum.

Gerüchte um Verbleib des Autobesitzers schießen ins Kraut

Rund um Hotel und Grenzhandelsmärkte an der alten Zollstraße schießen angesichts der langen Verweildauer des Autos dort schon länger die Gerüchte ins Kraut. „Ich habe gehört, der Besitzer soll verhaftet worden sein und in Haft sitzen“, weiß der Mitarbeiter eines nahen Betriebes zu berichten. Angeblich soll er Drogen geschmuggelt haben und festgenommen worden sein. Die Polizei kann dies indes nicht bestätigen. Ob er eines Tages sein einstmals fast neues Auto wieder abholt? Damit rechnet beim Blick auf die komplett verrosteten Bremsscheiben mittlerweile kaum noch jemand.