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Deshalb ist ein Sonderburger der Weihnachtsmann des Jahres

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Finn Lassen vor dem Eingang seines Zuhauses in Ulkebüll. Die Kutsche mit Rentier steht an der Tür.

Finn Lassen ist im Dezember in der Sonderburger Gegend die Hauptperson des Monats. Wie alles mit einem Tannenverkauf der Pfadfinder startete, und wann der weiße Bart des Weihnachtsmannes abrasiert wird, das erzählt der professionelle Weihnachtsmann dem „Nordschleswiger“ – nicht auf der Straße, sondern in seinem Zuhause in Ulkebüll.

Wer in den vergangenen Wochen auf einen weißbärtigen, lächelnden Mann in rot-weißer Robe in der Sonderburger Fußgängerzone oder im Einkaufszentrum Borgen getroffen ist, der lieb grüßte und nach den Wünschen der Kinder fragte, der durfte sich freuen. Es war höchstwahrscheinlich Finn Lassen (74), nicht aus Grönland, aber aus Ulkebüll (Ulkebøl).

Dieser Santa Claus gehört zur ersten Riege. Ihm wurde im Juli beim Weltkongress der Weihnachtsmänner in Aalborg nach einer heimlichen Briefabstimmung der ehrenvolle Titel „Weihnachtsmann des Jahres“ zugeteilt. Bis zum nächsten Weltkongress 2025 darf er nun den rot-weißen Mantel, eine Krone und ein Zepter tragen.

Es begann bei den Pfadfindern

Aber wie wird ein Mann zur perfekten Weihnachtsfigur, die anderen so viel Freude zu Weihnachten beschert? Für Finn Lassen begann alles ganz woanders: bei den Pfadfindern in Augustenburg (Augustenborg).

„Es war Anfang der Achtzigerjahre. Da habe ich Weihnachtsbäume verkauft.“ Das ginge als Weihnachtsmann bestimmt noch besser, dachte Lassen. Eine Bekannte nähte ihm seine erste rote Robe mit spitzer Kappe. Später wechselte er zu einem halben Bischofsmantel, den er in einer deutschen Zeitschrift gesehen hatte. Diesen trägt er noch heute.

Was passiert dort draußen im Garten?

Weihnachtsmänner aus der ganzen Welt

2002 ging der langjährige Hausmeister der Schule in Augustenburg dann in die Vollen: Er meldete sich bei der offiziellen dänischen Weihnachtsmannsgilde an. Ab 2003 bis zur Corona-Pandemie beteiligte er sich bei allen Weltkongressen am Vergnügungspark „Bakken“ in Kopenhagen. Dort traf er Weihnachtsmänner aus der ganzen Welt – aus Amerika, Japan, Hongkong, Südamerika, Kanada.

„25 Nationen sind dabei“, meint er. Ob die hochgewachsenen Weihnachtsmänner vom Giraffenverein aus Dortmund – sie müssen über 2,04 Meter groß sein – der Schotte mit Kilt oder das berühmte Weihnachtspaar aus Las Vegas – beim Weltkongress treffen die unterschiedlichsten Personen aufeinander.

„Alle können das eine oder das andere und dort lässt man sich inspirieren. Man nimmt immer etwas mit nach Hause“, stellt Finn Lassen fest.

Der Weihnachtsmann hat einen mit Rentieren verzierten Stock dabei. Diesen und noch ein paar weitere hat er selbst gemacht.

Kindern nie etwas versprechen

Der Weihnachtsmann des Jahres 2024 hat sich schon immer für Kinder engagiert. Neben der Schule war er Pfadfinderleiter für Kinder ab 12 Jahren. Er weiß, wie er die Aufmerksamkeit der Kinder bekommt und auch, was er den Kleinen nie sagen sollte.

Fragt er die Mädchen und Jungen nach ihren Wünschen, dann darf er ihnen nichts versprechen: „Ich sage ihnen immer, dass ich erst mal untersuchen muss, was ich tun kann.“ Er weiß: Kinder bekommen mehr mit, als die Erwachsenen sich vorstellen können.

Der richtige Weihnachtsmann

Wenn Finn Lassen als Weihnachtsmann unterwegs ist, hat er verschiedene große Metallschlüssel, einen besonderen Kugelschreiber, ein rotes Buch, einen hölzernen Kochlöffel, große und kleine Diplome und ein Zauberbuch dabei. Er bezeichnet sich selbst übrigens nicht als der richtige Weihnachtsmann: „Ich sagte immer, dass mich der Richtige angestellt hat.“ Die Schlüssel sind für den Rentierstall, den Weihnachtsmarkt, das Eigenheim und die Werkstatt des „richtigen“ Weihnachtsmannes.

Finn Lassen hatte in seiner Zeit als Weihnachtsmann nur positive Erlebnisse. Wer nett zu anderen ist, bekommt auch eine positive Reaktion zurück, so der Weihnachtsmann, der den Kindern und Jugendlichen gern eine Süßigkeit zusteckt. Deutsch hat er mit der „Sesamstraße“ und von deutschen Kollegen bei Danfoss gelernt. „Man redet einfach drauflos und kümmert sich eigentlich weniger um die Grammatik“, so sein Rat.

Ein Weihnachtsmann muss immer sehr gepflegt aussehen. Das gilt auch für den Bart, der im Badezimmer mit etwas Gel die richtige Form erhält.

Masterchef und Melvin Kakooza

Zu den besonderen Ereignissen gehört unter anderem der Auftritt bei der Fernsehsendung „Masterchef“. Auf Amager stellten Finn Lassen und dänische Schauspieler viereinhalb Stunden lang Weihnachtsdelikatessen her. „Das hat wirklich Spaß gemacht“, meint er heute noch.

Zu den ungewöhnlichen Dingen gehört auch der Besuch des aus Uganda stammenden dänischen Comedian Melvin Kakooza in Sonderburg. „Das ist ein unglaublich festlicher Mann“, so Finn Lassen begeistert. Komiker Kakooza fragte den Ulkebüller, ob er als Schwarzer Weihnachtsmann sein könne. „Ich habe ihm gesagt, dass das nichts mit der Hautfarbe zu tun hat. Wer das Herz am rechten Fleck hat, kann Weihnachtsmann werden – egal, ob man aus Japan oder Südamerika kommt“, so Lassen. Fünf Stunden lang wurde Melvin Kakooza in Sonderburg und in Finn Lassens Eigenheim in Ulkebüll gefilmt.

Wer das Herz am rechten Fleck hat, kann Weihnachtsmann werden - egal, ob man aus Japan oder Südamerika kommt.

Finn Lassen

Sonderburg 2027 vielleicht Weihnachtsstadt des Jahres

Der Weihnachtsmann aus Ulkebüll setzt auf die Vernunft und kann selbst Kritik mit einem frischen Kommentar in ein Lächeln verwandeln: „Ich amüsiere mich immer und erhalte stets frohe Reaktionen. Einmal meinte eine Großmutter, dass sie schon sehr lange gewartet hätte. Da habe ich ihr gesagt: ,Das habe ich auch‘.“

Finn Lassen ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Seine Ehefrau Elin ist manchmal bei den Weltkongressen dabei, die seit einigen Jahren in Aalborg stattfinden. 2027 will Sonderburg übrigens die Weihnachtsstadt des Jahres werden.

Das Emblem der Vereinigung „Dansk Julemands Laug"

Endlich Ablöser gefunden

Finn Lassen ist 74 Jahre alt. Er hat sich schon länger eine Ablösung gewünscht: „Ich kann ja nicht der Einzige sein. Das geht nicht.“ Nach einer dreijährigen vergeblichen Suche nach einem Weihnachtsmann mit positiver Ausstrahlung musste in diesem Jahr also etwas passieren. Zum Casting kam nur einer – das war dann aber glücklicherweise die perfekte Lösung. Der neue Weihnachtsmann heißt Mogens Lindberg aus Atzbüll (Adsbøl). Er ist Pädagoge an der Guderuper Schule.

Der Bart von Finn Lassen ist kein künstlicher Fake: „Das ist mein eigener und den muss ich jede Woche abbleichen. Der Bart ist sechs bis sieben Zentimeter lang, und der muss gepflegt und gehegt werden – mit Bartshampoo und Öl. Am 24. Dezember besucht Finn Lassen noch vier Familien. „Um 16 Uhr ist dann Schluss. Am Tag darauf rasiere ich den Bart bis auf drei bis vier Millimeter ab. Das war es dann für das Jahr.“

Was er sich wünscht

Finn Lassen ist der treue Gehilfe des Weihnachtsmannes, der sich stets nach den Wünschen der Kinder erkundigt. Stellt man ihm selbst diese Frage, muss er erst einmal überlegen. „Ich habe eigentlich nur einen Wunsch: Schuhüberzieher für meine Füße, wenn es richtig kalt ist“, meint er lächelnd.

Finn Lassen, dieses Mal in zivil. Sein Eigenheim ist aber trotzdem für Weihnachten dekoriert.