Wort zum Sonntag

„Gott hat keine Favoriten“

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Eine Gemeinde ähnelt einem alten Volkswagen mit nur einem Autoradio, in dem sich die Eltern mit zwei Teenagern auf die lange Reise nach Slowenien machen, denkt sich Sabine Hofmeister, Reformierte Kirche in Fredericia. Die Pastorin macht sich Gedanken darüber, welches Lied denn nun im Radio laufen sollte.

Die Gemeinde ähnelt einem alten Volkswagen mit nur einem Autoradio, in dem sich die Eltern mit zwei Teenagern auf die lange Reise nach Slowenien machen.

Wer bestimmt, was gespielt werden soll? Wer hat die Verantwortung? Alle wünschen sich schöne Ferien. Alle wissen: Es ist Gottes Wille, dass Junge und Alte zusammenleben sollen, in der Familie und in der Gemeinde.

Die Frage ist nur: Wie? Ist es möglich? Ist es nicht besser, Alte und Junge zu trennen? Sollte die Kirche nicht aufgeteilt werden in Jugend- und Seniorenkirche? So bräuchte man keine besondere Rücksicht aufeinander nehmen, und jeder könnte so bleiben, wie er ist. Keine Diskussion bei den Kirchenliedern, den neuen und den alten, bei der Wahl der Musikinstrumente und der Sprache…

Die Bibel würdigt alle Generationen. Kinder, Alte, die Zwischengeneration – alle sind gleichwertig. Gott hat keine Favoriten. Im Gegenteil. Für ihn sind alle gleich.

Moses erhielt von Gott den Auftrag, das Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten zu führen. Wie alt war Moses? 20? 45? 64? Nein, er war 80. Gott brauchte diesen rüstigen Pensionär mit seiner ganzen Lebenserfahrung (der im Übrigen noch fleißig seiner täglichen Arbeit nachging und Schafe hütete). Deshalb verwundert es auch nicht, in der Bibel zu lesen: „Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren und sollst dich fürchten vor deinem Gott; ich bin der Herr" (3. Mose 19,32).

Aber Gott favorisiert nicht generell die Alten. Man denke an den jungen David oder den jungen Timotheus, an den der Apostel Paulus aufmunternd schrieb: „Niemand verachte dich wegen deiner Jugend; du aber sei den Gläubigen ein Vorbild im Wort, im Wandel, in der Liebe, im Glauben, in der Reinheit" (1. Timotheus 4,12).

Gott beruft auch diese jungen Menschen in seinen Dienst. Man muss nicht notwendigerweise alt und erfahren sein, um von Gott gebraucht zu werden. Daniel wird als 15-jähriger Teenager ins Exil verschleppt, und Gott beschützt und gebraucht ihn in der Fremde.

Selbst die Jüngsten würdigt Gott. Anders als die Jünger bittet Jesus ausdrücklich: „Lasst die Kinder zu mir kommen.“

„Sie brachten auch kleine Kinder zu ihm, damit er sie anrühren sollte" (Lukas 18,15). Im Urtext steht „Babys“, „Säuglinge“.

Für Gott sind alle Generationen gleich. Jedes Alter wird gewürdigt.

Ist das Einüben eines guten Miteinanders von Alt und Jung in der Gemeinde nicht jeder Mühe wert?

Gelingendes Miteinander kann auch ein Zeichen für Menschen sein, die Jesus nicht kennen.