Selbstversuch

Sommertour: Stand-up-Paddeln in Mummark für Körper und Seele

Veröffentlicht Geändert
Nein, übers Wasser gehen kann unsere Reporterin Simone Mischke nicht. Aber mit Board, Paddel und Spaß an der Bewegung kommt auch der buchstäbliche Perspektiv-Wechsel auf die Landschaft, findet sie.

Die Lokalredaktion Sonderburg geht auf Sommertour zwischen Alsen und Rinkenis, probiert verschiedene Aktivitäten aus und gibt Tipps. Unsere Reporterin Simone Mischke ist begeisterte Stand-up-Paddlerin und will wissen, warum sich ein Trip an den Spot Marina Mummark lohnt und was das Paddeln hier besonders macht: mit (Neben)Wirkungen für Body & Soul.

Das Wasser glitzert in der Morgensonne. Ein paar Segelboote schaukeln in der Marina Mummark (Mommark) auf Südalsen (Sydals) sanft hin und her. Es ist neun Uhr morgens und noch ist kaum etwas los am Strand – dafür an der Rezeption des Jachthafens, auf dessen Gelände auch ein Campingplatz ist.

Betreiber Carsten Kock wuselt zwischen Telefonaten, Anweisungen an seine Mitarbeitenden und einem freundlichen „Moin! Wollt ihr erst mal einen Kaffee?“ hin und her. Die Frage gilt meinem „Nordschleswiger“-Kollegen und mir. Fabian soll als Praktikant und eher Landratte das Leben in Nordschleswig auch von seiner Schokoladenseite kennenlernen: vom Wasser aus. Stand-up-Paddeln, kurz SUP, eignet sich da wunderbar.

Fabian stand noch nie auf einem Board. Ich bin seit bummelig zwölf Jahren SUPerin und inzwischen zertifizierte Trainerin. Fabian wiederum erzählt, er sei Rettungsschwimmer: Es sollte also nicht viel schiefgehen bei unserem SUP-Trip.

Vier SUP-Boards hat Betreiber Carsten Kock im Verleih. Paddel, Sicherheitsweste und eine Einführung sind im Preis enthalten.

Carsten sucht erst mal zwei passende Rettungswesten raus. Die sind in Dänemark Pflicht. Man muss sie nicht zwingend anlegen, aber auf dem Brett dabeihaben. Weil ich mich auskenne, verzichtet Carsten auf eine längere Einweisung. Gibt uns aber mit auf den Weg: „Wir haben ablandigen Wind heute. Deshalb hab' ich ein Auge auf euch.“

Abgesehen vom leicht ablandigen Wind ist das Wetter perfekt zum SUPen: nicht zu warm und am Morgen ist am Strand noch nicht viel los. Bevor wir aufs Wasser gehen, müssen wir noch die Paddel auf die richtige Länge einstellen. Obs!

Die Paddel sind ein bisschen kurz, vor allem für Fabian. Und mein Board könnte etwas mehr Luft vertragen. Da wir aber keine stundenlange Tour planen, ist das in Ordnung.

Wo steht man auf dem Board, wie hält man das Paddel? Das erkläre ich Fabian, bevor wir auf's Wasser gehen.

Das Meer umspült meine Füße, weil es die letzte Zeit so warm war, fühlt es sich angenehm an. Das Wasser ist tief genug, dass ich das Board schnell absetzen kann, ohne dass die Finnen – die sind wichtig, damit das Brett die Spur hält – über den Meeresboden schrammen.

Die Paddel können individuell auf die richtige Länge eingestellt werden – eigentlich.

Ich erkläre Fabian, wie man aufs Board steigt und darauf steht: Die Füße etwa hüftschmal links und rechts vom Tragegriff, locker in den Knien, Paddel möglichst weit vorn einstechen und bis zu den Füßen ziehen. Wenn man halbwegs sportlich ist und ein gutes Körpergefühl hat, lernt man die Basics schnell.

Auf geht’s! Der Weg zum Wasser ist kurz und die Boards leicht. Die wichtigsten Utensilien wie Schlüssel und eine Flasche Wasser sind in meinem wasserdichten Rucksack verstaut.

Heute ist ablandiger Wind. Ich habe ein Auge auf euch.

Carsten Kock

SUPen wirkt – und ändert den Blick auf die Landschaft

Jetzt kommt das Beste: das Dahingleiten über das Wasser. Bei jedem Eintauchen des Paddels in das Wasser höre ich das leise Plätschern. Ein paar Züge links. Ein paar Züge rechts. Das Plätschern und der gleichmäßige Ablauf der Bewegung wirken beruhigend.

Mein Kollege hat sich schnell aus der knienden in die stehende Position gearbeitet.

Für viele ist das SUPen daher auch ein perfekter Ausgleich zum Job. Vor allem, um runterzukommen. Zumindest auf der deutschen Seite, vor allem in Schleswig-Holstein, hat sich das Paddeln in den vergangenen Jahren zum Trend entwickelt. Hier in Nordschleswig indes begegnen mir selten andere Paddlerinnen und Paddler.

Was ich außerdem an dem Sport schätze: den Perspektivwechsel. Vom Wasser lernt man auch die gewohnte Umgebung buchstäblich von einer anderen Seite kennen. In Mummark war ich bislang noch nie SUPen. Der Spot bietet einen schönen Kontrast zwischen dem Jachthafen einerseits und schroffen Hängen andererseits. Die Morgensonne hat sie in ein sanftes, teils leicht rötliches Licht getaucht.

Schweinswale und ein malerischer Hafen

SUP-Spots mit einem Jachthafen haben immer einen besonderen Flair, wie ich finde. Da bin ich mit einem Blick in Urlaubsstimmung – obwohl das ja hier, auch wenn es nicht so aussieht und sich auch nicht so anfühlt, Arbeit ist. Hinter der Hafenmole, die die Jahrhundert-Sturmflut vor knapp zwei Jahren stark beschädigt hatte, schaukeln die weißen Masten der Segelboote hin und her.

Wenn jetzt noch ein Schweinswal vorbeikäme, wäre das SUP-Glück perfekt. Doch dafür bin ich wohl zu früh hier. Wie mir Betreiber Carsten erzählt, gibt es hier viele Schweinswale. Sie kommen jedoch vor allem nachmittags, um hier nach Fisch zu jagen.

Dicht am Ufer hat man einen guten Blick auf die Natur und ist bei Problemen schnell wieder auf dem Trockenen.

Sport oder Spaß – oder was?

Runterkommen, die Gegend von einer anderen Seite kennenlernen, in der Natur sein, das alles sind für mich wichtige Aspekte des Stand-up-Paddelns. Es gibt aber noch einen anderen. SUP ist ein effektives Ganzkörper-Training. Dadurch, dass man ständig ausbalancieren muss, sind viele Muskeln beteiligt: vor allem auch die sogenannten Core-Muskeln. Sie sorgen für einen stabilen Rumpf. Und wer diese Muskeln regelmäßig trainiert, kann unter anderem Rückenschmerzen vorbeugen.

Mein Kollege Fabian, der seine Muskeln normalerweise beim sogenannten Calisthenics brennen lässt – dabei arbeitet man mit dem eigenen Körpergewicht – fragt nach unserem kleinen SUP-Ausflug vorsichtig: „War das jetzt Sport für Dich?“ Nee, antworte ich und muss schmunzeln. Heute war nur ein bisschen rumspielen im Wasser.

SUPen in Mummark ist wie ein Mini-Urlaub – auch wenn gerade kein Schweinswal zu sehen ist.

Aber ich weiß ja, dass meine Arm- und Schultermuskeln nicht vom Stemmen der Kaffeetasse in der Redaktion kommen. Und genau das ist ja auch das Schöne am SUPen: Ob man nun ein sportliches oder gesundheitliches Ziel verfolgt, entspannen oder Spaß haben will – das kann jeder individuell nach Tagesform und den eigenen Bedürfnissen gestalten.

Ein paar Tipps für sicheres und entspanntes SUPen:

Wie sportlich man das SUPen gestaltet, kann jeder selbst bestimmen. Längere, regelmässige Touren, ein paar Sprints, all das verbessert die Ausdauer und stärkt die Muskulatur.
  • Boards ausleihen kann man beispielsweise hier:
    • Marina Mummark: 175 Kronen für vier Stunden
    • Marina Fiskenæs in Gravenstein (Gråsten): 199 Kronen für zwei Stunden
  • Bevor es aufs Wasser geht: Wetter, Wind und Wellen checken. Gerade vor Mummark ist Ostwind für Anfänger eher ungünstig, weil das Wasser dann wellig wird. Auf keinen Fall aufs Wasser bei Gewitter oder Gewitterwarnung
  • Grundsätzlich vorher checken, wo Paddeln erlaubt ist.
  • Eine Rettungsweste ist in Dänemark Pflicht. Sie muss nicht getragen werden, aber auf dem Board liegen.
  • Außerdem sollte man für den Notfall ein wasserdicht verpacktes Handy dabeihaben. Bei längeren Touren Sonnenschutz, etwas zu trinken und gegebenenfalls etwas zu essen in einem wasserdichten Rucksack.
  • Wer allein aufs Wasser geht: Jemandem an Land Bescheid geben, wohin man paddelt und wie lange man voraussichtlich weg ist
  • Im Meer eine sogenannte Leash anlegen: Sie ist am Board befestigt und wird um den Knöchel gelegt. Fällt man ins Wasser, muss man so nicht dem Board hinterher schwimmen.
  • Immer gegen den Wind starten und mit dem Wind zurück paddeln.
  • Auch auf dem Wasser gelten (Vorfahrt)Regeln: rechts vor links, weiträumig Abstand von Schwimmenden halten, Berufs-Schifffahrt hat immer Vorfahrt.
  • Weiträumig Abstand von Seevögeln halten. Wer Fischer im Wasser stehen sieht, paddelt am besten hinter ihnen vorbei, um nicht aus Versehen einen Angelhaken abzubekommen.
  • Sich rücksichtsvoll gegenüber Mensch und Tier verhalten und keinen Müll zu hinterlassen, sollte für alle SUPer selbstverständlich sein.
Zwischendurch mal mit der Kamera einen Blick unter Wasser werfen – für mich ein weiterer Reiz beim Stand-up-Paddeln.
SUPen ist ein Natursport. Deshalb gibt es einiges zu beachten.

Die Marina Mummark selbst und die Küste sind malerisch und perfekt für eine kleine Auszeit vom Alltag auf dem Board. Ich komme sicher wieder. Das nächste Mal für eine längere Tour.

Simone Mischke