Wort zum Sonntag

„Eine alte Prophezeiung“

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Frieden klingt gut – aber fühlt sich oft fern an. Pastor Hauke Wattenberg erinnert an „Schwerter zu Pflugscharen“ – einen Slogan, der in den 80ern viele bewegte. Was gibt uns heute Halt, wenn der Frieden auf sich warten lässt? Eine Geschichte über Mut, Hoffnung und die Kraft, trotzdem weiterzugehen.

Zur letzten Zeit wird der Berg, da des Herrn Haus ist, feststehen. Von Zion wird Weisung ausgehen. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen. Lasst uns wandeln im Licht des Herrn! (Jesaja 2,1-5, gekürzt)

Erinnert ihr euch noch? Dieser berühmte Slogan: „Schwerter zu Pflugscharen“? – Ich kenne den noch aus meiner Jugend, von der Friedensbewegung der 80er-Jahre. Nicht klar war mir damals, dass „Schwerter zu Pflugscharen“ aus der kirchlichen Friedensbewegung der DDR kommt. Die Geschichte will ich euch erzählen:

Sie sind gerade dabei, die Friedensdekade 1980 vorzubereiten. Eine Friedensdekade sind zehn Tage im November mit Gottesdiensten, Andachten und Gesprächsrunden. Dazu wird Material erarbeitet und den Gemeinden vor Ort zur Verfügung gestellt.

Jugendpastor Bretschneider kommt auf die Idee: Wenn wir das Material fertig haben, dann legen wir ein Lesezeichen dazu mit der Aufschrift „Schwerter zu Pflugscharen“. Und weil wir ja immer eine Druckgenehmigung brauchen, machen wir kein Lesezeichen aus Papier, sondern aus Stoff. Wir drucken auch nicht, sondern machen eine Vlies-Beflockung wie auf Trikots. Das ist Stoffoberflächenveredlung, dafür brauchen wir keine Druckgenehmigung.

100.000 dieser Lesezeichen kommen 1980 in Umlauf. Haufenweise Schüler verwenden sie in ihren Schulbüchern! Zur Friedensdekade 1981 lässt die Kirche 200.000 Aufnäher machen. Diesmal auch mit jener berühmten Skulptur, wo ein Schmied gerade ein Schwert zur Pflugschar umschmiedet. Die Skulptur steht seit 1959 vor dem Gebäude der Vereinten Nationen in New York, ein Geschenk von Nikita Chruschtschow, Generalsekretär der KPDSU. Angefertigt von einem sowjetischen Bildhauer. Das Original steht in Moskau. Die UN haben den zweiten Abguss.

Wäre die DDR-Führung schlau gewesen, hätte sie die Aufnäher nachdrucken lassen mit dem Befehl, dass die ganze FDJ sie tragen muss; der Friedensbewegung wäre der Wind aus den Segeln genommen. Aber Mielke ist nicht so schlau. Er verbietet die Aufnäher, und der Slogan wird DER Slogan der Friedensbewegung in Ost und West. „Schwerter zu Pflugscharen!“ Eingängig. Simpel. Super. Endlich mal ein Schlagwort!

Nur: Wir haben aus der Prophezeiung eine Forderung gemacht. Ich habe damals den Anfang nicht beachtet: Das wird geschehen „zur letzten Zeit“. Heute überlege ich: Das Lebensgefühl, wenn du die Prophezeiung zur Forderung machst, ist frustrierend. So viel Friedensbewegung – und dann guckst du dich um und siehst: so viel Krieg! Immer noch! Aber wenn du den Horizont Gottes kennst / und ihm glaubst: ein anderes Lebensgefühl.

Oder woher zieht ihr eure Kraft und Zuversicht?