Verkehrsplanung

Wie eine Hafenstraße zur Fußgängerzone wird

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So sieht es an der Sønder Havnegade normalerweise aus: Fahrzeuge fahren auf der Pflastersteinstraße hin und her.

Über die Pflastersteine auf der Straße Sønder Havnegade in Sonderburg werden in diesem Jahr von Ende Mai bis Ende September keine Fahrzeuge rollen. Stattdessen stehen Tische und Stühle auf dem Weg. Warum kann die Hafenzeile nicht ganzjährig vom Verkehr befreit werden? Stadtratspolitikerin Kirsten Bachmann erklärt die Situation.

Cafétische statt Autos: Die Kommunalpolitik von Sonderburg hat beschlossen, die Sperrung der Sønder Havnegade für den Fahrzeugverkehr auszuweiten. In diesem Jahr wird die Straße vom 30. Mai bis einschließlich der letzten Septemberwoche für Autos, Motorräder, Mofas, Fahrräder und Roller gesperrt sein.

Bereits in den vergangenen drei Sommern stärkte die autofreie Zone die besondere Hafenatmosphäre vor Ort. Die Straße wurde zum lebendigen Treffpunkt für Bürgerinnen und Bürger sowie Touristinnen und Touristen, die den Blick auf das Schloss, die Klappbrücke und die zahlreichen Schiffe im Hafen genießen konnten.

Die Verlängerung der Sperrzeit soll die Entwicklung des Hafengebiets als attraktiven öffentlichen Raum unterstützen – und zwar dauerhaft. Stadtratspolitikerin Kirsten Bachmann (Schleswigsche Partei) ist die Vorsitzende des zuständigen politischen Ausschusses. Sie sagt: „Eine lebendige Hafenfront, die zum Verweilen und zur Gemeinschaft einlädt, ist etwas, das sich viele Bürger wünschen.“

Die Sønder Havnegade ist zwischen Juni und September eine Fußgängerzone.

Die Sperrung gilt künftig an allen Tagen der Woche rund um die Uhr und erstreckt sich von der Ecke Brogade bis zur Ecke Nørrebro.

Warum nicht immer so?

Obwohl die temporäre Schließung von vielen als Erfolg bewertet wird, gibt es mehrere Gründe, warum eine dauerhafte Sperrung bislang nicht umgesetzt wurde, erklärt Stadtratspolitikerin Bachmann, die einer prinzipiellen Sperrung offen gegenübersteht.

„Ein zentrales Hindernis ist die fehlende politische Rückendeckung für eine permanente Lösung. Im Stadtrat gibt es zwar immer wieder Stimmen, die eine ganzjährige Sperrung fordern, doch bislang konnten sich diese nicht durchsetzen." Sie schätzt: Auch im Wahlkampf wird das Thema eine Rolle spielen.

Hinzu kommen praktische Herausforderungen: Die Verkehrsführung müsste neu organisiert werden, um sowohl den Bedürfnissen der Anwohnenden als auch der zahlreichen Touristinnen und Touristen, die das Schloss besuchen, gerecht zu werden. Für Anwohnende würde eine dauerhafte Sperrung längere Fahrwege bedeuten.

Ein weiteres Problem ist die technische Umsetzung einer dauerhaften Absperrung. Während am Rathaus bereits versenkbare Poller eingesetzt werden, ist diese Lösung für die Sønder Havnegade nicht geeignet.

Eine Bedienung vor einem der vielen Restaurants an der Sønder Havnegade. Im Sommer vergrößert sich durch die Tische auf der Straße die Anzahl der Gäste enorm.

Grund dafür sind regelmäßige Salzwasserüberschwemmungen, die die Technik beschädigen würden. „Bisher wurde noch keine praktikable und kostengünstige Alternative gefunden, die es beispielsweise Anwohnern oder Rettungsdiensten ermöglichen würde, die Straße im Bedarfsfall zu passieren.“

„Bereits jetzt zeigen sich Schäden wie Risse an den Gebäuden“

Dennoch müssen auch bauliche Aspekte berücksichtigt werden: Viele der historischen Häuser entlang der Straße sind für den heutigen Verkehr nicht ausgelegt. „Bereits jetzt zeigen sich Schäden wie Risse an den Gebäuden, was langfristig für eine Sperrung sprechen würde“, sagt Bachmann. Dennoch überwiegen aktuell die genannten praktischen und politischen Hürden.

Kirsten Bachmann betont, dass eine dauerhafte Sperrung der Sønder Havnegade grundsätzlich wünschenswert wäre, die Umsetzung aber sorgfältig vorbereitet werden müsse.

„Dazu zählt insbesondere eine umfassende Klärung der Verkehrsführung und die Entwicklung technischer Lösungen für die Zufahrt von Anwohnern und Notfalldiensten. Bis dahin bleibt die saisonale Sperrung ein Kompromiss.“