Altenpflege

Pflege im Spannungsfeld: Hohe Zufriedenheit, aber überlastetes Personal

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Zur Pflege und Betreuung von Seniorinnen und Senioren gehören auch Gespräche. Die Zeit dafür fehlt jedoch oft.

Trotz hoher Zufriedenheit der Bewohnerinnen und Bewohner zeigt sich in dänischen Pflegeheimen ein wachsender Druck auf das Personal – in der Kommune Apenrade ist das allerdings nicht der Fall, zeigen Antworten der Verwaltung.

In den Pflegeheimen der Kommune Apenrade sind die Seniorinnen und Senioren überwiegend zufrieden. Laut einer aktuellen, landesweiten Befragung des dänischen Älterenministeriums berichten 67Prozent der Befragten, dass sie sehr zufrieden mit der Pflege sind, 27Prozent sind zufrieden – damit liegt Apenrade deutlich über dem dänischen Durchschnitt. Besonders gelobt werden die Kontinuität der Mitarbeitenden, ihre Verlässlichkeit und das Gefühl von Sicherheit, das sie den Bewohnerinnen und Bewohnern vermitteln.

Herausforderungen im Alltag: Hohe Belastung trotz guter Struktur

Trotz dieser positiven Werte bleibt der Pflegealltag herausfordernd. Eine Untersuchung des Forschungsinstituts „Vive“ im Auftrag von „Ældre Sagen“ und der Gewerkschaft FOA zeigt, dass die Belastung vor allem nachts hoch ist. In manchen Kommunen ist eine einzige Pflegekraft für fast 30 Bewohnerinnen und Bewohner verantwortlich; in Apenrade sind es etwa 22 pro Nachtschicht. Viele Bewohnerinnen und Bewohner benötigen intensive Hilfe – 77Prozent brauchen Unterstützung beim Toilettengang, ein großer Teil lebt mit Demenz.

„Das Personal muss ständig zwischen akuten Bedürfnissen – Windelwechsel, Stürze, Angstzustände – priorisieren. Das ist eine große Belastung“, sagt Michael Teit Nielsen, Vizedirektor von Ældre Sagen. 

Eine interne Personalbefragung der Verwaltung für Soziales und Gesundheit der Kommune Apenrade von 2024 zeigt jedoch ein anderes Bild: eine hohe Arbeitszufriedenheit. Die Befragung erfasst unter anderem Wohlbefinden, psychisches Arbeitsumfeld und soziale Zusammenarbeit der Mitarbeitenden im Pflegebereich. Sie ist Teil der gesetzlich vorgeschriebenen psychischen Arbeitsplatzbewertung (APV). 

Kompetentes Personal und gezielte Weiterbildung

Die Einrichtungen profitieren laut der Verwaltung auf Nachfrage des „Nordschleswigers“ von langjährig erfahrenen Mitarbeitenden und qualifizierten Bewerbungen. In den Pflegeheimen werden keine externen Leihkräfte eingesetzt, nur in Ferienzeiten oder für kurzfristige Vertretungen kommen Ungelernte zum Einsatz. 10 Prozent beträgt der Anteil. 

Auch in der Heim- und Krankenpflege ist der Anteil ungelernter Kräfte niedrig. Etwa 11 Prozent werden hier von ungelernten Mitarbeitenden übernommen. Fachkompetenzen, insbesondere im Bereich Demenz, werden durch ein kommunales Demenzteam und kontinuierliche Weiterbildungen gesichert. Deshalb wohl auch die hohe Zufriedenheit bei den Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohnern und denjenigen, die zu Hause von der Heimhilfe betreut werden.

„Die Teams arbeiten eng zusammen und wissen, wie sie den Bewohnerinnen und Bewohnern Sicherheit und Würde vermitteln können“, betont Michael Christensen (Sozialistische Volkspartei, SF), Vorsitzender des Sozial- und Seniorenausschusses. „Das Zusammenspiel zwischen Pflegepersonal, Angehörigen und Verwaltung funktioniert in Apenrade sehr gut“, so seine Einschätzung.

Lösungsansätze und Best Practices

Apenrade zeigt, dass gute Pflege auch unter anspruchsvollen Bedingungen möglich ist. Beispiele aus den Heimen und der Heimpflege machen deutlich:

  • Interdisziplinäre Teams koordinieren die Betreuung und sorgen für kurze Kommunikationswege.
  • Kontinuität der Mitarbeitenden stärkt Vertrauen und Sicherheit bei den Bewohnenden.
  • Gezielte Weiterbildungen und Spezialisierungen, etwa für Demenz, verbessern die Qualität der Pflege.
  • Technische Hilfsmittel wie digitale Patientenakten und Sensoren erleichtern den Alltag, ersetzen aber nicht die menschliche Nähe.

Die Kommune plant, diese Ansätze weiter auszubauen, um sowohl die Zufriedenheit der Älteren als auch die Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte langfristig zu sichern, heißt es von der Verwaltung. 

Auch Angehörige können zur Verbesserung beitragen: durch Mitwirkung in Heimausschüssen, freiwillige Unterstützung oder aktive Kommunikation mit den Teams. Die Politik ist aufgerufen, Ressourcen so zu verteilen, dass Fachkräfte gehalten und neue gewonnen werden können. Apenrade zeigt, dass systematische Weiterbildung, Teamarbeit und Beteiligung der Betroffenen Lösungen sind, die wirken.

Pflege in Apenrade – ein konstruktives Doppelbild

Die Situation in Apenrade zeigt ein klares Doppelbild: Die positiven Beispiele aus Apenrade verdeutlichen, dass mit guter Organisation, gezielten Weiterbildungen, interdisziplinärer Zusammenarbeit und Beteiligung der Betroffenen hohe Pflegequalität auch unter anspruchsvollen Bedingungen möglich ist. Technische Hilfsmittel können vieles erleichtern, ersetzen jedoch nicht den menschlichen Faktor – die Nähe, Aufmerksamkeit und Empathie, die Pflege lebendig und würdevoll machen. Demgegenüber stehen ein hoher Arbeitsdruck, steigende Anforderungen und Fachkräftemangel, die landesweit eine Herausforderung für die Kommune darstellen. 

Umfrage zur Heim- und Häuslichen Pflege in der Kommune Apenrade (Ældreministeriet 2025)