Geopolitik

„Respektlosigkeit“: US-Besuch in Grönland sorgt für Spannungen

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Grönlands Regierungschef Múte B. Egede (l.) und Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen zeigen kein Verständnis für den geplanten US-Besuch in Grönland (Archivbild).

Grönlands Regierungschef Múte B. Egede kritisiert den für Ende der Woche geplanten Besuch einer US-Delegation als respektlos und wertet ihn als unzulässige Einmischung in grönländische Angelegenheiten. Während Dänemarks Staatsministerin Mette Frederiksen von unzulässigem politischem Druck spricht, verteidigt Washington die Reise als harmlos.

Eine US-Delegation unter Leitung von Usha Vance, Ehefrau des amerikanischen Vizepräsidenten, wird am Donnerstag in Grönland erwartet. Begleitet wird sie vom nationalen Sicherheitsberater Mike Waltz und Energieminister Chris Wright. Offiziell sei es ein privater Besuch, doch sowohl Dänemark als auch Grönland betrachten ihn als problematisch.

Dänemarks Staatsministerin Mette Frederiksen (Soz.) kritisiert die Reise als unzulässigen Druck auf Kopenhagen und Nuuk. „Es ist offensichtlich kein Besuch, der auf Grönlands Bedürfnisse oder Wünsche ausgerichtet ist. Deshalb muss ich sagen, dass dies eine Form von Druck ist, die wir nicht akzeptieren und der wir widerstehen werden“, sagt sie gegenüber dänischen Medien.

Grönland fordert Grenzen gegenüber den USA

Noch deutlicher wird Grönlands amtierender Regierungschef Múte B. Egede (Naalakkersuisut). Gegenüber dem grönlandischen Medium „KNR“ bezeichnet er das Treffen als „klare Respektlosigkeit“ gegenüber der grönländischen Selbstbestimmung. „Eine solche Einmischung ist ein Bruch mit unseren demokratischen Prinzipien“, so Egede. Insbesondere vor dem Hintergrund der laufenden Regierungsbildung nach den jüngsten Wahlen sei der Besuch eine Provokation.

„Obwohl unsere politische Position längst klargestellt haben, wurde gehandelt, ohne zu berücksichtigen, dass Treffen und andere Prozesse erst stattfinden können, sobald eine neue Regierung gebildet ist. Egal, was offiziell erklärt wird, dieses Verhalten zeigt eine klare Missachtung unserer politischen Prozesse.“ Egede fordert ein gemeinsames Vorgehen der grönländischen Parteien gegen die amerikanische Einflussnahme und betont, dass „Freunde und Alliierte so nicht miteinander umgehen“.

Trump verteidigt den Besuch

US-Präsident Donald Trump weist die Kritik zurück. Er sehe den Besuch nicht als Provokation, sondern als Zeichen der Freundschaft. „Diese Reise wurde von grönländischer Seite initiiert“, behauptet Trump, ohne Details zu nennen. Laut dem Weißen Haus soll die Delegation historische Stätten besichtigen, die grönländische Kultur kennenlernen und dem traditionellen Hundeschlittenrennen beiwohnen.

Dennoch bleibt der Verdacht bestehen, dass Washington seinen Einfluss auf Grönland ausbauen will. Trump hatte bereits in der Vergangenheit offen Interesse an einem Kauf der Insel geäußert und erklärt, notfalls auch militärische Maßnahmen in Erwägung zu ziehen. Diese Aussagen haben die Spannungen weiter verschärft.