Kulturgeschichte

Im Schnellboot über den Alsensund: Das steckt hinter dem Angebot

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Ein RIB-Boot ist ein sogenanntes Festrumpfschlauchboot, das einen festen Rumpf mit aufblasbaren, luftgefüllten Schlauchkörpern an den Seiten kombiniert. In Aarhus finden bereits touristische Hafen-Fahrten mit diesen seetauglichen Schlauchbooten statt.

Im August finden erstmals maritime Zeitreisen rund um Alsen statt, bei denen Teilnehmende archäologische Schiffe und deren Nachbauten besuchen und über das Leben von einst erfahren. Wie sie auf diese Idee kam, verrät Agenturleiterin Mia Lilliendahl Larsen.

Mit Schnellbooten über den Alsensund (Alssund) und in die Vergangenheit: Das bietet ein neues Angebot namens „Kultursejlads Als“. Eine maritime Zeitreise auf dem Wasser rund um die Insel Alsen (Als), die sich an Familien mit Kindern sowie an historisch interessierte Personen richtet.

Die Fahrten finden im August mit sogenannten RIB-Schlauchbooten statt und führen entlang bedeutender Fundorte von dänischen Oldtimerschiffen wie dem „Hjortspringbåd“, dem „Nydambåd“ und der „Sebbe Als“.

Die Idee dazu stammt von Agenturleiterin Mia Lilliendahl Larsen von „Eventør“, die das große Potenzial der Region für den Tourismus erkannt hat: „Ich habe in vielen Jahren immer wieder gedacht, dass wir hier rund um Sonderburg wenig Angebote auf dem Wasser machen. Wir nutzen das für den Tourismus viel zu wenig.“

Wenn das Angebot ein Erfolg wird, können wir das Konzept auf weitere Themen ausdehnen – etwa auf die Geschichte der Herzogtümer oder Schlossroute.

Mia Lilliendahl Larsen

Die Inspiration für das Projekt kam nach einem Vortrag eines Kulturhistorikers aus Aarhus, der sich mit der Geschichte Jütlands, Mythen und Sagen beschäftigte. Mia Lilliendahl Larsen initiierte eine Zusammenarbeit. „Mir fiel ein, dass wir hier drei bedeutende frühgeschichtliche Boote haben. Davon wissen nur wenige, und genau das wollten wir ändern.“

Infomaterial auf Deutsch an Bord

Das Bild zeigt die Strecke, die die Boote während der Ausflüge zurücklegen.

Das Konzept verbindet eine Bootsexpedition auf dem Wasser mit lebendiger Geschichtsvermittlung. „Die Teilnehmenden fahren zwischen den drei Bootslagern und erleben dabei über tausend Jahre Schiffbaugeschichte und archäologische Funde“, erläutert Mia Lilliendahl Larsen.

Während der Touren erzählt Kulturhistoriker Casper Clemmensen auf Dänisch und Englisch Geschichten über Mythen, Sagen und das Leben der Menschen in der Eisen- und Wikingerzeit. Für deutsches Infomaterial wird gesorgt, verspricht Mia Lilliendahl Larsen. An Land stehen die Mitglieder der Bootsgilden für die lebendige Vermittlung. „Hier werden einige auch Deutsch sprechen können“, sagt die Agenturleiterin.

Die Bootsfahrten finden in Zusammenarbeit mit einem Aarhuser Unternehmen statt, das die sogenannten Rib-Boote für die Touren zur Verfügung stellt.

Für die Zukunft sieht Mia Lilliendahl Larsen großes Potenzial: „Wenn das Angebot ein Erfolg wird, können wir das Konzept auf weitere Themen ausdehnen – etwa auf die Geschichte der Herzogtümer oder eine Schlossroute. Es gibt viele Möglichkeiten, die maritime Geschichte der Region auf dem Wasser erlebbar zu machen.“

Schildtraining und handwerkliche Aktivitäten

Die längere Tour bietet Teilnehmenden die Möglichkeit, altes Kunsthandwerk aus der Eisenzeit kennenzulernen.

Für Familien mit Kindern gibt es eine längere Expedition, bei der die Teilnehmenden nicht nur Geschichten hören, sondern auch aktiv in die Erzählungen eingebunden werden. Etwa durch Schildtraining und handwerkliche Aktivitäten aus der Eisenzeit. Diese Tour startet beim „Hjortspringbåd“ in Holm bei Norburg (Nordborg).

Die Veranstaltungen richten sich sowohl an Familien als auch an erwachsene Geschichtsinteressierte. Während die Familientouren am Vormittag etwa fünfeinhalb Stunden dauern, sind die Nachmittagsangebote für Erwachsene etwas kürzer. Beide Versionen finden je zweimal an drei Mittwochen im August statt. Falls die Nachfrage groß ist, wird das Angebot verlängert.

Geschwindigkeit wird angepasst

Das Nydam-Boot ist ein etwa 23 Meter langes, aus Eichenholz gebautes Schiff, das der Lehrer und Archäologe Conrad Engelhardt im Jahr 1863 im Nydam-Moor bei Sonderburg entdeckte. Der Verein „Nydamselskabet“ hat von 2008 bis 2013 im Ort Sottrup Skov, unweit des Fundplatzes, einen originalgetreuen Nachbau errichtet.

Die Schlauchboote werden nicht über den Alsensund brettern, versprechen die Veranstalter: „Die Geschwindigkeit der Boote wird an die Bedürfnisse der Teilnehmenden angepasst, um Sicherheit und Erlebnisqualität zu gewährleisten“, sagt Mia Lilliendahl Larsen.

„Kultursejlads Als“ entstand auf Initiative von „Eventør“ in Zusammenarbeit von Historikerinnen und Historikern, maritimen Fachleuten und den drei Bootsgilden, die die historischen Schiffe erhalten und rekonstruieren (siehe Infokasten).

Unterstützt wird das Projekt von mehreren regionalen Stiftungen und der Kommune Sonderburg (Sønderborg). Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, weshalb eine frühzeitige Buchung empfohlen wird. Tickets und weitere Informationen auf Deutsch sind hier erhältlich.

Geschichtsträchtige Boote

Das „Hjortspringbåd“ wurde ursprünglich im Hjortspring-Moor auf Nordalsen gefunden und befindet sich heute als Original im Nationalmuseum in Kopenhagen. Die rekonstruierte Version, die Tilia Alsie, liegt in der Lindeværftet in Holm westlich von Norburg (Nordborg). Dahinter steht der Verein „Hjortspringbådens Laug“. Die Mitglieder des Vereins übernehmen ehrenamtlich die Aktivitäten rund um das Boot und vermitteln Besucherinnen und Besuchern das eisenzeitliche Handwerk sowie die Lebensweise der damaligen Zeit.

Das „Nydambåd“ ist im Archäologischen Museum Schloss Gottorf in Schleswig (Slesvig) ausgestellt, während die rekonstruierte Version „Nydam Tveir“ von „Nydambådens Laug“ in Satrupholz (Sottrup Skov) betreut und regelmäßig auf dem Wasser genutzt wird.

Die „Sebbe Als“ ist eine rekonstruierte Wikingerboot-Version und liegt im Hafen von Augustenburg. Dahinter steht der Verein „Sebbe Als Laug“. Die Mitglieder übernehmen die Vermittlung von Wissen rund um das Boot und sorgen für die Erhaltung und den Betrieb.

Foto: Thomas Roger Henrichsen