Gesundheit

„Demenzfreundlicher Urlaub“: Pilotprojekt mit Zukunft

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Ob mit Spaziergängen am Strand oder anderen gemeinsamen Freizeitbeschäftigungen: Die Kommune Apenrade setzt auf einen Tourismus, der sich an Familien mit dementen Angehörigen richtet (Symbolfoto).

Urlaub machen, ohne Angst vor Überforderung: In Apenrade wurde ein Ferienangebot für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen erprobt. Die Rückmeldungen zeigen, wie wichtig solche geschützten Auszeiten sind – und warum es weitergehen soll.

Ein Urlaub, der Sicherheit gibt, entlastet und neue Kraft spendet: Mit einem Pilotprojekt zur demenzfreundlichen Tourismusentwicklung hat die Kommune Apenrade in diesem Jahr Neuland betreten – und trifft damit offenbar auf wachsenden Bedarf. Das ergab die Auswertung einer Umfrage unter den Teilnehmenden, die jetzt den politischen Ausschüssen vorliegt. 

Der Ausschuss für nachhaltige Entwicklung (bærdygtig udvikling) beschloss im Februar, Mittel aus dem Budget 2025 gezielt für die Entwicklung eines neuen touristischen Angebots einzusetzen. Die Wahl fiel auf Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen – eine Zielgruppe, die stetig wächst und für die klassische Urlaubsangebote oft nicht geeignet sind. 100.000 Kronen gab es dafür. 

Ein Ferienangebot mit besonderer Rücksichtnahme

Im Mittelpunkt des Projekts stand ein einwöchiger Ferienaufenthalt in der 40. Kalenderwoche in Apenrade. 14 Paare nahmen daran teil, weitere 48 Personen standen auf der Warteliste – ein deutliches Signal für den bestehenden Bedarf.

Das Konzept setzte bewusst auf Rahmenbedingungen, die den besonderen Herausforderungen von Demenz Rechnung tragen. Dazu gehörten übersichtliche und ruhige Unterkünfte, demenzfreundliche Restaurants, Geschäfte und Museen sowie ein klar strukturiertes Tagesprogramm. Menschen mit Demenz sind auf Verlässlichkeit angewiesen – zugleich sollte es möglich sein, Programmpunkte je nach Tagesform auszuwählen oder auszulassen. Begleitet wurden die Gäste von Fachpersonal, das Orientierung bot und bei Bedarf unterstützte.

Entlastung auch für Angehörige

Demenz wird oft als „Krankheit der Angehörigen“ bezeichnet – weil sie den Alltag und die Verantwortung der Nahestehenden stark prägt. Deshalb richtete sich das Angebot ausdrücklich an beide Seiten: an Menschen mit Demenz ebenso wie an ihre Partnerinnen, Partner oder Familienmitglieder.

Die Rückmeldungen der Teilnehmenden fallen eindeutig aus. Viele hoben hervor, wie wichtig es sei, Urlaub mit Menschen in einer ähnlichen Lebenssituation zu verbringen. Der Austausch mit Gleichbetroffenen schaffe Verständnis, senke Hemmschwellen und vermittle das Gefühl, nicht allein zu sein. Angehörige berichteten zudem von spürbarer Entlastung und davon, neue Netzwerke geknüpft zu haben.

92 Prozent der Befragten würden den Aufenthalt weiterempfehlen, ergab die Umfrage unter den Teilnehmenden. Mehrere gaben an, ohne ein speziell zugeschnittenes Angebot gar nicht verreist zu sein – zu groß wären sonst die organisatorischen und emotionalen Hürden gewesen.

Lernen für die nächste Phase

Die aktuelle Evaluation zeigt auch, wo das Konzept weiterentwickelt werden kann. So regten Teilnehmende an, künftige Aufenthalte stärker an den jeweiligen Krankheitsstadien auszurichten. 

Das Pilotprojekt in Apenrade war bewusst breit angelegt, was jedoch dazu führte, dass einige Gäste deutlich mehr Unterstützung benötigten als andere.

Ein weiterer zentraler Punkt: Dort, wo touristische Akteure über Kenntnisse im Umgang mit Demenz verfügten, fühlten sich die Gäste besonders sicher. Schulungen und Qualifizierungen für Gastgeber, Gastronomie und Attraktionen könnten daher ein Schlüssel sein, um demenzfreundlichen Tourismus dauerhaft zu etablieren.

Wie es weitergehen kann

Die Erfahrungen aus Apenrade zeigen: Demenzfreundlicher Tourismus ist machbar – und gefragt. Die nächste Herausforderung besteht darin, aus dem Pilotprojekt ein tragfähiges, wiederkehrendes Angebot zu entwickeln. Denkbar wären mehrere Aufenthalte pro Jahr, stärker spezialisierte Gruppen oder eine systematische Qualifizierung touristischer Betriebe.

Für Apenrade eröffnet sich damit nicht nur eine neue touristische Nische, sondern auch die Chance, soziale Verantwortung und regionale Entwicklung miteinander zu verbinden. Ein Urlaub, der Würde, Teilhabe und Entlastung ermöglicht, könnte so zu einem festen Bestandteil der kommunalen Demenzstrategie werden, heißt es in der Analyse.

Zusammenarbeit als Erfolgsfaktor

Getragen wurde das Projekt von einer engen Kooperation: Die Kommune Apenrade arbeitete mit dem Alzheimerverein zusammen, der seine fachliche Expertise einbrachte, sowie mit dem Tourismusverband der nordschleswigschen Kommunen, „Destination Sønderjylland“, der den Kontakt zu lokalen touristischen Akteuren herstellte. Beide Partner prüfen nun, wie eine Fortsetzung und Ausweitung des Angebots aussehen könnte.

Demenz – was ist das?

Hier erfährst du mehr über die 10 Warnzeichen:https://www.alz.org/de/10-symptome-alzheimer-demenz.asp

Quelle: www.alz.org

 

Quelle: Harald Floer, Chefarzt der Neurologie