Bahninfrastruktur

Nach tödlichen Unfällen: Tondern prüft Sicherheit an Bahnübergängen

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Werktags pendelt der Zug der Bahngesellschaft Norddeutsche Eisenbahn Niebüll GmbH (NEG) elfmal auf der Strecke Tondern-Niebüll hin und her und passiert 22-mal am Tag die unbeschrankten Bahnübergänge am Ubjergvej (Foto) und am Bremsbølvej.

Zwei Tote binnen weniger Wochen haben die Kommune Apenrade zum sofortigen Handeln gebracht. Hier werden sichtbare Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. In Tondern ist die Situation laut Bürgermeister Jørgen Popp Petersen anders gelagert – dennoch will die Kommune mit BaneDanmark über mögliche Schritte zur Verbesserung der Verkehrssicherheit sprechen.

Zwei tragische Unfälle mit Todesfolge binnen weniger Wochen an unbeschrankten Bahnübergängen bei Behrendorf (Bjerndrup) in der Kommune Apenrade (Aabenraa) sorgen für Debatten über die Sicherheit im Bahnverkehr. Dort hat man rasch gehandelt: Die Straßen werden seit Donnerstag aufgeraut, wie die Kommune Apenrade über ihren Facebook-Account mitteilt. Rüttelstreifen sollen künftig die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmenden erhöhen.

In der benachbarten Kommune Tondern ist die Lage jedoch eine andere – und Bürgermeister Jørgen Popp Petersen (Schleswigsche Partei) mahnt zur Besonnenheit.

Tondern zählt drei unbeschrankte Übergänge

„Die Situation ist bei uns auch eine ganz andere“, betont der Bürgermeister. Auf der Bahnstrecke nach Niebüll gibt es zwei unbeschrankte Bahnübergänge. „Eigentlich sind es sogar drei, wenn wir den Papegøjestien mitrechnen“, bemerkt Popp Petersen, denn außer den Bahnübergängen am Ubjergvej in Seth-Feld (Sæd Mark) und am Bremsbølvej in Bremsbüll (Bremsbøl) kurz vor der deutsch-dänischen Landesgrenze gibt es noch einen ganz kleinen Übergang am Papegøjestien – einen Rad- und Wanderweg, der entlang der Bahntrasse vom Gewerbegebiet Tondern Süd zum Bahnübergang am Ubjergvej führt.

Dieser Weg wird täglich stark genutzt, besonders per Rad oder zu Fuß von Menschen aus den Orten Seth und Uberg – und während des Tønder Festivals auch von vielen ortsunkundigen Gästen.

„Züge fahren bei uns langsamer“

Am Rad- und Wanderweg vom Gewerbegebiet Tondern Süd Richtung Seth und Uberg warnen weder Licht- noch Glockensignale die „weichen Verkehrsteilnehmer“. Mit einem lauten Signalton kündigt die Lokführerin oder der Lokführer allerdings das Kommen des Zuges an. Außerdem gilt für Züge an dieser Stelle: Voll Stopp bei kreuzendem Verkehr!

Ein zentraler Unterschied zur Lage in Apenrade liegt laut Popp Petersen in der Geschwindigkeit der Züge. „Die fahren bei uns wesentlich langsamer über die Schienen als dort“, sagt er. Auch die Übersichtsverhältnisse sind in der Kommune Tondern um einiges besser. Das mindere das Risiko – dürfe aber die Aufmerksamkeit nicht verringern.

Während BaneDanmark für die Bahnübergänge selbst verantwortlich ist, obliegt die Zuständigkeit für die angrenzende Straßeninfrastruktur der Kommune.

Tondern nimmt Kontakt zu BaneDanmark auf

Trotz der Unterschiede in der Gefahrenlage will Tondern nicht untätig bleiben. Bürgermeister Popp Petersen hat seinen Kommunaldirektor damit beauftragt, schnellstmöglich einen Gesprächstermin mit BaneDanmark zu vereinbaren.

„Bevor wir Maßnahmen ergreifen, wollen wir konkret erfahren, welche Pläne der Netzbetreiber hat. Damit wir jetzt nicht etwas in die Wege leiten, was in wenigen Monaten womöglich überflüssig ist“, sagt Kommunaldirektor Lars Møldrup. Laut Investitionsplan will BaneDanmark die Bahnübergänge im Jahr 2026 zusätzlich zu den Licht- und Glockensignalen dann auch mit Schranken sichern.