Kommunalwahl 2025

Herausforderung für lokale Gesundheitsangebote: Im Regionsrat wird es eng für Kandidierende aus Nordschleswig

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Louise Thomsen Terp (r.) von der Schleswigschen Partei empfiehlt den Wählerinnen und Wählern in der Kommune Tondern bei der Regionswahl, Mette Bossen Linnet von Venstre ihre Stimme zu geben (Archivfoto).

Ab 2027 soll ein Gesundheitsrat für Nordschleswig mit Abgeordneten aus dem Regionsrat die Angebote vor Ort koordinieren. Bei der Wahl kann es jedoch für Kandidierende aus dem Landesteil eng werden. Die SP empfiehlt daher, persönlich für eine Person aus dem Grenzland zu stimmen.

Eine Abgeordnete aus Odense, die entscheidenden Einfluss auf das Apenrader Krankenhaus hat. Oder ein Volksvertreter aus Vejle, der über die Zukunft der Tonderner Notaufnahme entscheidet. 

Diese Szenarien sind keineswegs unwahrscheinlich. Die Schleswigsche Partei (SP) hat keinen direkten Einfluss auf diese Fragen, da sie nicht für den Regionsrat für Süddänemark kandidiert. Ihre Empfehlung an die Anhängerschaft der Partei ist jedoch eindeutig.

„Stimm persönlich für eine Person aus Nordschleswig. Es ist entscheidend, dass Menschen mit Lokalkenntnis im Regionsrat vertreten sind“, sagt Gösta Toft, Vorstandsmitglied der SP.

Lokale Gesundheitsräte entscheiden über Krankenhäuser 

Hintergrund der Empfehlung: Ab 2027 wird ein Gesundheitsrat mit Abgeordneten aus dem Regionsrat sowie den Kommunalräten über die Gesundheitsangebote in Nordschleswig entscheiden. Er soll unter anderem die Verantwortung für die Krankenhäuser sowie für die praktizierenden Ärztinnen und Ärzte haben. Auch Gesundheitsgebote im Bereich der Heimpflege werden ihm unterstellt.

Diese Gesundheitsräte sind ein zentraler Baustein der Gesundheitsreform, die das Folketing verabschiedet hat. Ziel ist es, die Angebote stärker an den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger auszurichten. Deshalb sei es ganz entscheidend, dass Menschen, die die Situation vor Ort kennen, im Gesundheitsrat für Nordschleswig vertreten sind, meint die Kandidatin aus der Kommune Sonderburg, Jette Damsø Henriksen (Soz.).

Wenn man am Dienstag zur Wahl geht, sollte man unbedingt auch auf dem Wahlzettel für die Region ein Kreuz machen.

Gösta Toft

„Wir kennen die Verhältnisse in unserer Kommune in- und auswendig. Das ist bei einer Person aus Fünen nicht der Fall“, sagt die Kandidatin, die bereits im Regiinsrat vertreten ist.

Weniger Plätze im Regionsrat

Es kann bei der Regionsratswahl jedoch für die Abgeordneten aus Nordschleswig eng werden. Die Anzahl der Plätze im Rat ist von 41 auf 31 reduziert worden, und damit wird der Kampf um sie härter. Hinzu kommt, dass gerade mal 250.000 der insgesamt 2,2 Millionen Einwohnenden der Region Süddänemark in Nordschleswig leben. 

Der Apenrader Regionsratskandidat Jens Wistoft (Venstre) befürchtet daher, dass der Landesteil nur schwach vertreten sein wird: „Wir müssen froh sein, wenn aus Nordschleswig und Südjütland zusammen mehr als vier Personen gewählt werden.“

SP-Kandidatin empfiehlt Venstre-Kandidatin

Die Tonderner SP-Stadtratskandidatin Louise Thomsen Terp geht mit ihrer Wahlempfehlung noch einen Schritt weiter, als der Parteivorstand. Sie wirbt auf Facebook für die lokale Venstre-Kandidatin für die Regionswahl, Mette Bossen Linnet. 

„Für mich ist entscheidend, dass die Notaufnahmen und die derzeitigen kommunalen Gesundheitsangebote bewahrt werden. Ich bin überzeugt, dass Mette sich dafür einsetzen wird“, sagt sie. Bossen Linnet sitzt bereits im Regionsrat.

Bessere Vorsorge wird möglich

Ein Teil der jetzigen kommunalen Gesundheitsangebote wird mit der Reform in die Zuständigkeit der Region fallen. Der Gedanke dahinter ist, dass Vorsorge und medizinische Behandlung enger miteinander verknüpft werden.

Damsø Henriksen sieht hierin die Möglichkeit, Krankenhauseinweisungen vorzubeugen. Konkret nennt sie die Psychiatrie, die von langen Wartelisten geplagt ist.

„Kombinieren wir die psychiatrische Expertise der Region mit dem Wissen über die lokalen Verhältnisse in den Kommunen, können wir vorbeugen, dass Menschen in die Psychiatrie müssen“, meint die Norburgerin.

Thema grenzüberschreitende Zusammenarbeit

Wistoft weist auf einen Bereich hin, der außerhalb der Gesundheitsfürsorge liegt: die grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Die Region ist die dänische Partnerin bei den Interregprojekten. Die EU-Mittel für diese Projekte kommen nach seiner Darstellung ganz Süddänemark zugute. Er ist Vorsitzender des zuständigen Ausschusses.

„Diese Arbeit möchte ich gerne fortführen. Für mich als Nordschleswiger ist die grenzüberschreitende Kooperation eine Selbstverständlichkeit. In anderen Teilen der Region ist das Wissen darüber deutlich geringer“, sagt er.

SP-Vorständler Gösta Toft meint, dass die Wählerinnen und Wähler die Regionswahl genauso ernst nehmen sollten, wie die Kommunalwahl. „Wenn man am Dienstag zur Wahl geht, sollte man unbedingt auch auf dem Wahlzettel für die Region ein Kreuz machen. Und dieses sollte man bei einer Kandidatin oder einem Kandidaten aus Nordschleswig setzen.“

Kandidierende aus Nordschleswig

Folgende Personen aus Nordschleswig kandidieren für den Regionsrat: 

A. Sozialdemokratie

B. Radikale Venstre

C. Konservative

F. Sozialistische Volkspartei

I. Liberale Allianz

O. Dänische Volkspartei

V. Venstre

Æ. Dänemarkdemokraten

Ø. Einheitsliste

Berücksichtigt sind Parteien mit Aussicht auf Mandate.

So soll die Umfrage gedeutet werden

Die Zahlen aus der Umfrage sind mit Vorsicht zu genießen. Dies liegt vor allem daran, dass fast die Hälfte der Wählerinnen und Wähler angibt, dass sie zwar wählen gehen, aber noch nicht entschieden haben, wem sie ihre Stimme geben werden.

Sie zeigt also ausschließlich den aktuellen Stand bei der Hälfte der Wählerschaft, und auch diese Hälfte kann ihre Meinung noch ändern. Die Parteien und Listen können somit im Wahlkampf noch etliche Stimmenanteile gewinnen und verlieren.

Hinzu kommt die statistische Unsicherheit, die in der Grafik abzulesen ist. Sie unterscheidet sich von Partei zu Partei. In Tondern (Tønder) liegt sie für die SP bei 3,9 Prozentpunkten. Der Wert für die Partei liegt somit zwischen 22,7 und 30,5 Prozent.

In Hadersleben (Haderslev) liegt die SP zwischen 0,7 und 3,3 Prozent, in Sonderburg (Sønderborg) zwischen 2,1 und 5,5 Prozent und in Apenrade (Aabenraa) zwischen 4,3 und 9,1 Prozent.

Diese Unsicherheiten bedeuten auch, dass die berechneten Mandatzahlen mit noch größerer Vorsicht zu genießen sind. „Der Nordschleswiger“ hat sie auf Grundlage der Umfrage mithilfe eines Rechners nach der D’Hondt-Methode berechnet. Die Wahlbündnisse sind in dieser Berechnung berücksichtigt.

Selbst kleine Verschiebungen bei den Prozentzahlen können zu einer anderen Mandatsverteilung führen.